Familiennachfolge – der häufigste Weg

Den Staffelstab weitergeben – Unternehmensnachfolge im Säuliamt (3)

Bereits erfahren hinsichtlich familiärer Nachfolgeprozesse: Luca (links) und Vater Daniel Launer. (Bilder Brigitte Reemts Flum)

Bereits erfahren hinsichtlich familiärer Nachfolgeprozesse: Luca (links) und Vater Daniel Launer. (Bilder Brigitte Reemts Flum)

Nando (links) und Reto Brönnimann von «Brönnimann Holzbau».

Nando (links) und Reto Brönnimann von «Brönnimann Holzbau».

Für viele Unternehmerinnen und Unternehmer bleibt die familieninterne Übergabe die Wunschlösung. Wo eine Nachfolge innerhalb der Familie möglich ist, werden andere Optionen oft gar nicht erst geprüft. Schweizweit werden rund 42 Prozent aller kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) innerhalb der direkten Familie übertragen, weitere 11 Prozent an andere Verwandte. Gerade im Bezirk Affoltern mit seinen zahlreichen inhabergeführten Unternehmen spielt die Familiennachfolge nach wie vor eine bedeutende Rolle.

Nachfolgeregelung über fünf Generationen

Ein Familienunternehmen in der 5. Generation ist die Firma «Maler Launer» in Obfelden. Das Unternehmen beschäftigt neben der Familie fünf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und zwei Lehrlinge. Aktuell wird die Firma von Daniel Launer geleitet, Sohn Luca ist aber bereits in der Nachfolgeplanung und auch der mittlerweile 82-jährige Senior Alfred Launer arbeitet noch mit. Hinsichtlich familiärer Nachfolgeprozesse hat die Familie Launer in den vergangenen 130 Jahren also bereits einige Erfahrungen gemacht.

Angesichts dieser Familiengeschichte nimmt man an, dass eine gewisse Erwartung auf den Kindern liegt, das Unternehmen zu übernehmen. Doch Luca Launer, Jahrgang 1996, versichert glaubwürdig: «Ich habe nie Druck gehabt von daheim, niemand hat mich bearbeitet, die Firma mal übernehmen zu müssen.» Und Maler ist er auch erst im zweiten Anlauf geworden. Als es um die Berufswahl ging, absolvierte er zunächst eine Schnupperlehre im Metallbau und war danach sofort überzeugt: «Ich wusste zu 100 Prozent: Das ist es!» Aber nach einem Jahr realisierte er, dass es doch nicht sein Wunschberuf ist und wechselte in eine Ausbildung zum Maler. Sowohl die Eltern als auch er selbst wollten, dass er die Lehre nicht im eigenen Betrieb macht. Weder wollte er nach Abschluss der «ewige Lehrling» sein, noch immer als «Sohn vom Chef» behandelt werden. So trat er 2018, ein Jahr nach Lehrabschluss, als ausgebildeter Maler in den elterlichen Betrieb ein.

Luca Launer hat noch Geschwister, die in einem anderen Beruf tätig sind. In der Familie Launer übernimmt aber nicht einfach ein Sohn den elterlichen Betrieb. Bestimmte Werte für die Führung eines Unternehmens werden in einer solchen Konstellation bereits am Familienesstisch verhandelt. Bei Launers ist Fairness ein dominanter Familienwert. «Meinen Eltern ist extrem wichtig, dass alles geregelt ist, und zwar fair», sagt Luca Launer. Und Daniel Launer sagt auf mögliche Erbkonflikte angesprochen: «Unsere Familie ist in dieser Hinsicht grossartig! Das ging alles sehr einvernehmlich über die Bühne!»

Die enge Verbindung in der Familie ermöglicht in der Nachfolge Zwischenlösungen, die mit einem Aussenstehenden fast nicht denkbar wären. So kann sich Luca Launer noch etwas Zeit lassen, bis er in die volle Verantwortung als Unternehmenschef geht. Er hat in den letzten Jahren noch Weiterbildungen zum Baustellenleiter, zum Projektleiter und zum Malermeister absolviert und lehrt selbst an der Hochschule für Gestaltung die praktischen Fächer. Dies alles ist möglich, weil das Geschäft noch seinem Vater Daniel gehört und er dadurch gewisse Freiräume geniesst. Luca Launer weiss, dass er bei Übernahme noch mehr Druck und Verpflichtung auf sich laden wird. Sein Vater betont: «Es ist ein grosser Unterschied, ob alles an einem liegt und man auch das finanzielle Risiko trägt.»

130 Jahre Familienbetrieb bedeutet auch 130 Jahre Geschichte und gesellschaftliche Innovationen. Ein Malerbetrieb ist kein Hightech-Unternehmen, aber von der Einführung des Fernsehens für alle bis zum ersten PC, dem ersten Mobiltelefon und zum Zugang zum Internet, dem Beginn der sozialen Netzwerke, haben die aktuellen Launers alles miterlebt. Die grösste Innovation tätigte Alfred Launer, als er moderne Spritzgeräte einführte, die sehr viel Arbeit mit dem Pinsel obsolet machten. Der nächste grosse Innovationsschritt betrifft weniger das Malerhandwerk als die Administration. Der Ausbau eines modernen CRM-Systems dürfte zu den ersten grossen Projekten der nächsten Generation gehören.

Schritt für Schritt zur nächsten Generation

Ein weiterer Familienbetrieb mit langer Tradition ist die «Brönnimann Holzbau» in Ebertswil. Ihre Wurzeln reichen bis ins Jahr 1949 zurück, als Otto Brönnimann die «Brönnimann Hoch- und Tiefbau AG» in Rüschlikon gründete. In den 1970er-Jahren entwickelte sich unter der Leitung der Brüder Heinz, Peter und Fritz Brönnimann aufgrund der steigenden Nachfrage im Holzbau ein eigenständiger Holzbaubetrieb, der seinen Standort ins Säuliamt verlegte. 2005 wurde daraus die heutige «Brönnimann Holzbau AG» gegründet. Seit 2010 verfolgen die beiden Unternehmen unterschiedliche Strategien und wurden 2010 komplett voneinander getrennt.

Heute wird die «Brönnimann Holzbau AG» von Reto Brönnimann (Jahrgang 1964), dem Sohn von Heinz Brönnimann, geführt. Gleichzeitig laufen bereits die Vorbereitungen für die nächste Generation – mit dem Ziel, die Zukunft des Familienunternehmens sorgfältig und nachhaltig zu gestalten.

Nando Brönnimann (Jahrgang 1994) absolvierte seine Ausbildung zum Zimmermann im Kanton Zug und sammelte anschliessend Berufserfahrung in seinem Lehrbetrieb. Vor knapp zehn Jahren wechselte er in das Familienunternehmen, als dort aufgrund eines hohen Auftragsvolumens zusätzliche Unterstützung gefragt war. Seither hat er sich kontinuierlich weiterentwickelt: Nach der Vorarbeiterschule und der Weiterbildung zum Polier steht er heute kurz vor dem Abschluss als Holzbautechniker HF. Im Betrieb übernimmt er bereits Verantwortung als Projektleiter und bringt sich in unterschiedlichsten Bereichen des Unternehmens ein.

Auch seine Schwester Nayla Brönnimann ist Teil des Familienunternehmens. Nach ihrer KV-Lehre absolvierte sie die Ausbildung zur HR-Assistentin und bildet sich derzeit im Bereich Buchhaltung weiter. Perspektivisch steht auch dem jüngsten Bruder Siro Brönnimann, Jahrgang 2012, die Möglichkeit offen, später ins Unternehmen einzusteigen. Damit bleibt die langfristige Weiterführung des Familienbetriebs eine realistische Perspektive.

Für Reto Brönnimann steht bei der Nachfolgeregelung vor allem Fairness innerhalb der Familie im Mittelpunkt. «Jedes Kind hat bei mir die gleichen Rechte», betont er. Gleichzeitig ist für ihn klar, dass eine erfolgreiche Nachfolge Zeit braucht. Deshalb erfolgt der Generationenwechsel bewusst schrittweise: Reto Brönnimann führt das Unternehmen weiterhin und gibt Verantwortung nach und nach an die nächste Generation weiter. So können Erfahrungen, Kundenbeziehungen und unternehmerisches Wissen kontinuierlich weitergegeben werden – zum Nutzen der Familie, der Mitarbeitenden und der Kundschaft.

Dass dieser Weg sinnvoll ist, bestätigt auch Nando Brönnimann: «Ich finde es gut, dass man nicht einfach ins kalte Wasser geworfen wird. Man übernimmt viel Verantwortung – für das Unternehmen und für die Mitarbeitenden.» Fachliches Wissen sei nur ein Teil der Aufgabe: «Unternehmertum muss man lernen. Es ist wie ein Eisberg – der grösste Teil liegt unter der Oberfläche.» Deshalb schätzt er die Möglichkeit, sich Schritt für Schritt auf die zukünftige Rolle vorzubereiten, Kundenbeziehungen weiter aufzubauen, sein Netzwerk zu pflegen und zunehmend unternehmerische Verantwortung zu übernehmen.

Tradition trifft neue Arbeitswelten

Auch Daniel Launer, der aktuelle Chef bei «Maler Launer», hat die Firma 2010 von seinem Vater Alfred Launer übernommen, im Unternehmen war er aber zuvor über fünfzehn Jahre. Vater und Sohn haben also lange Zeit zusammen im Betrieb gearbeitet. Dies liegt zum Teil daran, dass Daniel Launer einen jungen Vater hat, die beiden trennen nur neunzehn Jahre Altersunterschied. Aber Daniel Launer hat auch keinen Druck gemacht. «Für mich war es ebenso wichtig, die Familie zu erleben, als durch die Arbeit zu stark abwesend zu sein», sagt er. In der Familie Launer treffen sich nicht nur familiäre Generationen, sondern auch die unterschiedlichen Werte von Arbeitsgenerationen. Während für die Nachkriegsgeneration Arbeit einen sehr grossen Stellenwert besitzt, war die Boomergeneration von Daniel Launer bereits mehr an Selbstverwirklichung und freier Lebensgestaltung orientiert. Und die Generation Y oder Z von Luca Launer oder auch Nando Brönnimann bringt nochmals andere Arbeitswerte in den Betrieb.

Dieses Miteinander der verschiedenen Arbeitsgenerationen beinhaltet Konfliktpotenzial, kann aber auch bereichernd sein. Letztlich muss aber derjenige, der die Firma führt, den Mut haben, bei aller Tradition eigene Entscheide zu treffen und einen eigenen Stil zu finden. «Der, der das Ruder übernimmt, muss authentisch sein», sagt Daniel Launer mit grosser Überzeugung. «Man muss seinen Idealen und Werten treu sein, wenn man es genauso zu machen versucht wie der Vater, kann man sich aufreiben.» Und so rät er auch seinem Sohn, Mut zur eigenen Unternehmerpersönlichkeit zu haben. Das wiederum erfordert von der abtretenden Generation manchmal etwas Toleranz.

Die ideale Lösung – wenn die Voraussetzungen stimmen

Wenn die Beziehungen innerhalb der Familie gut sind und man mit Respekt und Toleranz zusammenarbeitet, liegen die Vorteile einer familiären Nachfolge auf der Hand: Nachfolgerinnen und Nachfolger kennen den Betrieb häufig seit ihrer Kindheit, geniessen bei Mitarbeitenden einen Vertrauensvorschuss und identifizieren sich stark mit dem Unternehmen. Werte und Unternehmenskultur bleiben erhalten. So kann das Lebenswerk einer Unternehmerfamilie nicht nur bewahrt, sondern von der nächsten Generation weiterentwickelt werden.

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