Umzugsfirma in weiblicher Hand
Cornelia Pittet führt mit ihrem Sohn die TSH Driver Rent GmbH

Umzugsunternehmen sind darauf spezialisiert, Umzüge zu organisieren und durchzuführen. Was vielleicht einfach klingt, sind komplexe Projekte – jedes davon ist einzigartig und umfasst meist das Verpacken und Demontieren, das Verladen, Transportieren, Entladen, Positionieren und Montieren sowie das einfache Anschliessen von Strom und Wasser. Die Branche ist eher männerdominiert.
Ein Umzug muss professionell geplant und detailliert organisiert werden – vergleichbar mit dem Dirigieren einer Sinfonie. Eine solche «Umzugsdirigentin» ist Cornelia Pittet seit 1994. Und wie ein Konzert ohne Musiker – trotz Dirigenten – nicht funktioniert, ist auch für Cornelia Pittet das Orchester, ihr Team, das Wichtigste für den Erfolg.
Physisch und psychisch anspruchsvoll
Der harte Kern der TSH Driver Rent GmbH in Obfelden sind Cornelia Pittet, ihr langjähriger Mitarbeiter Valdrim Limoni und ihr älterer Sohn Luca Gabriel. Gestartet hatte das Unternehmen mit der Vermittlung von Personal im Transportbereich. 2000 erfolgte der Einstieg in die Umzugsbranche mit einem spektakulären ersten Auftrag: dem Grounding der Swissair. Dabei machte Cornelia Pittet erstmals die Erfahrung, dass ein Umzug – oder die Auflösung einer Wohnung oder eines Unternehmens – oft eine emotionale Angelegenheit ist. Für viele Betroffene bedeutet ein Umzug das Ende einer Lebensphase und ist häufig mit Trauer und Abschied verbunden.
Es geht also nicht nur um Körperkraft und handwerkliches Geschick, sondern auch um Empathie und Achtsamkeit. Dessen ist sich Cornelia Pittet sehr bewusst. Oft ist sie von den Geschichten ihrer Kundinnen und Kunden tief berührt und nimmt sich Zeit für die Menschen. Da Möbel und persönliche Gegenstände oft einen hohen emotionalen Wert haben, ist es ihr ein grosses Anliegen, sorgfältig zu verpacken und Transportschäden zu vermeiden.
Die TSH Driver Rent GmbH stellt zudem Lagerräume zur Verfügung und vermietet und verkauft Leergut. Besonders beliebt sind die Lagerwagen, die das Unternehmen selbst gebaut hat. Sohn Luca Gabriel hat eine Lehre als Mechatroniker für Nutzfahrzeuge EFZ absolviert, Valdrim Limoni ist gelernter Logistiker EFZ. Alle drei besitzen den Führerausweis BE für Zugfahrzeuge und Anhänger, Luca Gabriel sogar die Kategorien BCE und Spezialkranausweis.
Stete Entwicklung
Die Auftragslage war stets zufriedenstellend. Dies nicht zuletzt, weil Cornelia Pittet auf flexible Springer zählen kann und klug in Fahrzeuge und Apparate investiert. Nebst einem Lkw mit Hebebühne, eignet sich ein Pick-up nicht nur für Transporte, sondern auch als Zugfahrzeug. Ein Lasten-Fassadenlift verhindert das mühsame Schleppen von Möbeln durch enge Treppenhäuser. Den Transportschlitten zieht das Team gemeinsam. Oft zum Einsatz kommt auch der «Habegger», ein Drahtseilzug.
Cornelia Pittet steht immer wieder vor besonderen Herausforderungen. Dann sind Erfahrung und Kreativität gefragt. «Einmal mussten wir beim Abtransport einer Maschine aus einem Abbruchobjekt sogar ein grosses Loch in die Mauer schlagen», erzählt sie lachend. «Geht nicht – gibts nicht» ist ihre Devise.
«Als kleine Firma haben wir beispielsweise innert drei Monaten 1400 Arbeitsplätze gezügelt.» Unter anderen erteilten Behörden, Altersheime, das Forschungsinstitut PSI sowie Sunrise dem Unternehmen Aufträge in der ganzen Schweiz. Das Möblieren von Büros gehört zu den Hauptaufgaben. Namhafte Möbelhersteller verlassen sich immer wieder auf die Zuverlässigkeit und Professionalität der Firma. «Jeder Hersteller, beispielsweise Haller oder Steelcase, hat sein eigenes System.»
Für Spezialaufgaben organisiert die TSH Driver Rent GmbH die Zusammenarbeit mit Fachleuten – etwa bei Spezialtransporten. Auch bei Öfen oder Tresoren sind spezielle Vorgehensweisen nötig. Zudem arbeitet das Unternehmen mit Reinigungsfirmen zusammen. «Wir machen keine explizite Werbung. Aufgrund von Weiterempfehlungen erhalten wir schöne Aufträge.»
Räumungen und schwierige Einsätze
Die TSH Driver Rent GmbH übernimmt auch Räumungen, beispielsweise im Auftrag von Sozialwerken. Dazu gehören Entrümpelung und Entsorgung.
«Da treffen wir auf unbeschreibliche Situationen in Messie-Wohnungen, auf vermüllte Räumlichkeiten und Liegenschaften. Manchmal stehen wir bis zu den Knien im Dreck.» Dabei ist Cornelia Pittet stets selbst mit vor Ort: «Ich mute meinen Mitarbeitenden nichts zu, das ich nicht auch selbst übernehme.» Sie erledigen zudem Aufräumarbeiten in Kellern oder Estrichen.
Manchmal geht es auch um Zwangsräumungen – oft in Zusammenarbeit mit Polizei und Betreibungsamt. «Es geht mir zu Herzen, wenn Familien ihre Wohnungen verlassen müssen.» Cornelia Pittet begann ihre Berufslaufbahn als Köchin EFZ. Dort lernte sie, mit Stress umzugehen. Gemeinsam mit ihrer Zwillingsschwester führte sie später einen Partyservice. Seit 32 Jahren ist sie für die gesamte Administration und Disposition der TSH Driver Rent GmbH verantwortlich.
Bei Leistungen und Preisgestaltung orientiert sie sich am Schweizerischen Nutzfahrzeugverband Astag, bei der Sicherheit an den Vorgaben der Suva. «Gute, professionelle Dienstleistungen haben ihren Preis», erklärt Cornelia Pittet. «Geiz ist nicht immer geil. Manchmal müssen wir die Fehlleistungen anderer Unternehmen korrigieren.»
Berufsstolz und Wertschätzung
Cornelia Pittet und ihr Team arbeiten flexibel nach den Bedürfnissen der Kundschaft. Das bedeutet oft lange Arbeitstage, aber gelegentlich auch einen freien Nachmittag in der Badi.
Was sich alle wünschen? «Eine positive Veränderung des Images der Umzugsbranche. Dem Beruf des ‹Zügelmanns› soll mehr Wertschätzung entgegengebracht werden. Es ist ein handwerklicher Beruf, der viel Spezialwissen erfordert.»
Oft würden sich Kundinnen und Kunden einmischen und Tipps geben, wie ein Umzug organisiert werden sollte. «Doch viele sagen am Ende auch: ‹Wow, das habe ich unterschätzt.›»
Als Allrounder repariert das Team bei Bedarf sogar Möbel während eines Umzugs. Der Beruf besteht längst nicht nur aus «Gehen und Tragen».
Mit Recht ist Cornelia Pittet stolz auf ihren familiären Betrieb, der im Knonauer Amt bestens vernetzt und verankert ist.


