Von der Mutterschaft zur Selbstständigkeit

Drei Mütter bauen kreative Unternehmen rund um das Familienleben auf

Yulia Schweizer führt das Unternehmen Yurifant.

Yulia Schweizer führt das Unternehmen Yurifant.

Laura Herter verbindet künstlerische Praxis mit strategischer Beratung.

Laura Herter verbindet künstlerische Praxis mit strategischer Beratung.

Jannick Bolle führt heute das Atelier Bolle. (Bilder Deviprasad Rao)

Jannick Bolle führt heute das Atelier Bolle. (Bilder Deviprasad Rao)

Die Vereinbarkeit von Beruf und Mutterschaft ist heute keine Seltenheit mehr. Seltener sind jedoch Frauen, die auf diese Herausforderung mit einem eigenen Unternehmen reagieren – insbesondere mit einem, das auf Kreativität basiert. In Stallikon haben sich Jannick Bolle, Yulia Schweizer und Laura Herter für genau diesen Weg entschieden. Ihre Tätigkeiten unterscheiden sich, doch alle drei verbinden Unternehmertum mit Fürsorgearbeit und kreativer Praxis.

Von der Radiologie zum individuellen Design

Jannick Bolle, 33, begann ihren beruflichen Weg im medizinischen Bereich. Nach der Schulzeit absolvierte sie eine Lehre als Medizinische Praxisassistentin. Nach einem Unfall und einer anschliessenden MRI-Untersuchung entdeckte sie ihr Interesse an der Radiologie, was sie zu einer weiteren Ausbildung und später in die Nuklearmedizin am Universitätsspital Zürich führte. Parallel dazu blieben Zeichnen und kreatives Arbeiten ein fester Teil ihres Lebens.

Heute führt sie das Atelier Bolle, mit dem sie ihre künstlerischen Fähigkeiten in eine wachsende selbstständige Tätigkeit eingebracht hat. Was mit digital von Hand gezeichneten Karten und Postkarten begann, entwickelte sich zu einem kreativen Angebot mit persönlicher Handschrift. Mit Plottern und Lasercuttern gestaltet und produziert sie personalisierte Produkte, oft aus Holz und auf Basis eigener Illustrationen. Verkauft werden diese an Märkten, über lokale Kioske und direkt an Privatkundschaft. Zudem präsentiert sie ihre Arbeiten an ausgewählten Märkten und berät lokale Institutionen bei kreativen Dekorations- und Präsentationslösungen. «Ich möchte keine Produkte von der Stange machen», sagt sie.

Vieles hat sich Jannick durch Bücher, Online-Tutorials und eigenes Experimentieren selbst angeeignet. Gleichzeitig arbeitet sie weiterhin zu 40 Prozent als Fachfrau für medizinisch-technische Radiologie. Die Balance zwischen Anstellung, Selbstständigkeit und Familie verlangt Disziplin. Als Mutter von vierjährigen Zwillingsmädchen ist ihr die Familienzeit besonders wichtig. Die verschiedenen Rollen als Mutter, Medizinische Radiologiefachfrau und Unternehmerin empfindet sie nicht als Widerspruch, sondern als Quelle von Kraft und Motivation.

Nähen mit Sorgfalt und eigener Handschrift

Yulia Schweizer, 36, stammt ursprünglich aus Russland und lebt seit 22 Jahren in der Schweiz. Nach vielen Jahren in der Kinderbetreuung begann sie nach der Geburt ihres Sohnes Yuri intensiver zu nähen. Daraus entstand das Label Yurifant, ein Name, der sich aus dem Namen ihres Sohnes und den vielen Elefantengeschenken zur Geburt ableitet.

Was zunächst als Nähen für das eigene Kind begann, verbreitete sich rasch über Mundpropaganda. Erste Bestellungen folgten, und aus dem Hobby wurde schrittweise ein kleines Geschäft. Yulia brachte sich das Handwerk weitgehend selbst bei und mit Youtube-Videos, Büchern, Schnittmustern und viel Ausprobieren. Später besuchte sie zwar einen Nähkurs, doch vieles hatte sie sich bereits zuvor angeeignet.

Ihr Sortiment umfasst Geschenksets für Neugeborene, Decken, Lätzchen, Wärmekissen, Kinderkleidung, Mützen, Schuhe sowie einzelne Accessoires für Erwachsene. Qualität spielt dabei eine zentrale Rolle. Sie verwendet Biostoffe aus Europa, bereitet jedes Material sorgfältig vor und verpackt die fertigen Produkte mit grosser Sorgfalt. «Wenn Kundinnen und Kunden ein Paket öffnen, soll es sauber sein, frisch riechen und sich wie ein richtiges Geschenk anfühlen», sagt sie. Auch sie arbeitet weiterhin zu 40 Prozent in der Kinderbetreuung. Langfristig möchte sie einen Onlineshop aufbauen und Yurifant weiterentwickeln.

Strategie, Kunst und Familienalltag vereinen

Laura Herter, 35, verbindet künstlerische Ausbildung, betriebswirtschaftliches Wissen und Beratungsarbeit. Nach einem Gymnasium mit musischem Schwerpunkt entschied sie sich zunächst für die Hotelfachschule in Zürich. Später arbeitete sie in der Hotellerie und im Detailhandel, bevor sie zur Kunst zurückkehrte und bildende Kunst an der Zürcher Hochschule der Künste studierte. Dabei entdeckte sie die Zeichnung und insbesondere den Bleistift als zentrales Medium für sich.

Heute führt sie gemeinsam mit ihrem Mann eine eigene GmbH, über die ihre selbstständige Tätigkeit organisiert ist. Unter dem Namen Laura Herter Studio verbindet sie ihre künstlerische Praxis mit strategischer Beratungsarbeit. Sie unterstützt selbstständige Frauen bei der Entwicklung ihrer Marke, in Fragen der Positionierung sowie in der visuellen Kommunikation und im Umgang mit digitalen Kanälen. Gleichzeitig entstehen ihre eigenen künstlerischen Arbeiten, die sie ebenfalls über Laura Herter Studio präsentiert und verkauft.

Laura verbindet ihre Selbstständigkeit direkt mit der Mutterschaft. Sie ist Mutter zweier Töchter im Alter von sechs und einem Jahr. Nach der Geburt ihrer ersten Tochter begann sie, ihre Vorstellungen von Arbeit, Zeit und Prioritäten neu zu überdenken. Nach der Geburt ihrer zweiten Tochter im Jahr 2025 entschieden sie und ihr Mann gemeinsam, dass sie den Schritt in die vollständige Selbstständigkeit wagt. «Fürsorge ist kein Nebenaspekt, sondern ein zentrales Lebensprinzip», sagt sie.

Wenn Mutterschaft neue Wege eröffnet

Die Geschichten von diesen drei Müttern unterscheiden sich in Inhalt und Umfang, zeigen aber ein gemeinsames Muster: In allen drei Fällen wurde Mutterschaft nicht zum Endpunkt beruflicher Ambitionen, sondern zu einem Wendepunkt. Ihre Unternehmen sind keine beiläufigen Nebenbeschäftigungen, sondern sorgfältig aufgebaute Formen der Selbstständigkeit – getragen von Können, Ausdauer und klaren Prioritäten. Gleichzeitig verfolgen alle drei eine klare Vision, ihre Arbeit in Zukunft weiter auszubauen.

 

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