Zukunft gestalten: Mettmenstetten auf dem Weg in die neue Legislatur

Einblick in die Entwicklung der Gemeinde und Einladung zur Kandidierenden-Vorstellung am 9. Februar

Idyllisch: Der Weiler Herferswil gehört zur Gemeinde Mettmenstetten. (Bilder Sandra Isabél Claus)

Idyllisch: Der Weiler Herferswil gehört zur Gemeinde Mettmenstetten. (Bilder Sandra Isabél Claus)

Viele Kinder: Das nach wie vor ländlich geprägte Dorf ist familienfreundlich.

Viele Kinder: Das nach wie vor ländlich geprägte Dorf ist familienfreundlich.

Die Ausgangslage für die anstehenden Erneuerungswahlen präsentiert sich für Mettmenstetten völlig anders als noch vor vier Jahren. Damals wurden sämtliche Gemeinderatssitze frei. Nicht so heute. Von den bisherigen Gemeinderäten stellen sich ausser Marylise Schiesser alle wieder zur Verfügung. Sie amtierte die letzten dreieinhalb Jahre als Vizepräsidentin und ist Vorsteherin der Sozialbehörde. Für den frei werdenden Sitz kandidiert Josua Suter (parteilos).

Bei der Sekundarschulpflege gab es durch die Abgänge von Céline Lingua und Yvonne Wüthrich zwei Vakanzen. Jeanine Erni (parteilos) hat einen der zwei Sitze erfolgreich besetzen können; vier Kandidierende wurden in stiller Wahl bestätigt, mit Fabrizio Meo (bisher) als neuem Präsidenten. Der verbleibende Sitz wird an der Urnenwahl vom 8. März beziehungsweise am zweiten Wahlgang vom 14. Juni 2026 besetzt. Da die Sekundarschule in Mettmenstetten zusammen mit Maschwanden und Knonau als sogenannte Kreisgemeinde geführt wird, können Stimmberechtigte aller drei Gemeinden die Besetzung wählen. Bei der Rechnungsprüfungskommission kandidiert für drei frei werdende Sitze bloss eine Person – Luzi Grüter. Der RPK-Präsident Ingo Bartels ruft deshalb alle Interessierten dazu auf, sich für den 8. März in Stellung zu bringen, damit diese wichtige Behörde mit kompetenten Personen besetzt werden kann.

Steigende Zahlen

Auf die neu zusammengestellten Behörden warten neben Unvorhergesehenem diverse absehbare Herausforderungen, welche die im Sommer 2026 beginnende Legislatur prägen werden.

Die Bevölkerung der Gemeinde Mettmenstetten wuchs in den vergangenen Jahren stetig. Mit 5756 Einwohnerinnen und Einwohnern lebt heute rund ein Fünftel mehr Menschen in der drittgrössten Gemeinde des Bezirks als 2015. Zur Gemeinde Mettmenstetten zählen das Dorf sowie die Weiler Grossholz, Dachlissen, Rossau und Herferswil.

Als nach wie vor ländlich geprägter, idyllischer Wohnort ist Mettmentstetten insbesondere bei Familien beliebt. Das zeigt sich eindrucksvoll an den Kindergarten- und Primarschülerzahlen. Diese stiegen in den letzten neun Jahren von 430 auf 641, das sind knapp 50 Prozent mehr. Im Unterschied zu anderen Gemeinden des Bezirks ist die Anzahl der 0- bis 15-Jährigen geradezu explodiert. Das kostet. So wurde kürzlich an der letzten Gemeindeversammlung ein Projektierungskredit im Umfang von 610000 Franken für den Neubau eines Schulgebäudes genehmigt. Der Geschäftsführer der Gemeinde Mettmenstetten, Oliver Bär, gibt weiter zu bedenken: «Für die Betreuung und Bildung eines Kindes fallen jährliche Ausgaben von rund 20000 Franken pro Kind an.» Ohne Frage eine wichtige Investition in die Zukunft der Gemeinde, aber auch eine Belastungsprobe für den Finanzhaushalt. Um diese Kosten allein über Steuern decken zu können, müssten junge Eltern zweier schulpflichtiger Kinder in Mettmenstetten ein steuerbares Einkommen von 420000 Franken erzielen. So braucht es nicht nur ein Dorf, um ein Kind zu erziehen, sondern auch, um es zu finanzieren. Oder starke Nettosteuerzahler, die sogenannten DINKS (Double Income, No Kids). Diese bevorzugen allerdings die nahen urbanen Zentren wie Zürich und Zug. Vielleicht ein Grund, warum die Altersgruppe der 45- bis 65-Jährigen in Mettmenstetten klar untervertreten ist.

Neben den Kindern hat auch der Anteil älterer Menschen signifikant zugenommen. Aufgrund der Pensionierungswelle der Babyboomer sinkt die Erwerbstätigkeitsquote, was sich deutlich auf die Steuereinnahmen der Gemeinde auswirkt. Gleichzeitig wird die Nachfrage nach altersgerechten Wohnformen, Pflegeangeboten und medizinischer Versorgung künftig weiter steigen. Die Gemeinde will sich dieser Aufgabe stellen, indem sie soziale Angebote und Begegnungsräume schafft, die den Zusammenhalt zwischen den Generationen fördern – stets mit wachsamem Blick auf den finanziellen Haushalt. Wie in vielen ländlichen Gemeinden des Kantons Zürich wird die Bewältigung der Folgen des demografischen Wandels zu einer anspruchsvollen Gratwanderung.

Sinkendes Angebot

Diese strukturellen Veränderungen wirken sich auch unmittelbar auf den Wohnungsmarkt aus. Der zunehmende Bedarf an altersgerechtem Wohnraum und die anhaltend grosse Beliebtheit bei Familien treffen auf den steigenden Siedlungsdruck aus den Städten Zürich und Zug. Dazu Oliver Bär: «Noch vor wenigen Jahren konnte sich eine Familie mit einem soliden Einkommen hier Wohneigentum leisten.» Tempi passati. Heute ist Wohnraum – insbesondere bezahlbarer Wohnraum – knapp. Sowohl einzelne Einfamilienhäuser als auch bestehende Landreserven bieten Möglichkeiten zur Verdichtung. Deren Entwicklung wird das Ortsbild und die Bevölkerungsstruktur nachhaltig prägen.

Apropos Entwicklung: Die Gemeinde und mehrere Grundeigentümer – darunter Weisbrod-Zürrer AG als wichtiger Akteur – haben sich zusammengeschlossen, um ein stimmiges Entwicklungs- und Nutzungskonzept für das Areal Erspach zu erarbeiten. Im historischen Industriegebiet von Mettmenstetten dominieren nach wie vor Unternehmen des sekundären Sektors wie die Hawa, die Fritz Hess AG oder die Baur Metallbau AG. Künftig soll ein ausgewogener Mix aus Gewerbe und Wohnen entstehen – ein lebendiger Begegnungsort mitten in Mettmenstetten. Verkehrstechnisch gut erschlossen und mit attraktiven Aufenthalts- sowie Grünflächen. Im Rahmen einer Testplanung entwickeln aktuell drei Architekten-Teams Ideen für die künftige Umgestaltung der Zentrumszone. Es bleibt in Mettmenstetten also auch aus städtebaulicher Sicht spannend.

Im Vorfeld der Gesamterneuerungswahlen am 8. März bietet sich der Bevölkerung Mettmenstettens die Gelegenheit, die Kandidatinnen und Kandidaten persönlich kennenzulernen. Dazu findet am 9. Februar um 19.30 Uhr in der Mehrzweckhalle Wygarten eine Veranstaltung statt.

Mettmenstetten

Gemeindefläche: 13,07 km2

Anzahl Einwohner: 5756 (per Ende 2024)

Besonderheit: Mitte Mai 2026 erlebt Mettmenstetten kurzzeitig einen Ausnahmezustand positiver Art: Anlässlich des Zürcher Kantonalschwingfestes in Dachlissen werden rund 7000 Schwingfans erwartet.

Das wird am 8. März gewählt:

Gemeinderat:

7 Mitglieder, inklusive Präsidium

Primarschulpflege:

5 Mitglieder, inklusive Präsidium

Rechnungsprüfungskommission:

5 Mitglieder, inklusive Präsidium

Sekundarschulpflege (Knonau-Maschwanden-Mettmenstetten):

5 Mitglieder, inklusive Präsidium (stille Wahl hat stattgefunden, 1 Sitz ist noch offen)

 

Sozialbehörde: 5 Mitglieder

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