Moderner Weinbau in Hausen im Einklang mit der Natur
Weinbauernpaar Nicole und Röbi Eberhard in der Vollenweid
Röbi und Nicole Eberhard starteten ihren Weinbaubetrieb in der Vollenweid in Hausen, nachdem sie bereits berufliche Erfahrungen ausserhalb der Landwirtschaft gesammelt hatten. Bis heute unterrichten beide und entwickeln parallel dazu ihren Weinberg konsequent zu einem Beispiel für nachhaltigen biologischen Rebbau.
Zentrales Anliegen des Ehepaars ist der Weinberg als Teil einer vielfältigen Lebensgemeinschaft. Bereits 2011 pflanzten sie bewusst robuste, pilzwiderstandsfähige Sorten (Piwis). Der Begriff Piwi steht für «pilzwiderstandsfähig».
Die Idee zum eigenen Weinbau entstand 2009. Seither bilden sich Nicole und Röbi Eberhard, Eltern von Drillingen, kontinuierlich weiter. Mit ihrem Biologiestudium brachte Nicole Eberhard beste fachliche Voraussetzungen mit. Beide eigneten sich umfangreiches Wissen an, ihr Ziel blieb anspruchsvoll: einen ganzheitlich ökologischen Weinbau zu betreiben. «Wegen des nötigen Schutzes der Pflanzen und des sorgfältigen Umgangs mit dem Boden wird unsere Arbeit immer komplexer», halten sie fest – und schätzen genau diese Herausforderung.
Berufsvielfalt
Nach der Matura kreisten die Wunschstudien von Nicole Eberhard um Ökologie, Biologie und Naturschutz. Studiengänge wie «Umweltwissenschaften» waren damals noch wenig etabliert, weshalb sie sich im Biologiestudium mit Zoologie, Geobotanik und Biomathematik befasste. Eher zufällig fand sie zum Lehrberuf und arbeitet heute als Mittelschullehrerin für Biologie an der Kantonsschule Wiedikon. Eine besondere Station ihrer Laufbahn: Zwei Jahre war sie als Zoopädagogin mit dem Circus Knie unterwegs.
Röbi Eberhard studierte nach der Matura zwei Jahre Geografie. Während eines Aufenthalts in Dänemark lernte er seine heutige Frau kennen. Das Studium überzeugte ihn jedoch nicht nachhaltig, weshalb er sich zum Primarlehrer ausbilden liess. Bereits früh finanzierte er sich das Studium als Busfahrer bei der VBZ; im Militär absolvierte er die Lastwagenprüfung. Heute vereint er einen aussergewöhnlichen Berufsmix: Weinbauer, Primarlehrer und Postautochauffeur.
Unter einen Hut bringen
Nicole und Röbi Eberhard verzichten konsequent auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und Herbizide, um Boden und Ökosystem zu schonen. Im Zentrum stehen die Stärkung der Reben, die Förderung der Biodiversität sowie präventive Massnahmen wie gezielte Laubarbeiten, die für eine gut durchlüftete Traubenzone sorgen. Sie betreiben ihren BioSuisse-zertifizierten Weinbau ökologisch und professionell, mit Einhaltung aller gesetzlichen Vorgaben und eigener Vermarktung. «Wir versuchen es, aber es bleibt ein arbeitsreicher Nebenerwerb», meint Nicole Eberhard. Besonders herausfordernd ist die Abhängigkeit vom Wetter. «Wenn das Wetter passt, muss vieles gleichzeitig erledigt werden. Das lässt sich nicht immer mit dem Hauptberuf vereinbaren.» Oft fehle bei guten Bedingungen die Zeit – denn das Wetter richtet sich nicht nach den Schulferien.
Achtsam im Umgang mit der Natur
Ihre Vision formulieren sie klar: «Wir wollen einen Weinberg, der sich an der Natur orientiert und ohne Pflanzenschutz auskommt.» Die Monokultur wollen sie Schritt für Schritt aufbrechen. «Mit den Hecken und den bisher gepflanzten Bäumen haben wir die ersten Schritte getan.» Diese zeigen bereits Wirkung: «Die Hecke hat schon viele Tiere angezogen, beispielsweise Hermelinfamilien und Neuntöter-Brutpaare.» Die Bäume schaffen zusätzliche Strukturen in der Höhe: «Das bedeutet mehr Lebensraumvielfalt und Orientierungshilfen, etwa für Fledermäuse. Grundlage ist stets ein gesunder Boden», erklärt die Biologin.
Die zwischen den Reben gepflanzten Bäume sind gezielt ausgewählt. Sie können mit den Reben eine Mykorrhiza aufbauen – ein Pilzgeflecht, das Pflanzen vernetzt und den Austausch von Nährstoffen ermöglicht. Auch ihre Anordnung ist durchdacht und verbessert den Wasserhaushalt im Hang. Mit zunehmender Biodiversität widerstandsfähiger gegenüber Extrembedingungen.
Gedüngt wird ausschliesslich mit tierischer Unterstützung: Ein Dutzend kleinsortiger Schafe weidet tagsüber zwischen den Rebstöcken, abends werden sie in den Stall gebracht. «Mit ihrem Kot liefern sie Nährstoffe und Mikroorganismen. Zudem treten sie im Winter die Mausgänge ein.»
Neue Wege wagen
«Wir haben seit Beginn mit effektiven Mikroorganismen, EM, gearbeitet, nutzen sie heute jedoch kaum mehr.» EM bestehen aus Milchsäurebakterien, Hefen und Photosynthesebakterien und fördern ein stabiles Bodenmilieu.
Heute setzen sie vor allem auf selbst hergestellten Komposttee. «Damit verbessern wir den Boden und besiedeln gleichzeitig die Blätter mit einer vielfältigen Lebensgemeinschaft», erklärt Nicole Eberhard. Die Zusammensetzung steuern sie individuell. «In unserer Mischung dominieren Pilze – wichtige Helfer für die Pflanzengesundheit.»
Den beiden ist bewusst, dass Bodenprozesse Zeit brauchen. Häufige Eingriffe mit Pflanzenschutz stören ein System, das sich selbst stabilisieren sollte. Deshalb entschieden sie sich, vollständig darauf zu verzichten. Bis 2024 setzten sie lediglich Schwefel und Tonerde ein, was weiter geht als die verlangten BioSuisse-Richtlinien.
Herausforderung Vermarktung
«Entscheidend ist, dass unsere Weine den Menschen schmecken. Wir haben viele treue Kundinnen und Kunden, gehen aber als kleiner Betrieb im Nebenerwerb auch immer wieder vergessen. Und kontinuierliche Werbung ist sehr aufwendig», resümiert Nicole Eberhard und ihr Mann ergänzt: «Deshalb haben wir drei verschiedene Weinabos eingeführt. Mit diesen unterstützen uns Menschen, die unseren Wein schätzen und denen unser Weinberg am Herzen liegt – das bedeutet uns viel.»
Wichtige Partner sind Restaurants, die den Wein auf ihre Karte nehmen. «Wir würden uns freuen, wenn sich noch mehr Betriebe aus der Region für unsere Weine entscheiden würden.»
Nicole und Röbi Eberhard zeigen in der Vollenweid eindrücklich, dass moderner Weinbau im Einklang mit der Natur möglich ist. Mit Fachwissen, Neugier und Beharrlichkeit entwickeln sie ihren Rebberg zu einem widerstandsfähigen Ökosystem – trotz steiler Hänge, Wetterkapriolen und beruflicher Doppelbelastung. Ihr Weg steht für den Mut, Neues auszuprobieren, für Respekt vor natürlichen Prozessen und für das Vertrauen in gesunde Böden und vielfältige Lebensräume. So entsteht nicht nur Wein, sondern ein zukunftsweisendes Beispiel ökologischer Landwirtschaft.








