Handwerk mit Weitsicht in Wettswil

Reto Bernhards 30 Jahre unternehmerische Beständigkeit

Reto Bernhard (rechts) übergibt die Firma Ende Jahr an Lorenz Müller. (Bild Rao Deviprasad)
Reto Bernhard (rechts) übergibt die Firma Ende Jahr an Lorenz Müller. (Bild Rao Deviprasad)

Wenn Reto Bernhard über seine Arbeit spricht, zitiert er oft ein zeitloses Sprichwort: «Handwerk hat goldenen Boden.» In einer Ära der rasanten Digitalisierung bleibt Reto ein unerschütterlicher Verfechter des Greifbaren. Seit fast 30 Jahren ist sein Unternehmen, die W. R. Bernhard Wettswil AG, eine feste Grösse im Säuliamt. Er hat bewiesen, dass nachhaltiger Erfolg auf Vertrauen und einem ehrlichen Handschlag basiert. Die Region Säuliamt sah viele Firmen kommen und gehen, doch sein Betrieb blieb ein konstantes Symbol für Zuverlässigkeit und Hingabe.

In der kompetitiven Welt der Sanitär- und Heizungsanlagen ist Langlebigkeit kein Zufall, sondern das Ergebnis einer klaren Strategie. Retos Ansatz ist geprägt von einer Mischung aus traditioneller Handwerkskunst und modernem Management. Er navigierte den Markt mit ruhiger Hand und stellte sicher, dass sein Unternehmen technologisch einen Schritt voraus bleibt, ohne die persönliche Note zu verlieren. Heute steht die Firma als Beispiel dafür, wie ein spezialisierter Betrieb zu einem regionalen Marktführer heranwächst, indem er seinen Grundwerten – Qualität und Menschlichkeit – treu bleibt.

Die Präzision der «Berglogik»

Retos Arbeitsethik wurde in der rauen Landschaft Graubündens geschmiedet. In Chur geboren, lernte er früh, dass Planung kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit war. In den Bergen bedeutete die Distanz zwischen Baustelle und Lieferant, dass Fehler kostspielig waren. Fehlte Material, gab es keinen schnellen Lieferservice. «Man musste genau darüber nachdenken, was man tun wollte und was man dazu benötigte, bevor man aufbrach», erinnert sich Reto. Diese fundamentale Disziplin begleitete ihn 1989 bei seinem Wechsel ins Unterland, wo er diese Prinzipien konsequent weiterführte.

Diese «Berglogik» wurde zum Eckpfeiler seiner Geschäftsphilosophie. Indem er dieselbe rigorose Vorbereitung auf lokale Projekte anwandte, die er bei alpinen Installationen perfektioniert hatte, bot Reto eine Effizienz, die seinen Betrieb abhob. So war der Übergang ins Säuliamt eine Reise der Anpassung, bei der er seine frühen Erfahrungen nutzte, um eine Kultur der Einsatzbereitschaft und Präzision zu etablieren.

Vom Lehrling zum Unternehmer

Retos Weg zeichnete sich bereits in der Sekundarschule ab. Trotz Vorbehalten seiner Eltern verfolgte er zielstrebig eine Lehre als Sanitärinstallateur, gefolgt von der Ausbildung zum Sanitärplaner. Sein Werdegang zeugt von der Kraft ständiger Weiterbildung; er meisterte alles von der Gassicherheit bis zu Elektroanschlussbewilligungen. «Es hält einen geistig fit», sagt er und ermutigt junge Menschen, das Handwerk als Feld voller Möglichkeiten zu sehen. 1993 wagte er den Sprung in die Selbstständigkeit – aus «absoluter Überzeugung».

Die ersten Jahre waren hart: Die Zinsen waren hoch und die Wirtschaft erholte sich gerade von einer Rezession. Reto lernte, um jeden Franken zu kämpfen und sein Inventar organisch aufzubauen, um Schulden zu vermeiden. «Schaue, dass du hast, bevor du sollst», rät er – eine Philosophie der finanziellen Besonnenheit, die es seinem Betrieb ermöglichte, zu einem Team von zehn Spezialisten heranzuwachsen. Dieser konservative Ansatz bot die nötige Stabilität, um wirtschaftliche Schwankungen unbeschadet zu überstehen. Durch stetiges Wachstum schuf Reto ein Unternehmen, das ebenso widerstandsfähig wie angesehen ist. Ein Merkmal der Firma ist das «Hallöchen» – ein fröhlicher Gruss, der zum Markenzeichen wurde. Was als Logo-Idee mit einer winkenden Waschmaschine begann, entwickelte sich zur Mission, den Alltag aufzuhellen. «Heutzutage tut ein Lachen jedem gut, weil das Leben so hektisch ist», erklärt Reto. Diese menschliche Note wird durch ein Bekenntnis zu professionellen Standards ergänzt. Während er dem Aufwand einer ISO-Zertifizierung anfangs skeptisch gegenüberstand, ist Reto heute ein Verfechter derselben. Die Zertifizierungen nach ISO 9001 und 14001 haben die Prozesse im Betrieb optimiert.

Obwohl das Unternehmen das digitale Zeitalter voll angenommen hat, bleibt der Kern persönlich. Reto ist stolz auf die «familiäre» Atmosphäre. Mit zehn Mitarbeitenden bleibt der Betrieb überschaubar und eng vernetzt, was es dem Team ermöglicht, komplexe Probleme gemeinsam zu lösen. Diese Struktur sorgt dafür, dass alle Mitarbeitenden motiviert sind, erfolgreich zu sein.

Stabwechsel und Ausblick

Angesichts des 30-jährigen Jubiläums blickt Reto mit Stolz in die Zukunft. Er hat frühzeitig einen Nachfolger in Lorenz Müller gesichert – eine Entscheidung, die er als eine seiner besten bezeichnet. Müller, der seit sechs Jahren an Retos Seite arbeitet, sieht diese Zeit als «unschätzbare Lernzeit». Müller betont: «Seine klaren Ziele, seine Effizienz und seine Fähigkeit, ständig neue Ideen zu entwickeln, beeindrucken mich täglich. Dieses Jubiläum steht für aussergewöhnliches Engagement.» Reto übergibt die Firma Ende 2026 in bewährte Hände.

«Ich habe absolut keine Bedenken wegen der nächsten 30 Jahre», sagt Reto mit einem Lächeln. Während er sich auf ein neues Kapitel vorbereitet, in dem er mehr Zeit mit seiner Frau Iris verbringen möchte, hinterlässt er einen klaren Plan für Erfolg: hart arbeiten, vorausschauend planen und dem Kunden immer ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Das Vermächtnis der Firma liegt nicht nur in ihren Produkten und Dienstleistungen, sondern auch in der Motivation für hohen Qualitäts- und Leistungsstandard der «Hallööchen’s», der die Arbeit der nächsten Generation prägen wird. Für Reto ist dieser Weg ein Beweis dafür: Wenn man auf «einem soliden Fundament» baut, hat das auch Bestand.

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