Möbelstücken ein zweites Leben geben
Majra Ikic-Fleisch verleiht alten Möbeln unter dem Label «Stilbruch» einen neuen Look
«Wir sind noch am Anfang», erzählt Majra Ikic-Fleisch. Gemeinsam mit ihrem Mann Daniel spürt sie alte Möbelstücke auf – in Brockenhäusern, an Flohmärkten, bei Freunden und Bekannten oder auf Onlineplattformen wie Ricardo und Facebook Marketplace. Was die beiden entdecken, verwandelt Majra Ikic-Fleisch in individuelle Designobjekte. Dies bedeutet viel Arbeit, denn aus unscheinbaren Fundstücken sollen charaktervolle Einzelstücke werden.
Majra Ikic-Fleisch, Kundenberaterin bei einer Bank und Mutter zweier Kinder, steckt voller kreativer Ideen. Was zu Hause mit dem Aufarbeiten alter Möbel begann, hat sich weiterentwickelt: Seit April 2026 gestaltet die Obfelderin in ihrer Werkstatt nahe dem Zürcher Helvetiaplatz Möbel, Spiegel und Lampen neu. Dabei arbeitet sie mit Farben, die sie sprüht, malt oder gezielt über Flächen rinnen lässt. Glänzende Nieten und Beschläge sowie farbenfrohe Tapeten und Stoffe setzen zusätzliche Akzente.
Kreative Querdenkerin
Auf Instagram präsentiert Majra Ikic-Fleisch die ganze Bandbreite ihrer Arbeiten. Ein Beispiel ist ein kleiner Kindertisch, den sie für eine Mutter als Erinnerung an deren Sohn gestaltet hat. Aus dem schlichten Holztisch wurde ein liebevoll veredeltes Möbelstück in Beige und Gold. Eine goldene Libelle dient als Schubladengriff.
Majra Ikic-Fleisch mag es bunt und glänzend. Sie kombiniert mutig Farben und Muster, legt aber ebenso viel Wert auf Präzision. Qualität ist für sie von Anfang an entscheidend – sowohl bei der Auswahl der Möbel als auch bei deren Bearbeitung. Einen festen Stil möchte sie sich bewusst nicht vorgeben. «Ich will keinen eigenen Stil haben. Ich will immer wieder ausprobieren und bin offen für Neues», sagt sie. Gerade Auftragsarbeiten reizen sie, weil sie dabei neue Erfahrungen sammeln kann. «Ich will an den Auftragsarbeiten für Kundinnen und Kunden wachsen.» Statt sich an klassische Vorstellungen der Innendekoration zu halten, versteht sie sich als kreative Querdenkerin. «Ich liebe es, herauszufinden, was meiner Kundschaft Spass machen würde.» So entstehen Möbelstücke, die nicht nur aufgearbeitet sind, sondern einem Raum eine persönliche Note verleihen.
Sie seien noch am Anfang, betont Majra. Das Angebot soll weiterwachsen. Besonders gern nimmt sie individuelle Wünsche entgegen und verleiht Lieblingsmöbeln ein völlig neues Aussehen. Langfristig kann sie sich auch eine persönliche Wohnberatung sowie Lieferungen an Hotels und Restaurants vorstellen.
Gemeinsame Ziele
Hinter Stilbruch steht auch Daniel Ikic. Er arbeitet ebenfalls bei einer Bank, wo sich die beiden kennengelernt haben. Neben seinem anspruchsvollen Beruf unterstützt er seine Frau bei der Umsetzung ihrer Projekte. Er kümmert sich um Administration und IT und organisiert Transporte – Aufgaben, die neben der kreativen Arbeit viel Zeit und Kraft beanspruchen. Gemeinsam entwickeln sie Ideen, stöbern nach geeigneten Möbelstücken und verkaufen ihre Produkte an Märkten.
Ein nächstes Ziel ist die Teilnahme am Weihnachtsmarkt an der Zürcher Europaallee. Neben den selbst gestalteten Möbelstücken wollen sie dort auch ausgewählte Wohnaccessoires wie Lampen und Vasen anbieten. «Die Teilnahme an Märkten kostet einiges. Wir haben adäquate Preise, obwohl – es braucht viel, bis ein Werk so weit ist, dass wir es anbieten können», erklären die beiden. Umso mehr freut es sie, wenn aus einem unscheinbaren Möbelstück ein individuelles Schmuckstück wird – und sie damit Freude bereiten.
Die beiden Töchter sind zwölf Jahre und 15 Monate alt. Dass sich Beruf, Familie und Stilbruch vereinbaren lassen, verdanken Majra und Daniel auch ihren beiden Müttern, die sie bei der Kinderbetreuung unterstützen. Majra Ikic-Fleisch ist dafür sehr dankbar: «Ohne sie würden wir es nicht schaffen, Bank-Job und Stilbruch unter einen Hut zu bringen.»
Mit viel Kreativität, gegenseitiger Unterstützung und Freude am Experimentieren wollen Majra und Daniel Ikic-Fleisch Stilbruch Schritt für Schritt weiterentwickeln – damit aus alten Möbeln neue Lieblingsstücke werden.
Mit der Serie Unternehmerinnen und Unternehmer stellt der «Anzeiger» in lockerer Folge Unternehmerpersönlichkeiten vor und würdigt damit deren Engagement für den Wirtschaftsstandort Knonauer Amt. (red)








