«Genial lokal»: Wie der Gewerbeverein Unteramt Vielfalt verbindet

Seit über 40 Jahren bringt der Verein Unternehmen aus Bonstetten, Stallikon und Wettswil zusammen

Hans-Ruedi Widmer, Präsident GVU, in seinem Büro. (Bild Brigitte Reemts Flum)

Hans-Ruedi Widmer, Präsident GVU, in seinem Büro. (Bild Brigitte Reemts Flum)

Notiz im «Affolter Anzeiger» zur Gründung des Gewerbevereins Unteramt. (Bild zvg)

Notiz im «Affolter Anzeiger» zur Gründung des Gewerbevereins Unteramt. (Bild zvg)

Der Gewerbeverein Unteramt wurde am 21. März 1975 in Wettswil gegründet. Ihm gehören Unternehmen aus den Gemeinden Bonstetten, Stallikon und Wettswil an. Als Vereinszweck wurde damals die «Förderung ihrer gemeinsamen Interessen» festgehalten und ebenso sollten «die Zusammengehörigkeit und die Pflege freundschaftlicher Beziehungen unter den Vereinsmitgliedern gefördert werden». Schon damals war die Gründung dem «Anzeiger» eine Notiz wert (siehe Bild) – ein Hinweis darauf, welche Bedeutung lokale Netzwerke für das Gewerbe hatten und bis heute haben.

Doch gemeinsame Interessen entstehen nicht von selbst. Mittlerweile besteht der Verein aus Mitgliedern mit sehr unterschiedlichen Branchen, Betriebsgrössen und Geschäftsmodellen, und da ist es anspruchsvoll, verbindende Themen zu finden.

Ein Blick auf die Mitgliederliste zeigt eine beeindruckende Vielfalt – von Handwerksbetrieben bis zu allen Arten von Dienstleistungen. Um dieser Vielfalt gerecht zu werden, möchte der amtierende Präsident Hans-Ruedi Widmer sich auch politisch nicht festlegen, sondern formuliert es pragmatisch: «Wir haben keine politische Ausrichtung, sondern sind einfach für das Gewerbe da.»

Engagement aus Überzeugung

Hans-Ruedi Widmer selbst verkörpert diesen unternehmerischen Geist, ohne ein klassischer «Gewerbler» zu sein. Seit 1986 ist er mit seiner eigenen Beratungsfirma im Bereich Qualitäts- und Managementsysteme tätig, heute altersbedingt in reduziertem Pensum. Der gelernte Maschinenbauingenieur begann seine Karriere bei IBM, wechselte später zur Hilti-Gruppe und schliesslich zu Hilti Schweiz, wo er die Einführung der ISO-Normen verantwortete. Aus dieser Erfahrung entstand die Idee, Unternehmen selbstständig bei der Implementierung von Qualitätsmanagementsystemen zu begleiten.

Seit rund 15 Jahren ist Widmer Mitglied im Gewerbeverein, seit mehr als einem Jahrzehnt Präsident. Seine Motivation ist ebenso einfach wie überzeugend: «Ich führe ein Gewerbe, also muss ich da dabei sein.» Dass er schliesslich auch das Präsidium übernahm, entspricht seinem Charakter: «Wenn ich mich engagiere, dann bestimme ich auch gerne mit.» Er wird unterstützt vom vierköpfigen Vorstand, der durch den kürzlichen Beitritt von Lars Küng, Inhaber von Guggenbühl Gartenbau AG, eine zukunftsweisende Verjüngung erfahren hat.

Stabile Zahlen, lebendiges Netzwerk

Der Verein zählt rund 100 Mitglieder, eine Zahl, die über Jahre hinweg erstaunlich stabil geblieben ist. Abgänge durch Geschäftsaufgaben oder Ortswechsel werden meist durch neue Unternehmen kompensiert. Um die Akquisition zu fördern, erhalten Mitglieder eine Prämie von 100 Franken für erfolgreiche Neuzugänge. Ein kleiner, aber offenbar wirksamer Anreiz.

Der Jahresbeitrag von 210 Franken fliesst grösstenteils direkt wieder in Aktivitäten für die Mitglieder zurück. Ein Teil geht an den KMU- und Gewerbeverband Kanton Zürich (KGV). Im Bezirksverband hingegen ist der Verein seit einigen Jahren nicht mehr vertreten.

Nähe zur Stadt

Die Gemeinden des Unteramts liegen in unmittelbarer Nähe zu Zürich. In der Stadt gibt es ein grosses Angebot an Weiterbildungen, Fachveranstaltungen und Netzwerkanlässen. Dadurch haben sich die Erwartungen verändert: Formate wie klassische Gewerbeschauen lassen sich kaum mehr wirtschaftlich organisieren.

Früher fanden solche Ausstellungen beispielsweise auf dem Dorfplatz Bonstetten oder in der Mehrzweckhalle Wettswil statt. Doch bei der letzten Interessenabklärung meldeten sich nur noch etwa fünfundzwanzig Betriebe für einen Stand an, zu wenig für einen tragfähigen Anlass. Widmer sieht die Gründe sowohl in der Nähe zu Zürich als auch in der Branchenvielfalt der Mitglieder, die unterschiedliche Bedürfnisse haben.

Grosse Beteiligung bei Veranstaltungen

Was hingegen hervorragend funktioniert, sind Veranstaltungen mit persönlichem Austausch und geselligem Charakter. Besonders deutlich zeigt sich das bei der Generalversammlung, zu der an die fünfzig Teilnehmende kommen. Das mag auch am bewusst gestalteten Rahmen mit Apéro riche zum Auftakt, eher kurzen formellen Teil und anschliessenden geselligen Zusammensein liegen.

Auch während des Jahres setzt der Verein auf Begegnung statt Formalität. Beliebt sind die «After-work-Apéros», die jeweils bei einem Mitgliedsbetrieb stattfinden. Diese Anlässe bieten nicht nur Networking, sondern auch Einblicke in Unternehmen vor Ort. So besuchte der Verein die AMAG oder die Kyburz Feinmechanik AG, beide in Wettswil. In der Kunstschmiede von Oski Hedinger konnten Teilnehmende selbst Hand anlegen und das Schmiedehandwerk ausprobieren.

Neben Betriebsbesichtigungen gehören auch kulturelle Ausflüge zum Programm. Widmer erinnert sich in den letzten Jahren an eine Nachtwächter-Führung durch die Zürcher Altstadt, an einen Besuch im Kriminalmuseum Zürich oder im Landesmuseum Affoltern.

Traditionelle Fixpunkte strukturieren das Vereinsjahr: der Dreikönigs-Apéro im Januar, ein Grillanlass im Sommer in der Waldhütte Bonstetten sowie ein Racletteabend im Herbst sorgen für Kontinuität. Und passen sehr gut zum Motto des Gewerbevereins Unteramt: «Genial lokal».

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