Roman Peter und die Kunst des Pfeifenbaus
Ein Porträt über Handwerk, Hingabe und ein seltenes Metier

Das Refugium von Roman Peter ist seine Werkstatt. Sie ist bestens ausgerüstet und prall bestückt mit zahlreichen Schnitzwerkzeugen, Schleifmaschinen und den übrigen Materialien, die es für sein Handwerk braucht. Er ist einer der ganz wenigen Berufspfeifenbauer der Schweiz und gehört weltweit zu einem kleinen Kreis von Pfeifenrestauratoren.
Passion Pfeifen und Tabak
Sein Vater war Pfeifenraucher und Architekt. Einige Male fiel beim Studieren der Pläne am Reissbrett glimmende Tabakreste heraus und hinterliess ein Brandloch. So vermachte der Vater dem Sohn die Pfeifen – und entfachte bei ihm damit das Feuer, die Passion für Pfeifen. «Schon damals faszinierten mich die Menschen, die Pfeifen rauchten. Sie wirkten auf mich besonders besonnen, überlegt und entspannt», erinnert sich Roman Peter. Das Pfeifenrauchen braucht Zeit, ist meist ein Moment der Hingabe – und will gelernt sein. «Sanftes, konstantes Ziehen und tiefe Temperaturen, sodass der Tabak brennt, aber nicht verbrennt. Dadurch entsteht eine aufbauende Kohlenschicht, die ihrerseits das Holz schützt», erklärt der Fachmann.
Ressource Holz
Der Beruf des Pfeifenbauers existiert nicht. Roman Peter ist gelernter Möbelschreiner und Restaurator für englische und Fernost-Antiquitäten – die Liebe zum Holz und die Erfahrung mit dessen Verarbeitung waren somit vorhanden. Für Pfeifen braucht es allerdings ganz besonderes Holz – das Bruyèreholz. Es ist die Wurzelknolle der Baumheide (Erica arborea), ein Strauch, der im Mittelmeerraum, in kargen Böden mehrere Meter hochwächst. Das begehrte Holz ist hitzebeständig, aussergewöhnlich dicht und kunstvoll gezeichnet. Durch die individuelle, teils ungewöhnliche Maserung wird jede Pfeife zum Unikat. Eigentlich ist es ja ein Paradox: In einem hölzernen Gefäss ein Feuer zu entfachen, das eine Hitze zwischen 500 und 800 Grad entstehen lässt, ohne dass das Holz selbst zu brennen beginnt, und schliesslich nicht die Pfeife schneller brennt als der Tabak. Die ungewöhnliche Dichte von Bruyèreholz macht diesen Widerspruch möglich. Roman Peter kauft die begehrte Ressource bei Kleinbauern in Italien und Spanien, mit denen er über Jahrzehnte eine vertrauensvolle und familiäre Zusammenarbeit aufgebaut hat.
Roman Peters Repertoire
43 Jahre sind es jetzt her, seit Roman Peter im Keller des Elternhauses in Zürich, an der Mattengasse im Kreis 5, sein erstes Atelier eröffnete und sich zuerst auf handgemachte, später maschinell hergestellte Pfeifen spezialisierte. Als immer mehr Menschen seine Pfeifen kaufen wollten, entschloss er sich 1993, das Tabakgeschäft von Herrn Süss zu übernehmen – an der Oberen Bahnhofstrasse in Affoltern. Seit 2000 befindet sich auch seine Werkstatt im Bezirkshauptort. Vor einigen Jahren besann er sich auf seine Wurzeln und vervollständigte mit der Restauration von antiken und historischen Pfeifen sein Repertoire. «Heute mache ich alles. Die handgefertigten ausschliesslich auf Auftragsbasis», führt Peter aus. «Für eine solche Pfeife benötigt es ungefähr acht Stunden Handarbeit.» Woraus sich ein Preis von rund 800 Franken pro Pfeife ergibt. Eine andere Möglichkeit ist, vorgefertigte Köpfe gemäss seiner Vorlage zu verwenden. Diese bezieht er aus Spanien und Italien. Der Kunde kann ab Katalog beziehungsweise Website das gewünschte Modell wählen und die Pfeife nach Wunsch zusammenstellen. Ein Konzept, das in dieser Form selten ist.
Sein Wissen gibt Roman Peter gerne weiter. Besonders gefragt sind seine Kurse – «Tabakpfeife geniessen und richtig pflegen» sowie «Tabakpfeifenbau». Zweimal jährlich unterrichtet er auf dem Ballenberg, viermal im Schulhaus Ennetgraben in Affoltern. Auf diese Weise sorgt er dafür, dass ein selten gewordenes Handwerk auch in Zukunft weiterlebt und neue Anhänger findet.


