Die Gemeinde Maschwanden ringt um ihre Zukunft

Gemeindeporträt Maschwanden: Überblick über die vier Jahre der letzten Legislatur und Ausblick auf die Zukunft

Winterstille im Naturbad: Seine Zukunft ist ungewiss.

Winterstille im Naturbad: Seine Zukunft ist ungewiss.

Im Mehrzweckgebäude Gerbi wird derzeit über Maschwandens Zukunft diskutiert.

Im Mehrzweckgebäude Gerbi wird derzeit über Maschwandens Zukunft diskutiert.

Baustellen verschwinden, aber die Zukunft von Maschwanden beschäftigt die Bevölkerung weiter: Eigenständig bleiben ist auch das Ziel von Gemeindepräsident Ernst Humbel. (Bilder Werner Schneiter)

Baustellen verschwinden, aber die Zukunft von Maschwanden beschäftigt die Bevölkerung weiter: Eigenständig bleiben ist auch das Ziel von Gemeindepräsident Ernst Humbel. (Bilder Werner Schneiter)

Er ist derzeit etwas hindernisreich, der Weg durch Maschwanden. Die Instandstellung der Dorfstrasse ist für Ende Februar angekündigt, aber mit den baulichen Massnahmen am Kreuzrai werden Baumaschinen weiter präsent sein.

Während bei solcherlei Baustellen das Ende absehbar ist, bleiben Fragen zur Zukunft der kleinsten Ämtler Gemeinde weiter bestehen – Fragen, die man mit den derzeit laufenden drei Workshops zusammen mit der Bevölkerung zumindest teilweise zu klären versucht: mit drei Fokusthemen und begleitet vom Stadtzürcher Büro Avventuris (ehemalige Stadträtin Esther Maurer, Andreas Hurter) und den lokalen Projektleiterinnen Chantal Nitschké und Sonja Rothert. Dabei geht es unter anderem um Lebensqualität und Teilhabe an der Dorfgemeinschaft, um die Optimierung von Infrastruktur und gemeindeeigenen Aufgaben – und letztlich um Perspektiven durch Veränderungen. «Wir haben pro Workshop gegen 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer», sagt Gemeindepräsident Ernst Humbel. Bei 670 Einwohnerinnen und Einwohnern kleine schlechte Quote; es widerspiegelt das Interesse an Maschwandens Zukunft. Es ist offen, was dabei herauskommt. Im März findet dann eine Grossgruppenkonferenz statt – und im Sommer folgt ein Masterplan mit konkreten Umsetzungsmöglichkeiten. «Wir müssen etwas unternehmen, agieren. Und wir können nicht einfach abwarten», hält der Gemeindepräsident fest. Sein Wunsch: Klarheit darüber, was der Bevölkerung wichtig ist und was nicht, um ein lebenswertes Dorf zu erhalten.

Düstere finanzielle Lage

Dass dabei nicht alle Wünsche Realität werden, ist wohl allen klar. Denn über der Frage der Zukunft schwebt ein Damoklesschwert, die finanzielle Lage der Gemeinde. Seit es kein gemeindeeigenes Kieswerk mehr gibt, ist eine wichtige finanzielle Quelle versiegt. Maschwanden ist seit Jahren auf individuellen Sonderlastenausgleich des Kantons angewiesen. Zwischen 2026 und 2029 jährlich auf 900 000 bis 12 Millionen Franken. Ins Gewicht fallen die künftigen hohen Investitionen in die kommunale Infrastruktur, bei der bis 2029 Ausgaben von über 8 Millionen Franken anfallen – Vorhaben, die lediglich zu 21 Prozent aus eigenen Mitteln finanziert werden können. So steigen die Darlehen von 4 Millionen Franken (Ende 2024) auf 7,4 Millionen Franken im Jahr 2029. Die Pro-Kopf-Verschuldung steigt auf 10000 Franken – weit über dem kantonalen Schnitt. «Das ist nicht so entscheidend. Das Problem sind die laufenden Kosten. Wir wollen unsere Zukunft im Dorf selbst bestimmen. Aber sie muss finanzierbar sein», so Ernst Humbel, für den ein weiteres Ziel gilt: weg von Isola. Eine Gemeindefusion ist nach dem Nein von Mettmenstetten vorläufig vom Tisch, aber in Maschwanden nicht ganz von der Traktandenliste: «Wir wollen das in der kommenden Legislatur nochmals thematisieren», so Humbel, der – wie die Mitglieder des Gemeinderates – bereits in stiller Wahl wiedergewählt ist. Andere Massnahmen, die mit Einsparungen einhergehen, sind bereits in Kraft: So hat Maschwanden das Bausekretariat ans Büro GPW in Affoltern ausgelagert, das Steueramt vor ein paar Jahren nach Mettmenstetten. Dazu kommt der Wechsel des Sozialdienstes vom Bezirk Affoltern zur Stadt Affoltern. «Unter dem Strich sparen wir damit Geld», so der Gemeindepräsident.

Naturbad droht Schliessung

Vor dem Hintergrund eines düsteren Finanzhimmels sind aber auch schmerzhafte Einschnitte nicht auszuschliessen. Die Bevölkerung «hängt» zwar am Naturbad, aber dessen Schliessung ist keineswegs ausgeschlossen. Nicht nur, weil der Kanton über 300 000 Franken Isola-Beitrag (grösster Teil Bad) gestrichen hat. Eine soeben publizierte Machbarkeitsstudie kommt zum Schluss, dass der Weiterbetrieb des Bades ohne grundlegende Sanierung der Wasseraufbereitung nicht möglich ist. Die Gesamtkosten dafür belaufen sich auf 2,22 Millionen Franken – wohl ein zu hoher Brocken für die Gemeinde. Schon vor dieser Hiobsbotschaft hat sich der Gemeinderat angesichts der jährlichen Betriebskosten von 240 000 Franken für Schliessung des Naturbades ausgesprochen. 240 000 Franken – das entspricht laut Ernst Humbel 20 Steuerprozenten. Wohl nur die grössten Optimisten mögen hier wohl auf einen «Volg-Effekt» hoffen: Für dessen Rettung kamen vor knapp zwei Jahren innerhalb von neun Wochen gut 230 000 Franken zusammen. Das Bad ist für eine Spendenaktion mindestens eine Nummer grösser. Ob sich mit Wachstum die finanzielle Lage der Gemeinde verbessern lässt, ist ungewiss: Seit 2015 ist die Einwohnerzahl um gerade mal 30 Personen auf derzeit rund 670 gestiegen. Laut Ernst Humbel sind zwar Bauzonen (Maschwanden kennt nur die Kernzone) und leerstehende Gebäude vorhanden, aber potenzielle Bauherrschaften haben wohl – zurückhaltend ausgedrückt – grossen Respekt, weil Maschwanden Isos-Gebiet ist, stark beäugt von Natur- und Heimatschutz.

Eine Industriezone als Lösung? Ernst Humbel zeigt dem Chronisten ein anonymes Schreiben, das er per Post erhalten hat: Darin wird die Schaffung einer Industriezone entlang der Tambrigstrasse vorgeschlagen. Ideen sind auch in den kommenden Wochen gefragt, auch wenn die vorliegende eher als Scherz daherkommt. «Die gute Beteiligung an den Workshops macht Hoffnung. Unsere Einwohnerinnen und Einwohner sind engagiert, interessieren sich stark für die Zukunft der Gemeinde. Die Dorfgemeinschaft lebt», so der Gemeindepräsident erfreut. Der für diesen Sommer angekündigte Masterplan – ein erster konkreter Schritt in Maschwandens Zukunft, die nur ein Ziel kennt: eigenständig bleiben.

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