«Ich geniesse es, selbstständig zu arbeiten»

Tamara Sperduto lernt bei Käser Druck in Stallikon Medientechnologin Fachrichtung Printmediatechnik EFZ

Tamara Sperduto zeigt, wie die Arbeit an einem Digitaldrucksystem in ihrem Lehrbetrieb funktioniert. Die Lernende besucht während ihrer dualen Ausbildung einmal wöchentlich die Schule für Gestaltung in Zürich. (Bild Marcus Weiss)
Tamara Sperduto zeigt, wie die Arbeit an einem Digitaldrucksystem in ihrem Lehrbetrieb funktioniert. Die Lernende besucht während ihrer dualen Ausbildung einmal wöchentlich die Schule für Gestaltung in Zürich. (Bild Marcus Weiss)

Ein frühlingshafter Tag im Stalliker Ortsteil Sellenbüren. Im flachen Gewerbebau an der Hauptstrasse herrscht reger Betrieb. Wir sind beim Unternehmen Käser Druck AG. Die Begeisterung für das traditionsreiche, aber dennoch im steten Wandel begriffene Printhandwerk ist hier förmlich mit Händen zu greifen.

Auch Tamara Sperduto strahlt diesen Elan aus, sie ist von der ersten Sekunde unseres Gesprächs an eine hervorragende Botschafterin nicht nur ihres Betriebs, sondern ebenso ihres Berufsstandes. «Ich war gerade daran, einen Druckauftrag abzuschliessen. Es ging darum, A7-Kärtchen für eine Privatperson herzustellen», berichtet die 19-Jährige. Die Aufträge, die sie jeweils zugeteilt bekommt, seien immer individuell, dies mache ihre Arbeit so besonders, unterstreicht die in Obfelden wohnhafte junge Frau. Sie absolviert gerade das vierte und letzte Lehrjahr ihrer Ausbildung zur Medientechnologin Fachrichtung Printmediatechnik EFZ. Aus den Produktspezifikationen könne sie jeweils entnehmen, was von der Kundschaft genau gewünscht werde, beispielsweise das Format, die Anzahl Seiten, die Farben und viele weitere Parameter. «Heute führe ich fast alle Aufträge selbstständig aus. Im ersten halben Jahr begleitete mich meine Berufsbildnerin sehr intensiv, sie erklärte mir die Arbeitsschritte und worauf zu achten ist, aber ich bin ziemlich schnell in die Materie reingewachsen», blickt Tamara Sperduto zurück. Die Tätigkeiten seien vielfältiger, als es manche Aussenstehende auf den ersten Blick vermuten würden, nebst den Arbeiten an den Druckmaschinen gehe es auch um die Weiterverarbeitung. Hierzu gehört etwa das Ausrüsten, Falten und Schneiden der Druckerzeugnisse.

Tamaras Berufswahlphase fiel in eine herausfordernde Zeit

«Eine Sache, die ich in meiner Schnupperlehre hier gemacht habe, war das Herstellen einer Spiralbindung», erinnert sich die Lernende und nimmt eine spiralgebundene Broschüre zur Hand, um das System hinter dieser Technik zu erklären. «Als ich meine Schnupperlehren machte, war Coronazeit», fügt die in Ausbildung stehende Medientechnologin an – sie gehört zu derjenigen Generation, die just in dieser Ausnahmesituation den Einstieg in die Berufswelt bewältigen musste. Hatte sie zu diesem Zeitpunkt schon eine genaue Vorstellung, in welche Richtung es gehen sollte? «Ich wollte nichts machen, wo ich ständig nur vor dem Computer sitze, das war mir klar», schickt die Lernende ihrer Antwort voraus. Den Anstoss dazu, sich bei den gestalterischen Berufen umzusehen, habe dann ihre Mutter gegeben. Dies sei nicht von ungefähr gekommen, schliesslich habe sie seit jeher gerne gezeichnet und gebastelt, und auch ihr grosser Berufswunsch aus Kindertagen, eines Tages Floristin zu werden, zeigte bereits in diese Richtung. «In der Schulzeit war dann Lehrerin mein Berufsziel, aber ich spürte, dass mir das Kreative immer wichtiger wurde», resümiert Tamara Sperduto. Grafikerin, Mediamatikerin, Polygrafin, diese Berufe hatten sich als besonders geeignet herauskristallisiert, als es in ihrer Sekundarschulzeit (Sek A) um die Suche nach Schnupperlehrstellen ging. Es habe sich dann so ergeben, dass sie als Polygrafin und als Medientechnologin bei ihrem jetzigen Arbeitgeber Käser Druck Schnupperlehren absolvieren konnte. Auch in den Coiffeurberuf konnte sie hineinschnuppern. «Coiffeuse hat mir nicht in allen Punkten entsprochen, Polygrafin sagte mir schon weitaus besser zu, aber nach meiner dritten Schnupperlehre, jener im Beruf der Medientechnologin, waren dann quasi die Würfel gefallen, und ich erhielt meine Lehrstelle», schliesst die Berufseinsteigerin. Ihre Erleichterung sei riesig gewesen, als sie von der Zusage des Unternehmens Käser Druck erfahren habe. Pandemiebedingt habe sich der Berufswahlprozess in die Länge gezogen, und die entscheidenden Unterschriften hätten erst im März, also rund fünf Monate vor Lehrbeginn, erfolgen können.

Ein Katzen-Bilderbuch zeugt vom Erfolg der Ausbildung

«Beim Schnuppern in Affoltern bekam ich sofort viele Eindrücke vom Beruf, und ich war sehr angetan von der Art, wie hier gearbeitet wird», so Tamara Sperduto. «Von der Kundenberatung bis zum Endprodukt, hier liegt alles bei dir», schwärmt die junge Frau, die es sichtlich geniesst, eigenständig zu arbeiten. Für wen eignet sich ihr Lehrberuf, und gibt es Punkte, die man besonders beachten sollte? «Ich denke, man sollte gerne kreativ sein, aber auch kommunikativ, um die Kundschaft gut beraten zu können, und es braucht Durchhaltevermögen, damit man nicht aufgibt, wenn es mal knifflig wird», lautet die Antwort. Wichtig sei, darauf zu achten, in welchen Bereichen der künftige Lehrbetrieb tätig sei, da gebe es grosse Unterschiede. So habe man in Copyshops viel mehr Laufkundschaft und einmalige Aufträge, während es in ihrer Lehrfirma um ein viel grösseres Spektrum gehe, da sehr verschiedene Produkte von Visitenkarten bis hin zu Softcover-Büchern hergestellt werden.

Einen eindrücklichen Beweis ihres beruflichen Könnens und ihrer kreativen Fähigkeiten stellt Tamara Sperdutos Vertiefungsarbeit dar. Sie zählt bereits zum Qualifikationsverfahren (QV), welches die frühere Lehrabschlussprüfung ersetzt. Es handelt sich bei der Arbeit um ein Bilderbuch im Comic-Stil mit dem Titel «Durch die Hecke und zurück», das sie (mit Ausnahme der Hardcover-Bindung) von A bis Z selbst gestaltet und hergestellt hat. «Man war sehr frei, was man als Vertiefungsarbeit wählen wollte. Es musste auch kein Produkt resultieren, eine Dokumentation hätte gereicht», schickt die Lernende voraus. «Ich lese mega gerne und liebe es zu gestalten. Da kam mir die Idee, als Vertiefungsarbeit ein Bilderbuch zu machen und die Bilder am iPad selbst zu zeichnen», so der Plan. Das Ergebnis von Tamaras überaus engagiertem Einsatz über Monate ist nun ein entzückendes Kinderbuch, das sich um die Abenteuer ihrer Katzen Loki und Nila dreht; allein für die Erstellung der Zeichnungen hat sie ungefähr sechzig Stunden investiert. Eine Dokumentation hält den Entstehungsprozess des Buches fest.

«Der Eindruck der Person ist ausschlaggebend»

Auch für Irene Wyss, Tamara Sperdutos Berufsbildnerin bei der Käser Druck AG, zeigt der Weg der bald ausgelernten Medientechnologin beispielhaft, mit welch spannendem Berufsbild man es hier zu tun hat. «In meiner Ausbildungszeit hiess es noch Reprografin, die dazwischenliegende Zeitspanne und die technische Entwicklung haben das Berufsbild sehr verändert», erklärt sie. Während man früher noch viel mit analogen Vorlagen gearbeitet habe, laufe heute meist alles auf digitalem Weg. Zur Frage der Voraussetzungen für den Beruf hat sie Folgendes zu sagen: «Es gibt bei uns keine fixen Vorgaben bezüglich Schulstufe. Von Verbandsseite wird Stufe A empfohlen, der Beruf ist aber so vielfältig, dass vor allem der Eindruck der Person selbst ausschlaggebend ist.»

Neben spezifischen Talenten wie technischem Geschick, Vorstellungsvermögen und mathematischem Flair zählten etwa auch das Auftreten, die Umgangsformen sowie die körperliche Belastbarkeit. Dass Fachleute dieser Sparte trotz aller Digitalisierung gefragt sind und es weiterhin sein werden, sieht man gemäss den Firmeneigentümern Stephan und Daniel Käser an den Stelleninseraten im Internet. «Das Haptische hat immer noch viel Zukunft, es ist beständiger und von einer Wertigkeit, die das oft flüchtige Digitale nicht bieten kann», bringt es Stephan Käser auf den Punkt, und sein Bruder Daniel ergänzt, die Forschung zeige, dass auf Papier Gelesenes viel länger im Kopf gespeichert bleibe als Bildschirminhalte.

 

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