Hier sind Eltern, Tochter und Sohn gemeinsam herzliche Gastgeber

Das Ausflugsrestaurant auf der Felsenegg ist ein Hort der Gastlichkeit und bietet eine sensationelle Aussicht

Raphael Horst arbeitet Teilzeit auf der Felsenegg, Annemarie Horst bringt Österreicher Charme ins Familienunternehmen. Enkelin Leia und Tochter Tamara lieben es, im Dirndl «Alpenmode» zu präsentieren (von links). (Bilder Regula Zellweger)

Raphael Horst arbeitet Teilzeit auf der Felsenegg, Annemarie Horst bringt Österreicher Charme ins Familienunternehmen. Enkelin Leia und Tochter Tamara lieben es, im Dirndl «Alpenmode» zu präsentieren (von links). (Bilder Regula Zellweger)

Das Gasthaus auf der Felsenegg könnte seit Ende des vorletzten Jahrhunderts wahrscheinlich viele Geschichten erzählen.

Das Gasthaus auf der Felsenegg könnte seit Ende des vorletzten Jahrhunderts wahrscheinlich viele Geschichten erzählen.

Die Felsenegg ist bei Wanderern und Bikern für einen Zwischenhalt beliebt.

Die Felsenegg ist bei Wanderern und Bikern für einen Zwischenhalt beliebt.

Das Restaurant Felsenegg war in marodem Zustand, als es Annemarie und Fritz Horst 2003 – in ihrer Lebensmitte – mutig von der Denner AG erwarben. Eigentlich hätte auch noch die Seilbahn Adliswil–Felsenegg dazugehört. Doch dieses Risiko war dem Paar zu hoch. Es lebte damals in Obfelden, die Kinder Tamara und Raphael waren flügge und beruflich bereits gut unterwegs. Der Sohn absolvierte eine Lehre als Galvaniker, heute Oberflächenbeschichter EFZ, und die Tochter war in der Lehre zur Kauffrau EFZ in der IT-Branche.

Die richtige Einstellung

Der gelernte Koch Fritz Horst und seine Frau, gelernte Kindergärtnerin, hatten bereits ein Hotel mit Restaurant in Ennetbürgen geführt. In der Zeit als Eltern in Obfelden waren sie anderen Tätigkeiten nachgegangen. Sie wussten genau, worauf sie sich einliessen, als sie sich für das Berggasthaus Felsenegg, das zur Gemeinde Stallikon gehört, entschieden. Und sie brachten die richtige Einstellung mit: «Wir machen möglichst viel selbst.» Seither sind ihre Arbeitstage entsprechend lang und intensiv.

Engagierte Familie

Fritz Horst behielt seinen Job bei der Winterthur noch eine Weile, um das Familieneinkommen zu sichern. Die ganze Familie half beim Renovieren mit. Tochter Tamara wohnte auf der Felsenegg und absolvierte ihre Lehre auf der anderen Stadtseite bei HP – ein aufwendiger Arbeitsweg. Und abends und an den Wochenenden half sie mit, das Restaurant umzubauen und neu zu möblieren. Die begeisterte Wintersportlerin verbrachte einige Saisons in touristischen Orten in der Schweiz und in den USA – und arbeitete daneben immer wieder auf der Felsenegg. Hier lernte sie einen Australier, ihren späteren Mann und Vater der gemeinsamen Tochter Leia, kennen. Die Familie wohnt heute in Birmensdorf, ihr Mann ist in der IT tätig.

Auch Sohn Raphael zog es beruflich in die IT. Er bildete sich kontinuierlich weiter und schloss 2016 als Wirtschaftsinformatiker HF ab. Er arbeitete bei SR Technics am Flughafen – die Technikbegeisterung ist geblieben, auch wenn er sich heute in Teilzeit im elterlichen Betrieb engagiert. Hauptberuflich ist er als Senior IT-Projektmanager mit MAS in Wirtschaftsinformatik tätig.

Die ganze Familie ist der Felsenegg emotional eng verbunden. «Wir sind uns nicht zu schade, alle Aufgaben zu übernehmen», sagt Tamara und ergänzt lachend: «Letzte Woche habe ich die Toilette entstopft.» Annemarie Horst fügt an: «Was der Chef von den Mitarbeitenden verlangt, soll er auch selbst tun.» Auch die kleine Leia ist gern auf der Felsenegg – Annemarie Horst liebt ihr Enkelkind über alles.

Vielfältige Angebote

«Es darf ruhig so bleiben, wie es ist», sagt Tamara, und Raphael nickt zustimmend. Die Liegenschaft mit grossem Umschwung und das Restaurant gehören den Eltern, während die jüngere Generation tatkräftig mitarbeitet. Irgendwann wird sich die Nachfolgefrage stellen – doch aktuell besteht kein Zeitdruck.

Man kann sich vorstellen, was an Infrastruktur und Personalplanung notwendig ist: Das Restaurant bietet im Innen- und Aussenbereich Platz für rund 250 Personen. Zudem stehen Seminarräume zur Verfügung. An schönen Tagen platzt das Restaurant beinahe aus allen Nähten: Im Sommer werden zwischen 12 und 17 Uhr rund 350 Mahlzeiten serviert. Das Restaurant ist an 365 Tagen im Jahr geöffnet. Besonders im Winter zieht es viele Gäste für ein Fondue auf die Felsenegg. Annemarie Horst weiss: «Wir brauchen jährlich rund drei Tonnen klassische Fonduemischung.»

Sie bringt sowohl ihren österreichischen Charme als auch Spezialitäten wie Apfelstrudel und Kaiserschmarrn auf die Felsenegg. «Nein, Wiener Schnitzel gibt es nicht – die schmecken nur frisch paniert, und das ist bei diesen Mengen nicht realisierbar.» Die Qualität der Speisen liegt beiden Generationen am Herzen.

Lange Tradition

Die Gastronomie auf der Felsenegg hat eine lange Tradition: Bereits 1889 begann hier die Geschichte des Gastgewerbes. Schon damals erkannte man die einzigartige Aussicht über den Zürichsee bis in die Alpen. Mit dem Bau der Seilbahn Adliswil–Felsenegg wurde das Gasthaus bequem erreichbar.

Der Hotelbetrieb mit 21 Betten wurde 1977 eingestellt. Heute bewohnen Mitarbeitende sowie Fritz Horst die Räumlichkeiten über dem Seminarraum im ersten Stock.

Die Familie Horst ist stolz auf ihren wirtschaftlich erfolgreichen Betrieb. Gewinne werden konsequent reinvestiert, etwa in einen attraktiven Kinderspielplatz oder den Anbau eines Balkons am Seminarraum.

Annemarie Horst liebt es, das Restaurant saisonal opulent zu dekorieren. Im Winter lassen sich rund 300 Schneemänner zählen. Zudem spielte sie gemeinsam mit Walter Ess aus Stallikon Alphorn – zur Freude von Gästen aus aller Welt.

Gern trägt sie Blusen im Schweizer Bauernlook mit Edelweissmotiv. Ihre Tochter und die kleine Leia bevorzugen Dirndl, und auch die Mitarbeitenden bedienen gelegentlich in österreichischer Tracht. «Es wird einfach als Alpenmode wahrgenommen», erklärt Annemarie Horst diplomatisch. Von Frühling bis Herbst schmücken reich bepflanzte Blumentöpfe die Terrasse. Täglich um 16 Uhr treffen jeweils 10 bis 80 Personen der Stadtrundfahrt Zürich für eine Kurzpause auf der Felsenegg ein. Auch nach der letzten regulären Fahrt bringt die Seilbahn Gästegruppen – etwa Firmen oder Vereine – bei Bedarf ins Sihltal. Die Zufahrt zur Felsenegg ist ausschliesslich Fahrzeugen von Mitarbeitenden und Zulieferern erlaubt. Das Personalmanagement stellt hohe Anforderungen: Beschäftigt werden auch Studierende, die oft nur kurzfristig verfügbar sind; zudem braucht es flexible Springerinnen, die bei schönem Wetter spontan im Service oder in der Küche einspringen. Annemarie Horst betont: «Wir bezahlen gute Löhne – unsere Mitarbeitenden verdienen das auch. Entscheidend ist ihre Dienstleistungsorientierung. Zufriedene Gäste kommen wieder und empfehlen die Felsenegg weiter.»

Viele Gäste verbinden den Besuch mit einer Wanderung oder Bike-Tour. Die rund 20 Kilometer lange Albiskette ist ein beliebtes Ausflugsgebiet – vom Uetliberg über Felsenegg und Buchenegg bis hin zum Albis, Schnebelhorn und weiter über Schweikhof bis nach Hausen.

Weitere Artikel zu «Gewerbe», die sie interessieren könnten

Hans-Ruedi Widmer, Präsident GVU, in seinem Büro. (Bild Brigitte Reemts Flum)
Gewerbe13.04.2026

«Genial lokal»: Wie der Gewerbeverein Unteramt Vielfalt verbindet

Seit über 40 Jahren bringt der Verein Unternehmen aus Bonstetten, Stallikon und Wettswil zusammen
Wohngebäude in Hausen: Hier sowie in Affoltern und Hedingen kann man sich laut der UBS mit einem durchschnittlichen Einkommen nur eine qualitativ hochwertige Eigentumswohnung bis 60 Quadratmeter leisten. (Bild Daniel Vaia)
Gewerbe31.03.2026

Wohneigentum immer weniger finanzierbar

Dennoch bleibt Nachfrage laut UBS weiter hoch
Michaela Baumann bewirtschaftet den Familienbetrieb gemeinsam mit ihrem Vater René in einer sogenannten Generationengemeinschaft. (Bilder Deviprasad Rao)
Gewerbe31.03.2026

Felder, Kühe und Überzeugung

Der Berufsalltag von Michaela Baumann, Landwirtin im Knonauer Amt