Felder, Kühe und Überzeugung
Der Berufsalltag von Michaela Baumann, Landwirtin im Knonauer Amt
Während viele im Knonauer Amt noch zur ersten Tasse Kaffee greifen, steht Michaela Baumann bereits im Stall. Die 27-Jährige führt gemeinsam mit ihrem Vater einen Milchviehbetrieb und steht damit für eine jüngere Generation von Landwirten, die Tradition mit moderner Ausbildung und neuen Perspektiven verbindet.
An einem klaren Morgen in den Feldern von Hausen oder im nahegelegenen Stallikon beginnt ihr Arbeitstag um sechs Uhr. Zusammen mit ihrem Vater René Baumann bewirtschaftet sie den Familienbetrieb im Rahmen einer sogenannten Generationengemeinschaft. Der Betrieb umfasst zwei Standorte: Auf dem Hof in Hausen werden 65 Milchkühe gehalten, die über ein automatisches Melkrobotersystem gemolken werden. Ein zweiter Standort in Stallikon dient der Aufzucht von Jungvieh sowie der Haltung von Zuchtkühen. «Wir arbeiten auf Augenhöhe», sagt Michaela über die Zusammenarbeit mit ihrem Vater. «Beide tragen die Verantwortung dafür, dass der Betrieb funktioniert.»
Vom Apothekenberuf zur Landwirtschaft
Der Weg in die Landwirtschaft verlief für Michaela nicht geradlinig. Obwohl sie auf dem Hof aufgewachsen ist, interessierte sie sich zunächst für medizinische Themen. Nach der Schule absolvierte sie eine dreijährige Ausbildung zur Pharma-Assistentin in einer Apotheke in Affoltern. Gleichzeitig blieb die Verbindung zur Landwirtschaft bestehen. Da der Beruf Landwirt auch als Zweitausbildung möglich ist, entschied sie sich für diesen Weg. Praktische Lehrjahre absolvierte sie auf Milchviehbetrieben in Hallau sowie im Zürcher Oberland, bevor sie 2020 ihre landwirtschaftliche Ausbildung vollendete. Anschliessend folgte eine Weiterbildung im Bereich Betriebsleitung, die sie mit der Meisterprüfung abschloss.
Während einer Übergangsphase arbeitete sie noch zwei Tage pro Woche in der Apotheke. Mit zunehmender Verantwortung auf dem Hof entschied sie sich jedoch, sich vollständig der Landwirtschaft zu widmen.
Arbeit zwischen Wetter und Tierhaltung
Der Alltag auf einem Landwirtschaftsbetrieb lässt sich nur begrenzt planen. Der Tag beginnt früh im Stall und endet meist erst mit einer weiteren Kontrollrunde am Abend. Dazwischen bestimmen Jahreszeit, Wetter und Tierhaltung den Ablauf.
Besonders herausfordernd sind kurze Wetterfenster während der Vegetationsperiode. Wenn sich mehrere Arbeiten gleichzeitig anbieten – etwa Heuernte oder Feldarbeiten –, müssen Prioritäten gesetzt werden. «Man muss entscheiden, was im Moment am wichtigsten ist», sagt Michaela.
Zudem bleiben Tiere und Technik nicht immer planbar. Krankheiten oder technische Probleme können jederzeit auftreten. Deshalb lässt sie bewusst einen Teil ihres Tages offen für Unvorhergesehenes.
Eine Frau in einer traditionell männlich geprägten Branche
Die Landwirtschaft gilt noch immer als männerdominierter Beruf. Michaela beschreibt diese Realität jedoch ohne Klage, vielmehr mit einer nüchternen Haltung. Viele körperlich schwere Arbeiten werden heute von Maschinen übernommen. Gleichzeitig bleiben technisches Verständnis und Interesse an Maschinen weiterhin wichtig. «Wenn das Interesse da ist, kann man letztlich alles lernen», sagt sie.
Wenn sie selbst grosse landwirtschaftliche Maschinen fährt, erntet sie gelegentlich überraschte Reaktionen – meist jedoch positive. Gleichzeitig beobachtet sie, dass immer mehr Frauen eine landwirtschaftliche Ausbildung beginnen.
Die nächste Generation: Einblick in die Ausbildung
Ein wichtiger Bestandteil des Betriebs ist die Ausbildung von Lehrlingen. Für Michaela bedeutet dies, jedes Jahr neue Abläufe zu erklären und Wissen weiterzugeben. Dabei gehe es darum, die Lehrlinge zu fördern, ohne sie zu überfordern. Gleichzeitig betont sie, dass die Landwirtschaft auch für junge Menschen ohne eigenen Hof ein zugänglicher Berufsweg sei. «Es ist eine sehr vielseitige Grundausbildung», sagt sie. So werden auf dem Hof regelmässig zwei landwirtschaftliche Lehrlinge betreut:
Reto Uhr (24) aus Wädenswil befindet sich bereits im dritten Lehrjahr seiner landwirtschaftlichen Ausbildung. Er bringt ein wertvolles technisches Fundament mit, da er zuvor eine Lehre als Landmaschinenmechaniker abgeschlossen hat – eine Kombination, die auf modernen, hoch technisierten Betrieben besonders gefragt ist. Für Uhr ist die Zweitausbildung ein strategischer Schritt: «Mein Ziel ist es, später einmal den elterlichen Betrieb in Wädenswil zu übernehmen», erklärt er. Da der heimische Hof primär auf Milchviehhaltung ausgerichtet ist und kaum Ackerflächen besitzt, nutzt er die Zeit bei den Baumanns gezielt zur Wissenserweiterung. «Hier sieht man verschiedene Bereiche der Landwirtschaft und lernt Aspekte kennen, die wir zu Hause so nicht haben», sagt der Lehrling.
Ebenfalls im dritten Lehrjahr ist der 18-jährige Jona Urfer aus Kollbrunn. Er entschied sich bewusst für diesen Grossbetrieb, um die Vielseitigkeit und die komplexen Abläufe einer modernen Milchwirtschaft kennenzulernen. «Die Grösse und die Abwechslung auf diesem Hof finde ich sehr spannend, ich lerne hier nochmals viel dazu», so Urfer. Ursprünglich hatte er mit einer Lehre als Forstwart geliebäugelt, ist heute jedoch überzeugt von seiner Wahl: «Ich bin glücklich, mich direkt für den Beruf als Landwirt entschieden zu haben.» Nach seinem Abschluss steht für ihn zunächst der Militärdienst an, doch sein langfristiger Weg ist vorgezeichnet: Er möchte definitiv in der Landwirtschaft bleiben.
Beide Lehrlinge teilen die Vision ihrer Ausbildnerin Michaela, was die gesellschaftliche Relevanz ihres Berufs betrifft. Reto Uhr bringt es auf den Punkt: «Ich wünsche mir, dass die Landwirtschaft anerkannt bleibt und wir zu fairen Preisen gute Produkte produzieren können.»
Blick in die Zukunft und ein persönlicher Wunsch
Mit Blick in die Zukunft beschäftigt Michaela nicht nur die Entwicklung ihres eigenen Betriebs. Sie sieht auch eine zunehmende Distanz zwischen Landwirtschaft und städtischer Bevölkerung sowie einen wachsenden administrativen Aufwand für Betriebe. Gleichzeitig prägen technologische Entwicklungen den Berufsalltag. Der Einsatz von Melkrobotern zeigt bereits heute, wie stark sich die Landwirtschaft verändert hat.
Ein persönlicher Wunsch ist es, eines Tages auf einem Milchviehbetrieb in Kanada zu arbeiten, um dort andere Produktionsformen kennenzulernen und zusätzliche Einblicke zu gewinnen.






