Asiatische Aromen mit Wan Tan und Curry

Seit über zehn Jahren führt das Ehepaar Hong das Restaurant Papaya in Affoltern

Kok Wah Tan und Meiqin Hong posieren in der Küche ihres Restaurants. (Bild Brigitte Reemts Flum)
Kok Wah Tan und Meiqin Hong posieren in der Küche ihres Restaurants. (Bild Brigitte Reemts Flum)

Wer kennt schon Tulien? Oder hat schon mal eine Drachenfrucht probiert? «Es sollte etwas Asiatisches sein, aber China- oder Lotusgarden waren mir einfach zu langweilig», erzählt Meiqin Hong über die Suche nach dem passenden Namen für ihr chinesisches Restaurant. Am Ende wurde es «Papaya», – exotisch, asiatisch, aber trotzdem etwas, womit auch der durchschnittliche Gast im ­Säuliamt etwas anfangen kann.

Seit über zehn Jahren gibt es das Restaurant Papaya nun in Affoltern. Und wenn man die Geschichte von ­Meiqin Hong, von allen Maggie genannt, und ihrem Mann Kok Wah Tan, europäischer «Rufname» Norman, hört, kann man kaum glauben, dass dieses jugendlich wirkende Paar schon so lange ein eigenes Restaurant führt.

Ihre Liebesgeschichte begannin Basel

Sehr jung waren sie tatsächlich, als sie sich kennenlernten und heirateten. ­Meiqin noch nicht einundzwanzig, Kok Wah gerade sechsundzwanzig Jahre alt. Meiqin wurde 1984 in Fujian in Südchina geboren und wuchs in einer traditionellen Familie auf. «Die Eltern waren sehr streng», erzählt sie. Noch in der Generation ihrer Eltern bekamen nur die Knaben eine Ausbildung.

Ein grosses Abenteuer begann, als eine ihrer Cousinen in die Schweiz wollte, die Familie sie aber keinesfalls alleine gehen lassen konnte. Kurzerhand wurde Meiqin als «Aufpasserin» mitgeschickt. Die beiden Mädchen landeten in Basel, wo Meiqin eine Sprachschule besuchte. Zwei Jahre ging das gut, dann wurde ihre Studentenbewilligung nur mit Mühe und maximal für ein weiteres Jahr verlängert. Doch inzwischen hatte ­Meiqin in Basel Kok Wah kennengelernt. Er ist gebürtiger Malaysier, hat chinesische Wurzeln und arbeitete schon seit Jahren als Koch in Basel. Die beiden ­beschlossen, ihre Liebe offiziell zu ­machen und damit auch das Problem mit der Aufenthaltsbewilligung für ­Meiqin aus der Welt zu schaffen.

So einfach war es allerdings nicht. Die Eltern fanden, sie sei viel zu jung für eine Heirat. Also machten sich Meiqin und Kok Wah auf den Weg nach Malaysia zur Mutter von Kok Wah und ­anschliessend nach Fujian zu Meiqins Eltern. Erst nachdem sich alle kennengelernt hatten, gaben die Familien ihre Einwilligung, und so wurde 2005 geheiratet.

Das Paar blieb zunächst in Basel. Kok Wah arbeitete weiter in der Küche und Meiqin sammelte Erfahrung im Service – zunächst in einem chinesischen, dann in einem schweizerischen Restaurant. Dort machte sie auch das Wirtepatent in Basel und eine Ausbildung zur Gastrobetriebsleiterin in Luzern. 2010 zügelte das Paar endgültig nach Zürich, wo Kok Wah bereits längere Zeit als Koch im Restaurant Tiffins tätig war.

Zwei Töchter und eigenes Lokal

2011 kam Vanessa zur Welt und 2012 folgte Schwesterchen Melissa. Auch die Kinder von Meiqin und Kok Wah haben neben dem europäischen Namen einen chinesischen Zweitnamen. Es ist Meiqin wichtig, dass ihre Töchter auch einen Bezug zur chinesischen Heimat behalten.

Die Idee zur Selbstständigkeit war schon länger da. So eröffneten sie ­bereits 2014 einen kleinen Take-away in Baden. Ein Jahr später stiessen sie dann auf die Lokalitäten im Kreisel an der Zürichstrasse in Affoltern. Für Maggie war das perfekt: Das Restaurant gefiel ihr, und die bescheidene Wohnung über dem Lokal liess sich gleich mitbenutzen. Ideal, um Arbeit und Kinderbetreuung zu verbinden.

In den ersten Jahren arbeitete Kok Wah unter der Woche weiterhin im ­«Tiffins» und kam nur am Wochenende ins eigene Restaurant. Montag bis Freitag managte Meiqin den Betrieb alleine, in der Küche unterstützt von Kok Wahs früherem Lehrmeister aus Basel, der aber kurz vor der Pensionierung stand. Als dieser dann ganz aufhörte, übernahm Kok Wah 2019 endgültig die ­Küche im Vollzeitjob, während Meiqin den Service leitet.

Vollintegrierte «zweite Generation»

So wurde das «Papaya» mit den Jahren zum Lebensmittelpunkt der Familie. Und doch gibt es Entscheide, die eher mit dem Nachwuchs als mit dem Restaurant zu tun haben. So zog die Familie erst in eine komfortablere Wohnung nach Muri und jetzt vor Kurzem gab es einen Wohnortswechsel nach Wohlen. Treiber dieser Wechsel sind die Aktivitäten der beiden Töchter: Vanessa möchte die Kantonsschule besuchen und ­Melissa ist in der Bezirksschule und ­betreibt Leistungssport im Nachwuchsschwimmkader. Schon wegen der Töchter sieht Meiqin sich mittlerweile nicht mehr in China: «Am Anfang hatte ich schon Heimweh. Aber heute fühle ich mich wohl hier und möchte nicht mehr zurück.»

Chinesische Küche mit thailändischem Einschlag

Auch das «Papaya» hat sich in den letzten zehn Jahren entwickelt. Serviert wird chinesische Küche wie Wan Tan, Satay-Spiessli oder diverse Wok-Gerichte, aber auch die sehr beliebten thailändischen Currys. Viele Stammkunden kommen regelmässig ins Restaurant und sorgen so für einen steten Betrieb. Ungefähr 60 Prozent des Umsatzes werden im Restaurant erwirtschaftet, 40 Prozent durch den Take-away- und ­Lieferservice. Meiqin und Kok Wah ­beschäftigen mittlerweile zwei zusätzliche Köche und einen Servicemitarbeiter. Aber natürlich ist es wie in allen Familienrestaurants: Als Selbstständige muss man überall einspringen. «Gestern habe ich den ganzen Abend Gemüse ­gerüstet und Rüebli geschnitten», ­erzählt Meiqin schmunzelnd.

Während des Gespräches sitzt ­Meiqins Familie – die Eltern und ihre Schwester – am Nebentisch. Sie sind zu Besuch aus China. Früher machten sie sich Sorgen um die junge Tochter, die alleine in die Schweiz ging. Und heute? «Meine Eltern sind zufrieden mit mir», sagt Maggie und strahlt übers ganze ­Gesicht.

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