Arbeiten, wo Fehler Konsequenzen haben
Marco Fetz über den Aufbau eines Sicherheitsunternehmens mit Verantwortung und Vertrauen
Vertrauen drängt sich selten in den Vordergrund. Es bewährt sich in Momenten der Unsicherheit, bei Entscheidungen unter Druck und in Arbeit, die funktionieren soll, ohne aufzufallen. Dort, wo Verantwortung gross ist und Fehler Konsequenzen haben, wird Glaubwürdigkeit nicht eingefordert – sie entsteht über die Zeit.
Marco Fetz, wohnhaft in Wettswil und Geschäftsführer der Starco Security AG, arbeitet seit über drei Jahrzehnten in diesem Umfeld. Sein beruflicher Werdegang spiegelt nicht nur die Entwicklung des erfolgreichen Unternehmens wider, sondern auch die veränderten Erwartungen an private Sicherheitsdienstleistungen in der Schweiz – in denen Disziplin, menschliches Urteilsvermögen und Verlässlichkeit zunehmend an Bedeutung gewinnen.
Der Sprung ins Ungewisse
Gegründet wurde das Unternehmen 1994, zu einer Zeit, als Marco Fetz seine Berufslehre noch absolvierte. Der Schritt in die Selbstständigkeit erfolgte früh und ohne finanzielle Absicherung. Das Startkapital belief sich auf rund zehntausend Schweizer Franken und wurde von seinen Eltern bereitgestellt. Es war ein bescheidener Anfang, verbunden mit langen Arbeitszeiten und einer vorsichtigen Wachstumsstrategie. «Am Anfang musste alles sehr sorgfältig geplant werden», erinnert sich Marco Fetz. «Es gab keinen grossen Spielraum für Fehler.»
Die frühen beruflichen Erfahrungen stammten weniger aus klassischen Büroumgebungen als aus dem Event- und Veranstaltungsbereich. Als technischer Leiter und DJ im Disco Club Tabango in Wettswil und bei öffentlichen Anlässen war er nicht nur für Ton und Licht verantwortlich, sondern auch für Sicherheit und Besucherlenkung. «Ich war immer derjenige, der auf den Sicherheitsaspekt geachtet hat», sagt er. «Diese Verantwortung gehörte schon damals einfach dazu.»
Qualität vor Grösse
Die ersten Jahre waren von parallelen Wegen geprägt. Die Starco Security wurde zunächst im Teilzeitbetrieb neben einer regulären Anstellung geführt, bis eine stabile operative Basis aufgebaut war. Finanzielle Disziplin war ebenso entscheidend wie die Suche nach verlässlichen Mitarbeitenden. Die richtigen Mitarbeitenden zu finden, erwies sich als eine der zentralen Herausforderungen. «Abläufe kann man vermitteln», hält Marco fest, «aber Werte und Vertrauen sind grundlegend.»
Eine frühe strategische Entscheidung prägt die Ausrichtung des Unternehmens bis heute: Qualität vor Grösse. In einem stark fragmentierten Schweizer Sicherheitsmarkt verzichtete Marco bewusst darauf, über Volumen oder Preis zu konkurrieren. «Wir wollen nicht die Grössten sein – sondern die Besten», sagt er. «Wir wollen unsere Arbeit richtig machen.» Damit positioniert er die Starco im Qualitätssegment der Branche. Heute arbeitet das Unternehmen in den Bereichen Sicherheitsdienst, Sicherheitsmanagement und Sicherheitsausbildungen für verschiedene Gemeinden, Unternehmen und private Auftraggeber, die hohe Anforderungen an Diskretion, Kontinuität und professionelle Standards stellen.
Wenn der Ernstfall Spuren hinterlässt
Sicherheitsarbeit geht jedoch über Planung und Prävention hinaus. Im Laufe der Jahre gehörten auch Notfallevakuierungen, Gewaltvorfälle und medizinische Einsätze zu den Aufgaben. Solche Situationen gelangen selten an die Öffentlichkeit, hinterlassen jedoch bei den Beteiligten Spuren. «Es gibt Erlebnisse, wie beispielsweise Messerangriffe auf Kunden oder Reanimationen, die bleiben», sagt Marco. «Entscheidend ist zu wissen, dass man in diesem Moment verantwortungsvoll gehandelt und alles Mögliche getan hat.»
Die Führung im Unternehmen beruht auf Vertrauen, Respekt und Verantwortung. Viele Mitarbeitende arbeiten direkt bei den Kunden, was einen Führungsstil erfordert, der auf guter Ausbildung, klar definierten Prozessen und individuellem Urteilsvermögen statt auf ständiger Kontrolle basiert. Entsprechend kommt der Aus- und Weiterbildung eine zentrale Rolle. Die interne Grundausbildung liegt nach Angaben des Unternehmens über den branchenüblichen Mindestanforderungen; regelmässige Weiterbildungen sind obligatorisch. «Technologie unterstützt unsere Arbeit», betont Marco, «doch der menschliche Faktor bleibt entscheidend.»
Menschliches Urteil in digitaler Welt
Der technologische Wandel verändert die Branche dennoch spürbar. Digitale Überwachungssysteme, KI-gestützte Erkennung und Automatisierung gewinnen zunehmend an Bedeutung. Während gewisse Routinetätigkeiten in Zukunft wegfallen können, bleiben Beurteilung und Intervention bei besonderen Vorkommnissen menschliche Aufgaben. Gleichzeitig entstehen neue Risiken, etwa durch manipulierte digitale Inhalte oder falsche Kommunikationsmittel. «Sicherheit bedeutet heute, wachsam zu bleiben», sagt Marco. «Man muss immer einen Schritt vorausdenken.»
Über das Tagesgeschäft hinaus engagiert sich Marco seit 2009 im Vorstand des Verbandes Schweizerischer Sicherheitsdienstleistungs-Unternehmen (VSSU). Er wirkt aktiv an Gesamtarbeitsverträgen, Ausbildungsstandards und Regulierungen mit. Private Sicherheit sieht er dabei als Ergänzung zum Staat: «Die Zusammenarbeit in Form von Public-Private-Partnerships funktioniert in der Schweiz gut», betont er. «Das ist eine Stärke unseres Systems.»
Tief verwurzelt im Säuliamt
Marco Fetz hat starke Wurzeln in der Region Säuliamt. Die Starco Security AG erhielt ihren ersten Auftrag als Gemeindesicherheitsdienst in der Gemeinde Wettswil; heute betreut sie mehrere Gemeinden und Gemeindepolizeien in der Region. Die Zusammenarbeit beschränkt sich nicht auf vertragliche Leistungen, sondern umfasst auch Ausbildungen und lokales Engagement. «Hier liegen unsere Wurzeln», sagt Marco. «Das schafft Verantwortung.»
Vor Kurzem bezog die Starco Security AG ihr neues Büro mit Schulungsräumen in der «Alten Post» in Wettswil. Marco führt das Unternehmen gemeinsam mit Andreas Hungerbühler, der seit 1998 im Betrieb und seit 2012 Partner ist. Mit Blick auf die Zukunft erwartet Marco eine wachsende Bedeutung privater Sicherheit in der Schweiz. Starcos Fokus bleibt dabei unverändert: klare Nischen, Investitionen in Ausbildung sowie die Zusammenarbeit mit langjährigen Kunden.
Nach über 30 Jahren ist die Starco Security weiterhin präsent, mit einem Fokus auf Qualität, Ausbildung, klaren Prozessen und Einsätzen, die oft im Hintergrund bleiben. Für Fetz ist genau das Teil des Berufs: Sichtbar wird Sicherheitsarbeit meist erst dann, wenn etwas nicht funktioniert.






