Holzbau und Architektur unter einem Dach
Wie aus einer Scheune im Dorfkern von Maschwanden ein moderner Handwerks- und Architekturbetrieb wurde
Die Firma Holzbau und Architektur Strebel liegt mitten im Dorfkern von Maschwanden. Dem grossen Firmengebäude, das heute Werkstatt und Büros beherbergt, sieht man noch an, dass es ursprünglich eine Scheune war. Auf diesem Gelände ist Thomas Strebel gemeinsam mit seinen Geschwistern aufgewachsen. Seine Eltern, Walter und Rosa Strebel, führten hier einst einen Bauernhof.
Der mutige Weg in die Selbstständigkeit
Thomas Strebel, gelernter Zimmermann, startete seine selbstständige Tätigkeit zunächst mit einer Einzelfirma in Hünenberg. Zuvor absolvierte er diverse Weiterbildungen und arbeitete mehrere Jahre im Tessin, um Italienisch zu lernen. Erst 1998 zog er mit seinem Unternehmen nach Maschwanden. Damals bot sich die Gelegenheit, Land von seinen Eltern zu erwerben, die gerade pensioniert wurden. 1999 wurde aus der Einzelfirma eine GmbH und auch seine Frau Susanne stieg ins Unternehmen ein. Kennengelernt hatten sich die beiden im Ausgang in Luzern. Susanne Strebel ist gelernte Hochbauzeichnerin und Architektin FH. Sie arbeitete zunächst bei der Firma Renggli in Schötz, ihrer Heimatgemeinde, und war dort die erste Architektin im Unternehmen. Nach rund dreieinhalb Jahren wechselte sie für weitere drei Jahre zu Jego Bau in Rotkreuz. Nach diesen Praxisjahren war auch sie bereit für den Schritt in die Selbstständigkeit – und für die gemeinsame Familiengründung.
Aufbaujahre zwischen Familie und Firma
Als Thomas und Susanne Strebel ihr Unternehmen gründeten, befand sich der Firmensitz noch nicht am heutigen Standort. Zuerst bauten sie auf dem neu gekauften Land ein Einfamilienhaus für ihre Familie. «Sie hat es geplant, ich habe es gebaut», fasst Thomas Strebel das gemeinsame Projekt schmunzelnd zusammen. Das erste Büro befand sich lange im Erdgeschoss dieses Hauses. Gerade für Susanne Strebel war das praktisch: 2000 und 2002 wurden die Strebels Eltern, und so lagen Kinderbetreuung und Planungsarbeit für Susanne nur wenige Schritte voneinander entfernt. 2012 wurde dann die grosse Scheune auf dem Gelände zur Werkstatt mit Büro umgebaut. Gut zehn Jahre später, 2023, kam noch eine zusätzliche Wohnung im Gebäude dazu.
Ein eigener Betrieb bedeutet auch eine grosse Verantwortung
Mit den Jahren wuchs nicht nur die Familie, sondern auch die Firma. Schritt für Schritt wurden neue Mitarbeitende eingestellt. Heute beschäftigt das Unternehmen vierzehn Angestellte. Neben fünf Lernenden arbeiten Zimmerleute, ein Schreiner, zwei Poliere sowie eine Sekretärin im Betrieb. Für das Unternehmerpaar bedeutet das auch eine grosse Verantwortung, die sie seit vielen Jahren gemeinsam tragen. «Wir haben genug Arbeit, obwohl wir gewachsen sind», beschreibt Thomas Strebel die aktuelle Auftragslage.
Engagement für Mitarbeitende und Lernende
Lehrlinge aus der Region zu finden, ist kein Problem, der Beruf ist nach wie vor attraktiv. «Zimmermann ist ein stolzer Beruf», sagt Thomas Strebel. Doch viele ausgebildete Zimmerleute verlassen den Betrieb später wieder, weil sie sich weiterbilden oder neue Wege einschlagen. Erfahrene Fachkräfte zu finden, sei deshalb deutlich schwieriger. Umso wichtiger ist der Familie Strebel die Berufsbildung. Sie investieren viel in ihre Lernenden – insbesondere in die externe Weiterbildung während der Lehre. Insgesamt kommen über die vier Ausbildungsjahre rund fünfzig Kurstage und beinahe 20000 Franken pro Lehrling zusammen. Zusätzlich bieten sie freiwillige «Lehrlingssamstage» an. An diesen Tagen unterstützen sie ihre Lernenden bei schulischen Themen oder setzen gemeinsam eigene Projekte um. So entstanden beispielsweise die «Bücheraustauschhäuschen» auf dem Sonntagsschulplatz in Mettmenstetten – ein Projekt der Lernenden.
Auch das Arbeitsklima im Betrieb ist den Strebels wichtig. Gearbeitet wird in einer Viereinhalb-Tage-Woche – der Freitagnachmittag ist frei. Dazu kommen gemeinsame Aktivitäten wie Skiausflüge, Betriebsbesichtigungen oder Grillabende, die den Teamgeist stärken.
Wichtiger Erfolgsfaktor: Planung und Umsetzung aus einer Hand
Ein wichtiger Erfolgsfaktor des Unternehmens ist die für eine kleine Firma ungewöhnliche Kombination aus Architektur und Holzbau. «Wir haben uns damit einen Namen gemacht. Architektur und Holzbau aus einer Hand waren lange Zeit einzigartig», sagt Thomas Strebel. Auch Susanne Strebel sieht darin einen grossen Vorteil für die Bauherrschaft: «Die Wege sind einfach kürzer.»
Ein Blick auf die Projekte zeigt, dass rund 40 Prozent der Aufträge Neubauten und etwa 60 Prozent Umbauten sind. Beim Arbeitsaufwand in der architektonischen Planung ist die Gewichtung allerdings genau umgekehrt, wie Susanne Strebel erklärt.
In den Anfangsjahren nutzten die Strebels ihre doppelte Kompetenz auch für Grundstücksentwicklungen. So kauften sie 2005 ein Grundstück in Maschwanden, bauten darauf ein Einfamilienhaus und ein Doppelhaus und verkauften die Gebäude später.
«Es war eine echte Gelegenheit im Dorf», erinnert sich Thomas Strebel. Aber solche Projekte erfordern eine gewisse Risikobereitschaft, die sich nicht immer auszahlt: Ein anderes Grundstück aus ihrem Besitz ist bis heute durch zahlreiche Einsprachen blockiert.
Für die Akquisition neuer Projekte ist hauptsächlich Thomas Strebel zuständig. Er gilt als der Netzwerker der Familie, engagiert sich in diversen Verbänden und Vereinen. «Er war aber auch viele Jahre jeden Abend unterwegs», betont Susanne Strebel.
Die Zukunft des Betriebs ist bereits vorbereitet
Auch für die Zukunft haben Susanne und Thomas Strebel klare Pläne. «Ich möchte, dass der Betrieb weitergeht – das wollte ich immer schon», sagt Thomas Strebel entschlossen. Eine Nachfolge innerhalb der Familie ist allerdings kein Thema. Die beiden Kinder haben sich für andere Berufswege entschieden: Luca Strebel arbeitet als Informatiker in einem Start-up in Zürich, Lisa studiert Multimedia Production an der Fachhochschule Graubünden in Chur. Mit Kevin Binzegger, Jahrgang 1988, arbeitet jedoch ein Polier und Zimmermann im Betrieb, der den Wunsch geäussert hat, selbstständig zu werden. Er soll das Unternehmen nun schrittweise übernehmen. Geplant ist, dass er in zwei Jahren in die Geschäftsleitung eintritt. Für Thomas und Susanne Strebel bedeutet das die Möglichkeit, noch eine Zeit lang im Unternehmen mitzuwirken, allerdings mit deutlich geringerem Pensum. Wie das genau aussieht, das ist im Moment noch nicht ganz klar. Was aber sicher ist: Susanne und Thomas Strebel werden die Firma an Kevin Binzegger übergeben, sie selbst aber bleiben in Maschwanden in dem Haus, das sie selbst gebaut haben.






