Aufbruch in Maschwandens Traditionsrestaurant
Die «Osteria dei Poeti» hat turbulente Monate hinter sich. Mit neuem Team will Pächter Matteo Grossi nun durchstarten
In der «Osteria dei Poeti» in Maschwanden ist Aufbruchstimmung spürbar. Neue Ideen entstehen, die Taverne im Untergeschoss wurde neu gestaltet, und das Team lebt einen unverkennbaren «Jetzt erst recht»-Geist.
Ein Neustart mit Hindernissen
Das wunderschöne Restaurant im Herzen von Maschwanden hat eine lange Geschichte hinter sich. Als Restaurant Kreuz war es überregional für hervorragende Fischküche bekannt. 2009 kaufte Roberto Massaro, Inhaber des gleichnamigen Baugeschäfts aus Thalwil, das historische Gebäude und eröffnete nach einem grösseren Umbau die «Osteria del Massaro», die auch etliche Jahre erfolgreich geführt wurde. Dann gab es Probleme mit dem damaligen Pächter, die zu einer Schliessung des Lokals und einer langwierigen Suche nach einem neuen Pächter führten. In der Folge blieb das Restaurant fast anderthalb Jahre lang geschlossen. Im März 2025 dann das grosse Aufatmen: Maschwanden bekam mit der «Osteria dei Poeti» wieder ein Restaurant mitten im Dorf. Doch der Neustart vor gut einem Jahr war holprig. Hinter dem Restaurant standen zunächst drei gleichberechtigte Betreiber. Die Vielzahl an Entscheidungsträgern erschwerte die Abläufe, insbesondere die Zusammenarbeit zwischen Küche und Service funktionierte nicht immer reibungslos. Und so verliess der Koch Antonio Cioce das Restaurant im November 2025 wieder, und der Chef de Service Giampiero Crocicchia ging im März 2026.
Gastgeber aus Leidenschaft
Geblieben ist von der Gruppe Matteo Grossi, verantwortlich für das Management und den Einkauf, der jetzt der alleinige Pächter des Restaurants ist. Er blickt auf eine langjährige Erfahrung als Wirt zurück. Grossi wuchs in Mailand auf und stammt aus einer Familie mit langer Tradition in der Gastronomie. Bereits seine Grossmutter führte ein kleines Hotel in Rimini. Er versuchte es in seiner Jugend erst einmal mit einem Studium der Politikwissenschaften, musste aber schnell feststellen, dass das seine «Leidenschaft für Essen und Wein» nicht befriedigte. Mit nur 22 Jahren folgte er seiner Passion und eröffnete 1996 mit Unterstützung seiner Eltern die «Osteria dei Poeti» in Mailand. Vierundzwanzig Jahre lang führte Grossi dieses Restaurant, das im historischen Brera-Viertel im Herzen von Mailand gelegen war. Mit den Jahren erlangte es einige Bekanntheit und wurde zur Institution, weil es eines der letzten traditionellen Osterien mit authentischer Küche im Zentrum von Mailand war.
Von Mailand ins Säuliamt
Der grosse Einbruch kam 2020 mit der Covid-Pandemie. Norditalien war bekanntlich besonders betroffen und Grossi war gezwungen, seine Osteria fast zwei Jahre immer wieder zu schliessen. «Covid war wie ein völlig neues Kapitel in einem Buch», erinnert sich Grossi. Es wurde kein Geld mehr verdient, es gab keine Arbeit mehr, viele Menschen wechselten den Beruf. Ein «ökonomisches Desaster». Fast zeitgleich wurde Grossi Vater eines Sohnes. Samuel wurde in der Schweiz geboren. Die Mutter Anna, eine Schweizerin, hatte in Mailand studiert und dort auch Matteo Grossi kennengelernt. Als sie nach dem Studium anfing, in Zürich in der Pharmabranche zu arbeiten, führte das Paar eine Fernbeziehung. Jahrelang pendelte Grossi zwischen Mailand und Zürich, bis er sich 2022 entschied, in die Schweiz überzusiedeln. Hier widmete er sich zunächst ganz seiner Rolle als Vater und wollte gar nicht mehr als Gastronom tätig sein. Doch 2025 lernte er über den Koch Antonio Cioce Roberto Massaro kennen, und «ein sehr grosses Abenteuer» nahm seinen Anfang.
Mit neuem Team in die Zukunft
Nach den beschriebenen Startschwierigkeiten, vor allem personeller Natur, versucht die «Osteria dei Poeti» jetzt, noch einmal das Vertrauen der Maschwandner und der Kunden aus der ganzen Region zurückzugewinnen. Seit Ende 2025 steht Christian Pagliafoglie am Herd und bereitet italienische Küche frisch zu. In Reminiszenz an das frühere Restaurant Kreuz gibt es auch immer ein Fischgericht auf der Karte. Und auch Pizza kann man sowohl mittags als auch abends bestellen.
Seit April 2026 ist Hil Nrejaj als Chef de Service tätig. Auch er hat langjährige Erfahrung in der Branche, sowohl im Barbereich als auch im Service. Unterstützt wird er von zwei Servicemitarbeiterinnen und nach Bedarf Aushilfen.
Neue Impulse für die Osteria
Hil Nrejaj bringt nicht nur Erfahrung mit, sondern auch Ideen. Die «Osteria dei Poeti» bietet rund 30 Plätze im romantischen Garten sowie etwa 80 Innenplätze, verteilt auf die historische Fischerstube, die Wirtsstube, einen kleinen Saal und die Taverne. Unter der gestalterischen Leitung von Hil Nrejaj entstand dort eine stilvolle Bar mit sorgfältig ausgewähltem Mobiliar und viel Charme. Sie eignet sich sowohl für einen Apéro vor dem Essen als auch für einen gemütlichen Ausklang des Abends. Die Räumlichkeiten können zudem exklusiv für private Anlässe gemietet werden.
Ein weiteres Projekt steht bereits in den Startlöchern: Ab dem 2. August möchte die «Osteria dei Poeti» an Sonntagen einen Bauernbrunch anbieten. «Wir setzen dabei ausschliesslich auf regionale Produkte. Für Familien wird es zudem eine Kinderbetreuung geben», sagt Nrejaj. Die Begeisterung für neue Ideen ist ihm dabei deutlich anzumerken.
Der Blick nach vorne
Für Matteo Grossi bedeutet die «Osteria dei Poeti» mehr als nur ein Restaurant. Nach fast einem Vierteljahrhundert als Wirt in Mailand und dem Umzug in die Schweiz hat er in Maschwanden noch einmal ein neues gastronomisches Abenteuer begonnen. Der Start verlief schwieriger als erwartet. Doch inzwischen sind die personellen Weichen gestellt, neue Ideen werden umgesetzt und der Blick richtet sich nach vorne. Ob die Osteria wieder zu einem festen Treffpunkt für das Dorf und die Region wird, werden die kommenden Monate zeigen. Der Wille dazu ist jedenfalls deutlich spürbar und wünschenswert wäre es auch – für das Team, das Dorf und die Region.






