Zurück auf der Panamericana

Von Feuerland bis Alaska – im November 2019 sind Christa und Flavio De Luigi aus Affoltern ins Abenteuer Panamericana gestartet. In Costa Rica wurden sie allerdings von Corona ausgebremst (der «Anzeiger» hat berichtet) und mussten ihr Wohnmobil im Juni einlagern. Seit Mitte Januar ist das Paar nun wieder auf Achse und mittlerweile in Mexico unterwegs.

Kupplungs-Ersatz mitten in der Wildnis - Flavio De Luigi packt mit an.

Kupplungs-Ersatz mitten in der Wildnis - Flavio De Luigi packt mit an.

Eindrückliche Maya-Stätte Palenque in Mexico. (Bilder zvg.)

Eindrückliche Maya-Stätte Palenque in Mexico. (Bilder zvg.)

Christa De Luigi geniesst die Karibik.

Christa De Luigi geniesst die Karibik.

«Es ist schön, wenn man in diesen Zeiten reisen und unterwegs sein kann», betont Flavio De Luigi. Der «Anzeiger» hat ihn telefonisch in Mexico erreicht, wenige Tage vor der Ankunft in Mexico City. Auf die Hauptstadt freuen sie sich ­besonders. Diese liegt auf fast 2500 ­Metern über Meer.

Dass Christa und Flavio De Luigi wieder unterwegs sein können, ist nicht selbstverständlich. Am 14. Januar hob ihr Flugzeug im Schneetreiben mit zwei Stunden Verspätung in Zürich ab. «Am nächsten Tag wäre es wohl nicht mehr gegangen», blickt der Affoltemer zurück auf den damaligen Wintereinbruch in der Schweiz. In Costa Rica war das Paar erst mal damit beschäftigt, das Wohnmobil auszulösen, wieder offiziell einzuführen und zu versichern. Einen ganzen Tag lang ging es dafür von Amtsstelle zu Amtsstelle.

Kaum Standschäden

Zumindest hatte das Wohnmobil die sieben Monate in den Tropen offenbar gut überstanden. Nicht allen war dieses Glück vergönnt: bei einem Gruppenmitglied war wegen einer undichten Dachluke der ganze Innenraum verschimmelt. Am Fahrzeug der Affoltemer musste einzig die Fahrzeugbatterie ­ersetzt werden, während die Bord-­Batterie durch die Solarzellen voll ­geladen war. «Eigentlich konnten wir die Reifen nachpumpen und losfahren», so Flavio De Luigi. Trotzdem nahmen sie sich Zeit, um sich in Ruhe startklar zu machen und genossen ein paar Tage am Meer, bevor sie am 20. Januar wieder zur Reisegruppe stiessen.

Von ursprünglich zwei Gruppen à 19 Wohnmobilen sind nun noch 14 mit dabei, drei aus ihrer eigenen Gruppe, die etwas vorneweg gefahren, und elf von der zweiten, die einige Tage versetzt ­gestartet war. Weil die ursprünglich ­geplante Reiseroute noch nicht wieder passierbar ist, wich man kurzerhand auf eine Alternative über die Baja California, Mexico, aus. Berühmt ist diese Gegend insbesondere als Ausgangspunkt für Walbeobachtungstouren. So fährt nun der Reiseleiter der ersten Gruppe drei, vier Tage voraus, um die online geplante Route auf ihre Tauglichkeit zu überprüfen, während die verbliebenen Wohnmobile mit der Leiterin der zweiten Gruppe unterwegs sind.

Individuell unterwegs

Und wie sieht der Alltag auf der Panamericana aus? Am letzten Freitag ­haben die Affoltemer in etwa fünf Stunden Fahrzeit 330 km zurückgelegt. Ziel sei es, jeweils vor dem Eindunkeln auf dem nächsten Übernachtungsplatz zu sein. Unterwegs sind die Gruppenmitglieder fast immer individuell. Mal geht man am Morgen noch ins Schwimmbad oder am Strand spazieren, mal bricht man früh auf, um unterwegs Zeit für die Besichtigung von Sehenswürdigkeiten oder einen Einkauf zu haben.

Fremdbestimmt ist die Gruppe nur an den Landesgrenzen. Bis zu sechs Stunden müsse man sich da jeweils ­gedulden und das undurchsichtige ­administrative Prozedere über sich ­ergehen lassen: Auto ausführen, Personen einführen, Auto einführen, mit diversen Formularen und oft nur einer Sachbearbeiterin. Weiter kommen Röntgenapparate und Drogenhunde zum Einsatz und ausser in Mexico gehört auch ein Coronatest zum Pflichtprogramm. Offenbar wird die Bedrohung sehr ernst genommen: «Die Leute tragen überall Masken», beschreibt Flavio De Luigi, «sogar wenn sie alleine im Auto sitzen.» Skurril sei der Anblick, wenn jemand auf dem Töff zwar Maske aber keinen Helm trage.

Kupplungs-Ersatz in der Wildnis

Von grossen Pannen blieben die Affoltemer Panamericana-Reisenden auch nach 25000 gefahrenen Kilometern weitgehend verschont. Und wenn doch mal etwas gemacht werden muss, hat das durchaus Unterhaltungspotenzial. In Antigua Guatemala kapitulierte an einer kleinen Steigung die Kupplung. «Zum Glück hatte ich Ersatz dabei», so Flavio De Luigi. Während die Reiseleiterinnen einen Mechaniker organisierten, begann er bereits die Kardanwelle zu lösen. «Ich lerne sehr viel an Handwerk», so der Affoltemer. Was er in der Schweiz von Spezialisten reparieren lasse, versuche er nun erst selber zu flicken oder zu improvisieren.

Zurück zur kaputten Kupplung: Schon nach wenigen Minuten kam ein erster Mechaniker dazu, der vor Ort im Busch mit dem Ausbau begann. Nach fünf Stunden und mit Unterstützung von weiteren Helfern konnte es dann bereits wieder weitergehen. «Wir ­erreichten Antigua sehr spät und das Navi-Gerät führte uns auch noch auf einem spektakulärem Weg zum ­Übernachtungsplatz», schrieben die ­Affoltemer an jenem Abend noch in ihren ­Reiseblog.

Vulkanausbruch

Aber natürlich dominieren die überwältigenden Eindrücke von unterwegs, die Vielfalt der Natur in ganz unterschiedlichen Klimazonen. Besonders eindrücklich sei etwa der Ausbruch des Vulkans Nindiri gewesen, den die Gruppe von ihrem Übernachtungsplatz aus erleben durfte. Als «gewaltig» beschreibt Flavio De Luigi die historischen Maya-Stätten. «Was die um 600 nach Christus hingestellt haben ...!» Dabei ist nur ein Bruchteil der ursprünglichen Anlagen überhaupt freigelegt. Die Einheimischen zeigen derweil grosses Interesse an den Wohnmobilen. «Wir werden immer wieder angesprochen», sagt Flavio De Luigi. Weil sie selber kein Spanisch sprechen, versuchen sie sich dann jeweils mit Händen und Füssen auszutauschen.

Der nächste Fixpunkt auf der Reise der Affoltemer ist nun der 21. März. Dann soll sich entscheiden, ob die USA die Grenzen wieder öffnen und so eine Einreise auf dem Landweg ermöglichen. Darauf hoffen die Panamericana-Reisenden, deren geführte Reise am 4. April in Arizona enden soll. Sollte die Grenze nicht öffnen, so werden Christa und ­Flavio De Luigi noch einige Tage an der Baja California in Mexico anhängen. Schliesslich hat er im letzten Ägypten-Urlaub das Kitesurfen erlernt und eigens seine Ausrüstung mitgenommen. Den Sommer wollen die Reisenden in Affoltern verbringen, um dann im Herbst individuell die nächste Etappe unter die Räder zu nehmen. Nach einem Skiwinter in der Schweiz soll ihre Reise dann 2022 in Nordamerika zu Ende gehen.

Reiseblog unter www.polarsteps.com/FlavioDeLuigi.

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