Was tun, wenn sich kein Nachfolger findet?

Den Staffelstab weitergeben – Unternehmensnachfolge im Säuliamt (5)

Dario Piccini am Zuschneidetisch in seiner Werkstatt. (Bild Brigitte Reemts Flum)
Dario Piccini am Zuschneidetisch in seiner Werkstatt. (Bild Brigitte Reemts Flum)

Über Jahrzehnte aufgebaut, mit viel Engagement geführt und tief in der Region verwurzelt – für viele Unternehmerinnen und Unternehmer ist der eigene Betrieb weit mehr als ein Arbeitsplatz. Doch je näher das Pensionsalter rückt, desto drängender wird die Frage: Was geschieht mit dem Unternehmen, wenn niemand bereit ist, das Lebenswerk weiterzuführen?

Dass die Nachfolge ungeklärt bleibt, hat viele Gründe. Die eigenen Kinder möchten den Betrieb nicht übernehmen, Mitarbeitende sehen sich der Verantwortung nicht gewachsen und externe Interessenten sind nicht leicht zu finden. Der demografische Wandel, veränderte Lebensentwürfe und steigende Anforderungen an Unternehmensführung erschweren die Nachfolgesuche zusätzlich. Laut einer aktuellen Studie von «Dun & Bradstreet» lässt sich rund jedes dritte Unternehmen in der Schweiz nicht an die nächste Generation übergeben.

Wenn Pläne unerwartet scheitern

Ein häufiger Grund für eine fehlende Nachfolgelösung ist, dass Unternehmerinnen und Unternehmer lange auf die vermeintlich richtige Person setzen. Oft wird viel Zeit investiert, um eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger aufzubauen – bis diese Person kurz vor der Übergabe doch abspringt oder unvorhergesehene Ereignisse alles verändern.

Ein Beispiel hierfür ist die Spenglerei «Lingg B. & Partner» in Ebertswil. In der Spenglerei ist es nicht nur schwierig, Nachfolger zu finden, sondern Fachkräftemangel ist in diesem Bereich im Allgemeinen bittere Realität. Jetzt ist es nicht so, dass Bernhard Lingg, 67, sich erst heute mit dem Thema Nachfolge beschäftigt. Er hatte bereits vor einigen Jahren einen Nachfolger aus den eigenen Reihen. Ein Arbeitsunfall liess dann die ganze gut geplante Nachfolge verpuffen. Jetzt hat sich Bernhard Lingg entschieden, vorerst weiterzuarbeiten: «Solange ich Freude an der Arbeit habe und ein gutes Team hinter mir weiss, mache ich weiter.» Aber er weiss auch: «Aktuell hängt alles an mir und ich habe die Kontakte. Sollte mir aber etwas passieren, gibt es immer eine Lösung, und meine Tochter ist im Hintergrund in die Belange der Firma involviert.»

Glaserei mit ungewisser Zukunft

Manchmal ist diese Erfahrung aber auch so frustrierend, dass Unternehmern längere Zeit die Lust auf Nachfolgesuche vergeht. Auch Dario Piccini musste erfahren, wie schmerzhaft eine gescheiterte Nachfolgeregelung sein kann. Nach einem persönlichen Schicksalsschlag plante er einen Neuanfang in der Toskana. Ein ehemaliger Lehrling und langjähriger Mitarbeiter sollte den Betrieb übernehmen und wurde Anfang 2022 als Geschäftsführer eingesetzt. Kurz vor der Eigentumsübertragung zog dieser jedoch seine Zusage zurück. Dario Piccini stand von einem Tag auf den anderen mit einem Unternehmen mit vollen Auftragsbüchern in Obfelden und einer Zukunft in der Toskana da. Dieser Vorfall stürzte ihn in eine Krise, von der er sich notgedrungen schnell erholen musste. «Ich habe alles selbst aufgebaut, hatte nie Hilfe», sagt Piccini. «Ich kann mich schon als Stehaufmännchen bezeichnen.»

Tatsächlich hat er die Glaserei Piccini 1997 im Alleingang gestartet. Gelernt hatte er sein Handwerk von seinem Vater Andrea, der 1962 als Gastarbeiter zu «Quendoz Glas AG» in Schlieren kam und sich später als Fensterglaser selbstständig machte. Dario Piccini baute den eigenen Betrieb über Jahre auf und bietet heute zusammen mit vier Mitarbeitern alle Arbeiten mit dem Werkstoff Glas an. Heute ist die Firma rundum bekannt und, so Piccini, «ein Selbstläufer».

Das ist natürlich erfreulich, aber die Arbeit ist auch fordernd und anstrengend. Dario Piccini ist Jahrgang 1967 und er hat noch etwas Zeit für eine Nachfolgelösung. Gleichzeitig merkt er, dass die körperlichen Anforderungen nicht kleiner werden. «Freude ist da, ich habe Lust zu arbeiten, aber es hängt an, das Glas ist schwer», bringt er seinen inneren Zwiespalt auf den Punkt.

Dario Piccini möchte sich aber Anfang des nächsten Jahres nochmals ernsthaft mit der Nachfolge befassen. Seine eigenen Kinder Joel und Soraya zeigen kein Interesse und einen internen Nachfolger gibt es jetzt auch nicht mehr.

So bleiben ihm grundsätzlich zwei Möglichkeiten: «Entweder ich finde einen Käufer oder ich fahre langsam zurück und schliesse.» Er beabsichtigt eventuell, einer spezialisierten Beratung einen Auftrag zur Käufersuche zu geben. Denn einfach schliessen entspricht auch nicht wirklich seinen Werten: «Piccini ist ein Name, es wäre schade, das Geschäft einfach zu liquidieren.»

Strategischer Entscheid: Liquidierung

Eine Liquidierung hinterlässt oft einen bitteren Beigeschmack. Dennoch kann sie unter Umständen der sinnvollste strategische Entscheid sein. Viele Kleinstunternehmen sind stark auf ihre Inhaber zugeschnitten. Know-how, Kundenkontakte und Verantwortung liegen häufig bei einer einzigen Person. Ist keine Nachfolge in Sicht und erreicht auch das kleine Team das Pensionsalter, kann eine geordnete Betriebsaufgabe für alle Beteiligten die beste Lösung sein.

Folgen einer fehlenden Nachfolge

Bleibt die Nachfolge ungeklärt, stehen Unternehmerinnen und Unternehmer vor schwierigen Entscheidungen. Manche verkaufen ihren Betrieb, andere führen ihn noch einige Jahre weiter oder schliessen ihn schliesslich. Mit jedem aufgegebenen Unternehmen verschwinden jedoch nicht nur Arbeitsplätze. Oft gehen auch jahrzehntelang aufgebautes Fachwissen, gewachsene Kundenbeziehungen und ein Stück regionaler Identität verloren. Gerade kleine und mittlere Unternehmen prägen das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben im Säuliamt, jedes Verschwinden hinterlässt eine Lücke, die sich nur schwer schliessen lässt.

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