«Für das ganze Gewerbe im Bezirk»
Trotz mancher Herausforderungen versteht sich der KGVBA als Dachorganisation für das Gewerbe im Bezirk

Der KMU- und Gewerbeverband Bezirk Affoltern – kurz KGVBA – ist die übergeordnete Instanz der lokalen Gewerbevereine. Seine zentrale Aufgabe besteht darin, übergreifende Themen aufzugreifen und zu bearbeiten sowie den Informationsfluss zwischen den einzelnen Vereinen und dem kantonalen Verband, dem KMU- und Gewerbeverband Kanton Zürich (KGV), sicherzustellen.
Damit fungiert der KGVBA als Bindeglied: Er sammelt Anliegen aus den Gemeinden, bündelt sie und vertritt sie gegenüber dem Kanton. Gleichzeitig trägt er kantonale Informationen und Positionen in die Region zurück.
Langjähriges Engagement für das lokale Gewerbe
Präsident des KGVBA ist Thomas Frick, Inhaber von «Frickarchitektur» in Hausen. Thomas Frick ist Architekt FH. Bevor er sich 1998 selbstständig machte, baute er als Projektleiter genossenschaftliche Grossbauten in Zürich. Geboren und aufgewachsen in Affoltern, ist Frick der Region schon von klein auf verbunden.
Im Gewerbeverein Oberamt ist Frick seit 2001 Mitglied, davon vierzehn Jahre im Vorstand, acht Jahre als Präsident und sechs Jahre als Beisitzer. Auch im Organisationskomitee für die Gewerbeschau Oberamt ist er bereits seit 2001.
Die Anfänge des Bezirksverbandes
Historisch spielte der Bezirksverband eine prägende Rolle in der Interessenvertretung des Gewerbes. «Der Bezirk hat die Veranstaltungen wie die Gewerbeausstellungen organisiert, die lokalen Vereine sind miteinander ein Bier trinken gegangen», bringt Thomas Frick die Vergangenheit auf den Punkt.
Der Verband kann auf eine lange Geschichte zurückblicken: Gegründet wurde er 1854 in Mettmenstetten – «wahrscheinlich, um eine der ältesten Gewerbeschulen der Schweiz zu betreiben», so Frick. Mit der Zeit und der Übernahme der Berufsbildung durch die öffentliche Hand veränderte sich jedoch seine Funktion grundlegend.
Vom Bildungsträger zur Interessenvertretung
Im Laufe der Jahrzehnte entwickelte sich der KGVBA zunehmend zu einem Kommunikationskanal in Richtung Kanton. Sowohl der schweizerische als auch der kantonale Gewerbeverband verstehen sich als politische Vertretung des Gewerbes. In diesem Gefüge übernimmt der Bezirksverband die Rolle des verlängerten Arms des KGV.
Konkret bedeutet das: Politische Einflussnahme – etwa durch die Organisation von Podiumsdiskussionen, die Erstellung von Informationsmaterial, das Verfassen von Argumentarien oder Leserbriefen – lässt sich auf lokaler Ebene oft nur schwer leisten. Hier kann die Bezirksorganisation koordinieren, unterstützen und Kräfte bündeln.
Zwischen Anspruch und Realität
Soweit die Theorie. In der Praxis gestaltet sich die Umsetzung für Thomas Frick und den KGVBA nicht immer einfach. Denn die Interessen des Gewerbes sind nicht immer so homogen, wie es auf kantonaler Ebene mitunter angenommen wird.
«Ein dogmatisches Überstülpen politischer Vorlagen widerspricht dem Naturell eines Unternehmers», sagt Frick. Und er ergänzt: «Ein kritikloses Weiterleiten von PR-Material oder Wahlempfehlungen fällt am Ende auf mich zurück.»
Der KGVBA bewegt sich damit in einem Spannungsfeld: Er will das Gewerbe des gesamten Bezirks vertreten – muss dabei jedoch unterschiedliche Haltungen, Brancheninteressen und unternehmerische Eigenständigkeit unter einen Hut bringen.
Die Organisation des Bezirksverbandes
Die Haltungen der Vereine bekommt Thomas Frick besonders durch seinen eigenen Vorstand gespiegelt. Traditionell setzt sich der Vorstand des KGVBA nämlich aus den Präsidenten der lokalen Gewerbevereine zusammen. Seit 2023 sind das allerdings zu Fricks Bedauern nur noch die Präsidenten der Gewerbevereine Oberamt, Obfelden und Affoltern mit zusammen ungefähr 330 Mitgliedern. Würden sich auch die Vereine Ottenbach, Mettmenstetten/Kronau/Maschwanden und Unteramt wieder anschliessen, würde die Bezirksorganisation immerhin 770 Mitglieder vertreten.
Vorangegangen waren diesen Austritten Streitereien über die Wertschöpfung der Bezirksorganisation unter dem damaligen Präsidenten Olivier Hofmann. Ein Antrag auf Auflösung konnte abgewehrt werden, aber aus Protest sind dann die genannten lokalen Vereine ausgetreten. Thomas Frick, der bereits von 2011 bis 2013 Präsident des KGVBA war, erklärte sich aber bereit, in der schwierigen Situation den Vorsitz noch einmal zu übernehmen. Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass der Vorstand ihn unterstützt und dass das Projekt «Ämtler-Bon» umgesetzt wird.
Der Ämtler-Bon als verbindendes Projekt
Der Ende 2022 lancierte Ämtler-Bon, ein digitales Gutscheinsystem, hat das Potenzial, die Ämtlerwährung zu werden und damit das lokale Gewerbe anzukurbeln. Ausserdem erhofft sich Thomas Frick, dass über den zunehmenden Erfolg des Projektes vielleicht auch die «abtrünnigen» Gewerbevereine sich wieder der Bezirksorganisation anschliessen.
Allerdings wurde jetzt nach einigen Jahren auch klar, dass die Verbreitung des Ämtler-Bons viel Überzeugungsaufwand bei Käufern, vorwiegend Gemeindeverwaltungen und anderen öffentlichen Einrichtungen, und dem entgegennehmenden Gewerbe braucht. Um diese Arbeit noch besser leisten zu können, gestaltete Thomas Frick im letzten Jahr die Organisation des KGVBA um. Neu gibt es die Präsidentenkonferenz, die, zusammengesetzt aus den Präsidenten der lokalen Vereine, wie ein Verwaltungsrat funktioniert. Und zusätzlich einen operativ tätigen Vorstand, dem neben Thomas Frick Claudio Rütimann, Drogist in Hausen, Barbara Roth-Herzig, Leiterin des «Affolter Anzeiger», und Tim Steffen vom Restaurant Spycher in Mettmenstetten angehören.
Ressourcen bündeln für den Standort
Neben dem Ämtler-Bon, der einen grossen Teil der Ressourcen des KGVBA verbraucht, greift der Verband aber auch weiterhin aktiv übergreifende Themen auf. Hier setzt der KGVBA allerdings auf Synergien mit ähnlichen Verbänden. So vergibt er jährlich zusammen mit dem «Lehrstellenforum», der «Standortförderung Knonauer Amt» und dem «Arbeitgeberverband» Lehrlingspreise an die erfolgreichsten Lehrlinge des Bezirks. Auch bei der Organisation von Veranstaltungen tut sich der KGVBA gerne mit dem «Arbeitgeberverband» und der «Standortförderung Knonauer Amt» zusammen, so wie im März mit einem Vortrag zum Thema Burn-out-Prävention und psychische Gesundheit. Alle Initiativen teilen die gleiche Zielgruppe, und da macht es Sinn, Ressourcen zu bündeln.
In dieser Serie berichtete der «Anzeiger» über die sechs Gewerbevereine (Affoltern, Oberamt, Unteramt, Ottenbach, Obfelden und MKM) im Säuliamt. Mit diesem letzten Bericht über den Bezirksverband KGVBA endet die Serie. (red)


