Hier wachsen nicht nur Pflanzen
Sechs Lernende erzählen, wie sie ihre Ausbildung im Gartencenter Guggenbühl erleben

Die erste Arbeit des Tages im Gartencenter Guggenbühl in Bonstetten hat nichts mit Rosen zu tun. Wer Dienst hat, füttert zuerst die Schildkröten. Erst dann werden die Blumen angeschnitten, die Vasen gefüllt und der Laden hergerichtet. Hinter vielen dieser stillen Handgriffe steht jemand, der den Beruf noch lernt.
Lernende sind hier keine Nebensache. Fünf junge Menschen werden in der Floristik ausgebildet, eine weitere Lernende in der Gärtnerei, wo die Pflanzen für den Verkauf heranwachsen. Für Lars Küng, Mitinhaber des Gartencenters, ist das ein bewusster Entscheid. «Es ist unser bewusster Beitrag zu unserer gesellschaftlichen Verantwortung», sagt er. «Es ist einfach wichtig, dass Leute Berufe im Handwerk und im Verkauf lernen und coole Jobs in einer coolen Umgebung haben.» Wer mit den jungen Frauen spricht, versteht, was er meint.
Noa Hug: Den Menschen ein Lächeln schenken
Noa, 17, kam gerade vom Schnuppern in einem anderen Blumenladen, als ihre Mutter sie abholte und vorschlug: «Frag doch noch im Guggenbühl nach.» Heute macht sie dort die Lehre als Floristin. Für den Beruf entschied sie sich, denn: «Ich will den Menschen mit dem, was ich tue, eine Freude machen.» Am Morgen werden die Blumen gerüstet und in frisches Wasser gestellt, danach entstehen Sträusse und Gestecke für den Laden. Der erste Monat war hart: neue Gesichter, viele Informationen und den ganzen Tag stehen. Überrascht hat sie, wie unerschöpflich die Möglichkeiten sind: «Immer wenn ich denke, es können nicht noch mehr Ideen kommen, kommen doch wieder eine Menge.» Am stolzesten war sie auf ihren ersten grossen Kranz, den sie selbst hübsch fand. Neuen rät sie: Man kann nicht von Anfang an alles wissen, «also stress dich nicht». Sie möchte noch eine Weile im Beruf bleiben, irgendwann aber etwas ganz Neues ausprobieren.
Selina Schlegel: Handwerk statt Bastelei
Selina, 18, hat soeben das Qualifikationsverfahren als Floristin EFZ bestanden. Ihr erster Berufswunsch liess sich nicht verwirklichen, doch beim Schnuppern merkte sie schnell, dass die Floristik zu ihr passt. Ihre Lehrstelle fand sie über die Plattform Yousty. Ihr Tag beginnt um 8.45 Uhr mit dem Anschneiden der Blumen, dem Reinigen der Vasen und dem Herrichten des Ladens, danach folgen die Tagesbestellungen, meistens Sträusse. Feierabend ist meist zwischen 18.35 und 18.45 Uhr. Am liebsten mag sie Hochzeitsaufträge: Tischdekorationen und Trauungsgestecke, oft direkt vor Ort. «Besonders schön ist, dass wir ein Teil dieses wichtigen Tages sind.» Die grösste Herausforderung war die Vertiefungsarbeit, die sie neben Schule und Arbeit unter Zeitdruck fertigstellen musste. Vieles, was einfach aussah, brauchte viel Übung: «Floristik ist wirklich ein Handwerk, das erlernt werden muss, und keine Bastelei.» Auch der grosse Druck am Muttertag und in der Weihnachtszeit war ihr vorher nicht bewusst. Ihre wichtigste Lektion heisst Verantwortung: «Alles, was über die Ladentheke geht, muss fachlich korrekt sein.» Sie bleibt im Guggenbühl und freut sich, einfach arbeiten zu können, ohne für Prüfungen zu lernen.
Luana Buchli: Dranbleiben und üben lohnt sich
Luana, 16, fand ihre Lehrstelle, indem sie Gartencenter Guggenbühl in die Suchleiste tippte und eine E-Mail schrieb. Nach dem Schildkrötendienst am Morgen werden die Schnittblumen für den Verkauf gerüstet und Sträusse und Gestecke gefertigt. Gegen halb sechs wird aufgeräumt, und die Schnittblumen verbringen die Nacht im Kühler. Sie liebt die handwerkliche und kreative Arbeit, «also eigentlich alles». Am meisten überrascht hat sie die Vielseitigkeit des Berufs. Ihre Lektion bisher: «Immer dranbleiben. Es wird besser, je mehr man es macht.» Besonders stolz war sie, als ihr der erste Trauerkranz so gut gelang. Später macht sie vielleicht die Berufsmaturität und studiert, vielleicht bleibt sie im Beruf, und irgendwann will sie die Welt bereisen.
Elena Sachs: Der erste Eindruck prägt das Verkaufsgespräch
Elena, 18, wollte zuerst eine andere Lehre machen. Beim Schnuppern im Gartencenter Guggenbühl in ihrem Wohnort Bonstetten sprachen sie «die ganze Atmosphäre, das herzliche Team und die kreative Arbeit» sofort an. Danach bewarb sie sich. Am Morgen wechselt sie bei allen Blumen das Wasser und schneidet sie neu an. Danach entstehen Gestecke, Kränze und Sträusse für verschiedene Anlässe oder für Bestellungen: «Die Tage sind sehr abwechslungsreich.» Freude machen ihr der Austausch im Team und die Freude der Kunden, wenn ihnen das Endprodukt gefällt. Unfreundliche Kunden beschäftigen sie manchmal bis zum Abend, «und man vergisst, dass eigentlich die meisten Kunden sehr nett sind». Gelernt hat sie, dass der erste Eindruck oft das ganze Gespräch prägt. Stolz ist sie auf ein grosses Gesteck aus ihrem ersten Lehrjahr. Nach der Lehre will sie die Berufsmaturität absolvieren und reisen. Ihr Rat: «Man muss wissen, dass man den ganzen Tag stehend verbringt.»
Marilena Matter: Mit 34 zurück auf die Schulbank
Marilena hat die Floristiklehre als Zweitausbildung gemacht. Blumen, Kreativität und der Kontakt mit Kundinnen und Kunden zogen sie in den Beruf. Sie fragte bei verschiedenen Blumengeschäften an, das Gartencenter Guggenbühl gefiel ihr am besten. Was sie antreibt, ist einfach: «Mit unseren Werkstücken den Kunden eine Freude bereiten.» Die grösste Herausforderung war, nach 13 Jahren wieder die Schulbank zu drücken und Prüfungen zu schreiben. Ihre wichtigste Lektion: den Kunden gut zuhören und auf ihre Wünsche eingehen. Ihr schönster Moment war ein persönlicher: Sie gestaltete den Brautstrauss und die Hochzeitsdekoration für ihren eigenen Bruder und ihre Schwägerin. Sie möchte im Betrieb bleiben und in anderen Abteilungen Erfahrungen sammeln. Jungen Menschen rät sie zur Schnupperlehre: «Man findet schnell heraus, ob es das Richtige ist.»
Shaina Gehrig: Zusehen, wie es wächst
Shaina, 16, ist im ersten Lehrjahr als Zierpflanzengärtnerin in der Gärtnerei. Das Gartencenter kannte sie schon als Kundin, denn ihr Gotti arbeitet seit einigen Jahren hier. Als sie erfuhr, dass es eine eigene Gärtnerei gibt, ging sie schnuppern, bewarb sich, schnupperte ein zweites Mal und bekam die Stelle. Gärtnerin wollte sie werden, «seit ich denken kann». Sie sät Salat aus, pikiert und topft Jungpflanzen, schneidet zurück und giesst, im Sommer oft zweimal täglich. Wie viel Zeit das Giessen braucht und dass viele Pflanzen nicht über die Blätter gegossen werden dürfen, hatte sie nicht erwartet. Am meisten Freude macht ihr, zuzusehen, wie die Pflanzen wachsen und manchmal sogar blühen, bevor sie in den Verkauf kommen. Bewährt hat sie sich an einem hektischen Samstag, als sie allein für das Auffüllen des Gemüses verantwortlich war und alles klappte. Nicht immer war es leicht: Nach einem Lehrerwechsel an der Berufsschule fiel es ihr zeitweise schwer, motiviert zu bleiben. Ihr Motto: lieber «zu viel» Arbeit als zu wenig. Nach der Lehre will sie die Weiterbildung zur Obergärtnerin machen.
Keine Angst vor schmutzigen Händen haben
Sechs Frauen, sechs Wege in den Beruf: der Tipp einer Mutter, eine Online-Plattform, eine Internetsuche, ein Gartencenter im eigenen Dorf, eine Zweitausbildung, ein Gotti im Team. Was sie verbindet, ist die Freude an der Arbeit mit den Händen – und ein Gartencenter, das die Ausbildung als Teil seiner Arbeit versteht. Auf die Frage, was sie einer 15-Jährigen raten würden, antworten alle ähnlich: kreativ sein, gerne mit Menschen und Natur arbeiten und keine Angst vor schmutzigen Händen haben. Shaina sagt es direkt: «Man muss sich bewusst sein, dass Kleidung und Hände dreckig werden.»
Und bei sechs Lernenden soll es im Guggenbühl nicht bleiben: Das Gartencenter will bereits jetzt weitere Lernende aufnehmen.


