Unternehmensnachfolge ausserhalb der Familie
Den Staffelstab weitergeben – Unternehmensnachfolge im Säuliamt (4)
Viele Unternehmer wünschen sich, ihr Lebenswerk an die nächste Generation weiterzugeben. Doch die Familiennachfolge ist längst keine Selbstverständlichkeit mehr. Manchmal fehlt der Nachwuchs oder die Kinder von Unternehmerfamilien haben andere Interessen. Manchmal stehen auch emotionale Themen wie die Gleichbehandlung unter Geschwistern oder unterschiedliche Zukunftsvorstellungen der Nachfolge im Weg.
Findet sich innerhalb der Familie keine Nachfolge, rückt häufig das bestehende Management in den Fokus. Beim sogenannten Management-Buy-out (MBO) übernehmen Führungskräfte oder langjährige Mitarbeitende das Unternehmen oder zumindest Anteile daran. Rund 23 Prozent der Schweizer KMU (kleine und mittlere Unternehmen) werden heute auf diesem Weg weitergeführt. Gerade für regional verankerte Unternehmen bietet diese Lösung grosse Vorteile. Die neuen Eigentümer kennen Kunden, Mitarbeitende und Abläufe bereits seit vielen Jahren und sorgen so für Kontinuität. Auch das Vertrauen der Mitarbeitenden muss nicht erst gewonnen werden.
SHS Haustechnik AG – die Nachfolge aus den eigenen Reihen
Ein Beispiel hierfür ist die SHS Haustechnik AG in Affoltern, ein Traditionsunternehmen mit fast 85 Jahren Firmengeschichte. Der aktuelle Geschäftsführer, Peter Feuz, Jahrgang 1966, hat bereits 1982 seine Berufslehre im Unternehmen gemacht und dann jahrelang dort gearbeitet, bis er 2002 in die Geschäftsleitung berufen wurde und zusammen mit dem damaligen Geschäftsführer Gerold Blaser die Geschäftsführung in Co-Leitung übernahm. Seit 2007 ist er der alleinige Geschäftsführer und als eine der wichtigsten Managementaufgaben hat auch er den Aufbau eines eigenen Nachfolgers bereits aufgegleist. Mit Markus Steuble, Jahrgang 1979, wiederholt sich die Nachfolge-Erfolgsgeschichte der SHS Haustechnik. Seit Januar 2025 ist Steuble in der Geschäftsleitung und amtet gemeinsam mit Feuz als Co-Geschäftsführer. Auch Steuble arbeitet bereits zwanzig Jahre im Unternehmen, seit 2008 als Abteilungsleiter Heizung. Neben seinen fachlichen Weiterbildungen hat Steuble zuletzt einen Bachelor als Wirtschaftsingenieur abgeschlossen. Seine Ernennung zum Geschäftsführer hatte auch etwas damit zu tun, dass die SHS Haustechnik AG ein grosses Interesse daran hat, gut ausgebildete Talente im Unternehmen zu halten. Und Markus Steuble selbst resümierte nach der Anfrage: «Besser, ich mache das selbst, als dass uns irgendein Aussenstehender vorgesetzt wird!»
Beim Nachzug interner Fachkräfte ist die grösste Herausforderung nicht selten die Finanzierung. Oft verfügen zukünftige Unternehmer über das notwendige Fachwissen und die Führungserfahrung, jedoch nicht über das nötige Eigenkapital für die Übernahme. Im Falle der SHS Haustechnik AG ist eine vollständige Übernahme weder möglich noch nötig. Das Aktienkapital gehört einer Handvoll Aktionären – darunter auch der Familie des ursprünglichen Gründers Walter Schmidlin. Der jeweilige Geschäftsführer ist also Angestellter der Aktiengesellschaft, beteiligt sich aber durch den Kauf von Aktien am Erfolg des Unternehmens.
Management-Buy-in: Wenn neue Köpfe übernehmen
Beim Management-Buy-in (MBI) übernimmt eine externe Unternehmerpersönlichkeit oder Führungskraft den Betrieb. Auch diese Lösung eröffnet häufig neue Chancen. Frische Ideen, zusätzliche Branchenkenntnisse oder neue Netzwerke können wichtige Impulse für die Weiterentwicklung eines Unternehmens liefern und neue Märkte erschliessen.
Hier ist die Integration anspruchsvoller. Mitarbeitende, Kunden und Geschäftspartner müssen Vertrauen zur neuen Führung aufbauen. Gerade bei regional stark verwurzelten Unternehmen spielt dabei die persönliche Akzeptanz oft eine entscheidende Rolle.
Girardi Schreinerei AG – ein Nachfolger aus der Region
Auch die Firma Girardi in Hedingen ist ein Traditionsunternehmen im Säuliamt. 1924 gründete Anton Girardi, der Sohn italienischer Gastarbeiter, die Schreinerei. Er legte damit den Grundstein für ein Familienunternehmen, das kürzlich den 100. Geburtstag feiern durfte und bis vor Kurzem in dritter Generation von Rico Girardi geführt wurde. Auch er arbeitet heute noch im Unternehmen, ebenso wie sein Bruder Marco Girardi.
Eine vierte Generation gibt es im Hause Girardi, doch die hatte die Freiheit und den Wunsch, andere Wege zu gehen. Und so endete 2025 die hunderteinjährige Familiengeschichte. Natürlich bedauert Rico Girardi das, aber er sagt auch: «Mich haben die Eltern auch nicht gezwungen. Es muss freiwillig sein!» Rico Girardi ist Jahrgang 1960 und beschäftigt sich schon länger mit dem Thema Nachfolge. Natürlich hat er zunächst in seinem eigenen Mitarbeiterstab nach einem möglichen Nachfolger gesucht. Doch alle diese Lösungen zerschlugen sich aus unterschiedlichsten Gründen: fehlende unternehmerische Haltung, kein Interesse, falsches Timing, Finanzierung. Er führte auch Gespräche hinsichtlich Fusionen mit anderen Unternehmen, teilweise unterstützt durch eine externe Unternehmensberatung. Aber auch diese Bemühungen scheiterten an zum Teil unterschiedlichen Vorstellungen. Es gab eben auch nicht einfach eine Firma zu übergeben, sondern einen Traditionsbetrieb mit langer Geschichte. «Ich bin hier geboren und aufgewachsen, bin in Verbänden und Vereinen und ich will den Leuten in die Augen sehen können», formuliert Rico Girardi seine Haltung. Entsprechend suchte er nach einer Lösung, wie der Betrieb in gewohnter Form weiter existieren und in eine positive Zukunft geführt werden kann.
Seine Verwurzelung im Säuliamt und sein Netzwerk brachten dann schliesslich auch die Lösung. Ein «Gewerbler» aus der Region spielte «Matchmaker» und brachte Rico Girardi mit seinem künftigen Nachfolger, Fabian Neuhaus, in Kontakt. Fabian Neuhaus, Jahrgang 1996, ist in Zwillikon aufgewachsen und absolvierte eine Ausbildung zum Schreiner und die Weiterbildung zum Schreinermeister. Sein Ziel war immer die Selbstständigkeit. Für einen jungen Schreiner bedeutet eine Neugründung hohe Investitionen in einen Maschinenpark. Die Girardi Schreinerei zu übernehmen, war also eine grosse Chance für ihn. Damit das möglich war, mussten einige Anpassungen in der Firmenstruktur gemacht werden. So blieb die Arthur Girardi AG und damit die Immobilie an der Maienbrunnenstrasse weiterhin im Besitz der Familie Girardi, der gesamte operative Betrieb – «alles, was es zum Schaffen braucht» – wurde aber in eine neu gegründete Girardi Schreinerei AG überführt, deren Eigentümer Fabian Neuhaus ist. Bei der Festlegung des Kaufpreises half der Schreinermeisterverband und, so Rico Girardi, «man muss sich finden». Das ist gelungen und seit dem 1. Januar 2026 heisst der neue Chef in Hedingen Fabian Neuhaus. Seine Mitarbeit startete aber bereits im Jubiläumsjahr 2024 und ein Jahr lang war er in der Geschäftsleitung als Stellvertreter von Rico Girardi. Obwohl in diesem Fall der Chef also von ausserhalb kommt und auch nicht viele Jahre in der Firma gearbeitet hat, hat es «keinen spürbaren Bruch in der Kultur» gegeben, so Rico Girardi. Er ist überzeugt, mit Fabian Neuhaus die richtige Wahl getroffen zu haben, und ergänzt: «Die Mitarbeiter haben es gut aufgenommen und es gab keine Kündigungen wegen des Chefwechsels.» Es ist Fabian Neuhaus auch wichtig, dass Konstanz herrscht, und deshalb führt er die bestehenden Meetings und Anlässe für Mitarbeitende weiter. Kontinuität wird auch dadurch gewahrt, dass mit Philip Schaefer, Leiter HR und Finanzen, ein langjähriger Mitarbeiter der Girardi Schreinerei in der Geschäftsleitung ist. Und sicher vermittelt es im Betrieb auch viel Ruhe, dass sowohl Rico als auch Marco Girardi weiterhin im Unternehmen arbeiten. Gleichzeitig setzen Fabian Neuhaus und Philip Schaefer auf Innovation, moderne Lösungen und die konsequente Weiterentwicklung des Traditionsbetriebs.
Nachfolge durch einen Unternehmensverkauf
Eine weitere Möglichkeit der Nachfolge ist der Verkauf an ein anderes Unternehmen. Besonders in Branchen mit zunehmendem Wettbewerbsdruck oder fortschreitender Konsolidierung gewinnt diese Form der Nachfolge an Bedeutung.
Für die bisherigen Eigentümer ist dies häufig die finanziell attraktivste Lösung. Strategische Käufer können bestehende Strukturen ergänzen, Synergien nutzen und sind deshalb oftmals bereit, höhere Kaufpreise zu bezahlen.
Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie eigenständig das Unternehmen künftig bleibt. Je nach Strategie des Käufers können organisatorische Veränderungen oder die Integration in grössere Unternehmensgruppen folgen. Gerade für regional verwurzelte Betriebe spielen dabei auch der Erhalt von Arbeitsplätzen und des Standorts eine wichtige Rolle.
Auch Mischformen der Nachfolge möglich
Und dann gibt es natürlich noch die Mischformen. So übernehmen beispielsweise Familienmitglieder gemeinsam mit Mitgliedern der Geschäftsleitung ein Unternehmen oder externe Investoren beteiligen sich schrittweise am Betrieb. Ebenfalls verbreitet sind Modelle, bei denen Nachfolger ihre Beteiligung über mehrere Jahre hinweg aufbauen.
Diese Lösungen ermöglichen einen fliessenden Übergang und reduzieren die Risiken für alle Beteiligten. Gleichzeitig bleibt wertvolles Wissen länger im Unternehmen erhalten – ein wichtiger Erfolgsfaktor, insbesondere bei traditionsreichen Betrieben unserer Region.
Jede Nachfolgelösung ist am Ende einzigartig
Welche Nachfolgelösung die richtige ist, hängt letztlich von den Zielen der Unternehmerinnen und Unternehmer ab. Wer den Erhalt von Unternehmenskultur, Tradition und Familienwerten in den Vordergrund stellt, entscheidet sich häufig für eine familieninterne Nachfolge. Ein Management-Buy-out eignet sich besonders dann, wenn bestehendes Know-how und Kontinuität erhalten bleiben sollen. Ein Management-Buy-in kann neue Wachstumschancen eröffnen, während der Verkauf an einen strategischen Käufer oftmals den höchsten Verkaufserlös ermöglicht. Hybride Modelle verbinden verschiedene Vorteile miteinander und schaffen flexible Übergänge.
Unabhängig vom gewählten Modell gilt: Eine erfolgreiche Unternehmensnachfolge beginnt lange vor dem eigentlichen Übergabetermin. Wer frühzeitig plant, offen kommuniziert und die Interessen aller Beteiligten berücksichtigt, schafft die besten Voraussetzungen dafür, dass das Unternehmen auch in Zukunft erfolgreich in der Region verankert bleibt.






