Die Zeiten haben sich geändert, die CQ-Bar in Affoltern ist geblieben

Kein anderer Gastronom im Säuliamt ist so lange im Geschäft wie Sandro Quirici

«Wichtig für den Erfolg sind Konstanz, gute Qualität, kompetente, langjährige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und ein guter Gäste-Mix»: Sandro Quirici in seiner Bar in Affoltern. (Bild Daniel Vaia)

«Wichtig für den Erfolg sind Konstanz, gute Qualität, kompetente, langjährige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und ein guter Gäste-Mix»: Sandro Quirici in seiner Bar in Affoltern. (Bild Daniel Vaia)

«Die Bar hat eingeschlagen wie eine Bombe!» So beschreibt Bar-Besitzer Sandro Quirici die Anfangszeiten seiner CQ-Bar in Affoltern. 1998 war das. Heute, 28 Jahre später, gibt es die Bar am Bahnhofplatz 5 immer noch. Der Charme des Lokals ist geblieben, ebenso der eher unscheinbare Eingang, die massive Holztheke drinnen, die vielen Email- und Blech-Werbeschilder an den Wänden, die regelmässigen Live-Konzerte – und natürlich der Chef selber. Er gilt mittlerweile im Säuliamt als der Gastronom mit der längsten Berufserfahrung.

Manch anderes hat sich seit den Anfangszeiten hingegen geändert – ändern müssen. So werden seit Kurzem Karaoke-Abende veranstaltet und der Aufbau eines Lieferdienstes vorangetrieben. Und bereits vor vielen Jahren hat man damit begonnen, qualitativ gutes Essen anzubieten. «Mit frischen Produkten, von einem gelernten Schweizer Koch zubereitet», wie Quirici betont. Dies zu sehr vernünftigen Preisen.

Wenn Quirici über die Anfangszeiten der Bar spricht, wird bewusst, wie sehr sich die Gastronomie und deren Umfeld in den letzten drei Jahrzehnten verändert haben. Einfach war es nie. Aber alles schien früher entspannter, grosszügiger. Der Umgang untereinander, bei der Arbeit, mit dem Zeitgeist – mit sich selber.

Als er die Bar eröffnete, erinnert sich der heute 58-Jährige, sei Affoltern noch ein Dorf gewesen – und Zürich als Ausgehmagnet weit weg. «Am Wochenende fuhr der letzte Zug ab dem HB Zürich bereits um 9 Minuten nach Mitternacht los.» Quirici erkannte die Marktlücke und entschloss sich, eine Bar zu eröffnen. Um sich von der Konkurrenz abzuheben, bot er damals als erster weit und breit ein eigenes Hausbier an, das «Ämtler Bier» (mittlerweile sind es drei Geschmacksrichtungen). Damals, als man die Zahl der angebotenen Biere in der Schweiz noch an zwei Händen abzählen konnte (eine Nachwirkung des Anfang der 90er-Jahre aufgelösten Bierkartells), eine absolute Neuheit. Ebenso völlig ungewohnt damals in Affoltern, ein Cocktail-Angebot. In bis zu drei Reihen hätten die Leute damals an der Bar gestanden, erinnert sich Quirici. «Es war der Treffpunkt im Säuliamt. Lehrlinge, Handwerker, Hausfrauen, Banker, es kamen einfach alle.» Bis zu 10 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern waren damals beschäftigt, er selber hat in dieser Zeit vor allem die Rolle des Organisators und Gastgebers eingenommen.

«Stigeli»-Restaurant als Startrampe

Erfahrungen als Barbetreiber besass der damals 30-jährige Quirici keine. Aber er kannte sich in der Gastronomie aus. Aufgewachsen in Hedingen, absolvierte er ursprünglich im damaligen Personalrestaurant der Schweizerischen Bankgesellschaft (SBG, heute UBS), dem «Culinarium», eine Kochlehre. Es folgten Jahre als Koch in Mexiko, den USA und Kanada, eine Erfahrung, die sich bis heute im Konzept der CQ-Bar niederschlägt: Burger, Tex-Mex-Food und knackige Salate. Und im Slogan der Bar: «Burgers, Beer and Rock ’n’ Roll».

Zurück in der Schweiz übernahm Quirici als Pächter zunächst das Restaurant/Kiosk in der Badi Stigeli in Affoltern. «Mein Plan war damals: Im Sommer hier arbeiten und im Winter auf Reisen gehen.» Doch bereits nach einem Jahr kam ihm die Idee, eine Bar im Säuliamt zu eröffnen. Ein riskantes Projekt, für das er finanzielle Anschubhilfe seiner Familie benötigte.

Der Plan ging auf. Während mehrerer Jahre führte er das «Stigeli» und die Bar parallel, bis 2005. Beflügelt vom bisherigen Erfolg und gestützt auf seine langjährige Erfahrung als Koch und Gastronom, eröffnete er zusätzlich im ehemaligen Coop-Restaurant in Affoltern ein «cooles Restaurant», das in der Schweiz der damaligen Zeit voraus war. Das Konzept: Vor dem Gast zubereitete, selbst gemachte Pasta und Ravioli, frei kombinierbar mit zwei Dutzend verschiedenen Saucen. Die Idee funktionierte im ländlichen Affoltern allerdings nicht wunschgemäss. Zudem begann sich das deutsche System-Gastro-Unternehmen Vapiano mit einem ähnlichen Konzept in den Schweizer Städten auszubreiten.

Er habe damals die Konsequenzen gezogen, die Küche aus dem Restaurant in die Bar eingebaut und das bisherige Getränkeangebot um eine Menükarte erweitert, so Quirici.

Rauchverbot und Corona als Dämpfer

Ein weiterer Grund für die damalige Angebotserweiterung: Es zeichnete sich ein generelles Rauchverbot in Bars und Restaurants ab. Als das Verbot dann da war, erinnert sich Quirici, habe es sich massiv auf den Umsatz und die Gästezahlen ausgewirkt. Und zwar negativ. Der zweite harte Schlag sei 2020 mit Corona erfolgt. Zudem sei die Stadt Zürich – «mein stärkster Konkurrent» – mit den besseren ÖV-Verbindungen über die Jahre immer näher ans Säuliamt gerückt.

Der heutige Barbetrieb sei mit 1998 nicht mehr vergleichbar, sagt Quirici. Er wolle nicht klagen, aber das Geschäft sei vergleichsweise «zäh» geworden. Als Profi wisse er aber, dass alle Gastro- und Barbetriebe aufgrund des in den letzten Jahren stark veränderten Konsum- und Freizeitverhaltens mit ähnlichen Herausforderungen zu kämpfen haben.

Heute ist die Bar an sechs Tagen pro Woche, ausser sonntags, jeweils ab 17 Uhr geöffnet (früher von 6 Uhr am Morgen bis nach Mitternacht!). Unterstützt wird er dabei von vier Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die zum Teil seit über fünfzehn Jahren Teil des Teams sind. Quirici selber übernimmt heute neben seinen organisatorischen und administrativen Aufgaben auch selber wieder Schichten. Kein Wunder, bleibt daneben fürs Privatleben nicht viel Zeit.

Trotz allem, so der dienstälteste Gastronom im Säuliamt, bereite ihm die Arbeit «immer noch Freude». So lange das so bleibe, mache er weiter.

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