Meilenstein für das Renercon-Fernwärmenetz in Hedingen

Industrieabwärme vom Schmiedewerk Stooss ergänzt die Holzschnitzelheizung

Bevor die Stahlwerkstücke geschmiedet werden können, werden sie im Gasofen mit Luftzufuhr auf rund 1200 Grad Celsius aufgeheizt, bis sie glühen. Dabei entsteht viel Abwärme, die genutzt werden kann.

Bevor die Stahlwerkstücke geschmiedet werden können, werden sie im Gasofen mit Luftzufuhr auf rund 1200 Grad Celsius aufgeheizt, bis sie glühen. Dabei entsteht viel Abwärme, die genutzt werden kann.

Die Stooss-Mitarbeiter (von links) Christoph Rütimann, Leiter Produktion, sowie das Mitinhaberpaar Gregor und Corinne Maag-Stooss, neben den Renercon-Leuten Andreas Stalder, CEO, Marc Burkard, Chef Technik, Christian Natale, COO, und Sascha Christen, Aussendienst bei der Einweihung des neuen Fernwärmeanschlusses bei Stooss. (Bilder Martin Platter)

Die Stooss-Mitarbeiter (von links) Christoph Rütimann, Leiter Produktion, sowie das Mitinhaberpaar Gregor und Corinne Maag-Stooss, neben den Renercon-Leuten Andreas Stalder, CEO, Marc Burkard, Chef Technik, Christian Natale, COO, und Sascha Christen, Aussendienst bei der Einweihung des neuen Fernwärmeanschlusses bei Stooss. (Bilder Martin Platter)

Die Abwärme aus den Schmiedeöfen des Schmiedewerks Stooss heizt neu auch Häuser in Hedingen. Am Freitag wurde die Anlage offiziell eingeweiht. Für Renercon ist sie erst der Anfang.

Grosser Bahnhof bei der Einweihung der Abwärmenutzung im Schmiedewerk Stooss am letzten Freitagmittag: Neben den Mitgliedern der Hedinger Energiekommission und weiteren Behördenmitgliedern waren Energiedelegierte aus anderen Säuliämtler Gemeinden, Kantonsrat Thomas Schweizer, die Geschäftsleitung der Standortförderung sowie der Präsident des Arbeitgeberverbandes des Bezirks Affoltern nach Hedingen gekommen, um dem Projekt und dessen Verantwortlichen die Anerkennung zu erweisen.

Radringe für Trams aus Hedingen

Beim Medienrundgang konnten die Gäste den Mitarbeitenden beim Schmieden über die Schulter schauen. Produktionsleiter Christoph Rütimann erklärte die einzelnen Arbeitsschritte. Stooss fertigt unter anderem die geschmiedeten Radringe der Zürcher Trams sowie weitere Fahrzeugkomponenten wie Naben, Achsen und andere hochbelastete Schmiedeteile aus Stahl und Aluminium. Die grossen Schmiedeöfen werden hauptsächlich mit Erdgas und Luft beheizt. Ein neueres Modell läuft hybrid und kann zum Anheizen auch elektrisch betrieben werden. Zum Schmieden wird der Stahl auf rund 1200 Grad Celsius erhitzt. Entsprechend viel Abwärme fällt an. Statt sie ungenutzt durch den Kamin ins Freie entweichen zu lassen, entzieht ihr ein Wärmetauscher die Energie und speist sie ins firmeneigene Wärmenetz.

«Unsere Abwärme heizt bereits die eigenen Gebäude», sagt Corinne Maag-Stooss, Geschäftsführerin des Schmiedewerks. «Dass sie jetzt auch den Dorfbewohnern in Hedingen zugutekommt, ist sinnvoll und macht uns stolz.» Das eigene Netz benötige allerdings nur einen kleinen Teil der Wärme. Deshalb setzte sich Stooss vor vier Jahren mit Renercon zusammen, um eine Lösung für die Restwärme zu finden. Gebaut wurde ein zweiter Wärmekreislauf, der über eine Auskopplungsstation auf dem Firmengelände an den Verteiler in der nahen Schreinerei Girardi angeschlossen ist. Dort steht bereits die Holzschnitzelheizung, mit der Renercon seit 2007 den Wärmeverbund Hedingen betreibt.

Investiert wurde rund eine Million Franken für den Ausbau. In einer ersten Stufe reicht die Abwärme im Schnitt für den Wärmebedarf von rund 100 Einfamilienhäusern. Jährlich lassen sich so rund 2500 Kubikmeter Holzschnitzel einsparen, was etwa 60 Lastwagenladungen entspricht.

Regeltechnik als Knacknuss

Ausgeschöpft ist das Potenzial damit aber noch lange nicht: Bei Stooss steht rund dreimal mehr nutzbare Abwärme zur Verfügung, als heute ins Netz fliesst. Allerdings liefert das Schmiedewerk nicht permanent Wärme, denn die Öfen laufen nach dem Bedarf der Produktion. Die Herausforderung liegt deshalb in der Regeltechnik – ähnlich wie beim Flatterstrom aus Wind- und Sonnenenergie.

Es ergibt keinen Sinn, Holzschnitzel zu verbrennen, wenn gleichzeitig genügend Abwärme aus den Schmiedeöfen zur Verfügung steht. Reicht diese nicht aus, springen die Holzschnitzelfeuerungen ein. Ausgleich soll dereinst das nächste Projekt schaffen. «Ein Wärmespeicher in der Grösse von rund 1000 Kubikmetern Wasser, um die Spitzen zu brechen und die Energie zwischenzuspeichern, wäre ideal», sagt Andreas Stalder, CEO von Renercon.

Mit der Dr. Kolb AG wartet in der Nachbarschaft bereits ein weiteres Unternehmen, das grosse Abwärmemengen zu bieten hätte. Dazu soll das Netz weiter ausgebaut werden: «Geplant ist eine Fernwärmeleitung nach Bonstetten-Wettswil und vielleicht auch Lieferungen nach Affoltern, dessen Fernwärmenetz das von Hedingen beinahe ‹berührt›», sagt Stalder. Ziel sei eine zuverlässige Wärmeversorgung für die Region mit Energie aus der Region.

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