Nachhaltiger Genuss aus Rifferswil
Nala Chocolatière: Ein erfolgreiches Kleinunternehmen mit kompromissloser Strategie
Shireen von Schulthess studierte, wie Reto, ihr Mann, an der ETH Zürich Umweltingeneurwissenschaften. Später richtete sich ihr Interesse vermehrt auf Teamentwicklung und kreative Prozesse, worauf sie eine Firma aufbaute, die Weiterbildungen für Unternehmen anbot. 2010 zog die ganze Familie für drei Monate nach San Francisco, nachdem sie sich erfolgreich an der dortigen Kunsthochschule für ein Studium beworben hatte, das sie anschliessend von Zürich aus weiterführte.
Bereits während ihrer Tätigkeit als Künstlerin begann Shireen von Schulthess, mit Schokolade zu experimentieren – zuerst für besondere Geschenke im privaten Rahmen, dann fand sie eine passende Ausbildung zur Chocolatière-Artisanale-Niveau in San Francisco, an der Ecole Chocolat, mit Fortsetzung in Belgien an der Chocolate Academy. «Ich kann damit alle meine Ausbildungen kombinieren, die Ingenieur- und Softwarekenntnisse mit Unternehmensentwicklung und künstlerischem Know-how.» 2019 gründete sie im Heim ihrer Familie in Rifferswil «Nala the Chocolate Queen», heute «Nala Chocolatière».
Um das unternehmerische Risiko einzugrenzen, startete sie allein, mit selbstfinanzierten Investitionen, ohne Kredite. Vor allem aber sah sie die Chancen, die sich ihr boten, oder, wie sie es formuliert: «Ich stolperte durch offene Türen.» Als beispielsweise jemand sie fragte, ob sie auch vegane Pralinen anbiete, entwickelte sie solche: «Ich ging dabei keine Kompromisse ein, sondern fand Kombinationen, bei welchen der erwünschte Geschmack gerade dank dem Verzicht auf Rahm richtig zur Geltung kam, etwa bei Passionsfrucht. Hier kamen mir die chemischen Kenntnisse, die ich im Ingenieurstudium erworben hatte, entgegen.» Die Vielfalt an Aromen in ihren Pralinen habe dadurch weiter zugenommen.
Das Unternehmen wuchs, die Kundschaft weitete sich auf die ganze Schweiz aus, das Zuhause wurde zunehmend von der Pralinenproduktion dominiert. Vor zwei Jahren entschieden sich Shireen und Reto von Schulthess daher zu separaten Geschäftsräumen. Unter den verschiedenen Möglichkeiten, die sie evaluierten, befand sich eine, die optimal zur Unternehmensphilosophie passt und die sie gleich ergriffen: Die Genossenschaft Restaurant Post Rifferswil bot die ehemalige Metzgerei im unteren Geschoss des identitätsstiftenden Gebäudes im Zentrum von Rifferswil in Rohbaumiete an. So konnten die Räume selbst den neuen Bedürfnissen angepasst werden, ohne ihre Grundstruktur zu verändern.
Shireen von Schulthess definiert die vier Säulen der Unternehmensphilosophie: Genuss, Ästhetik, Nachhaltigkeit und Begegnung. Gearbeitet wird möglichst weitgehend mit Bioprodukten aus der Region. Auch bei den passenden Verpackungen wird auf möglichst kurze Wege geachtet. So stammen die Holzschatullen, in welche die Pralinen verpackt werden, aus der «Weid» in Mettmenstetten. Der Laden ist als kleine Stube ausgestaltet, die nicht nur dem Verkauf dient, sondern auch Raum für Besprechungen und zum gemütlichen Zusammensein und Kaffee und einer Praline bietet.
Genussvolle Nachhaltigkeit
«Alles muss zusammenpassen», unterstreicht Reto von Schulthess, der von Beginn weg dabei war, sich aber vor vier Jahren aus dem Ingenieurbüro, dem er als Partner angehört hat, zurückzog, um das Team von Nala Chocolatière vollberuflich zu verstärken. «Hochwertige Pralinen gehören in eine ebensolche Verpackung», fährt er fort, sie könnten auch nicht in einem Industrieumfeld hergestellt werden. Die handgefertigten Schokoladen passten vielmehr zum historischen Bau im Zentrum von Rifferswil, gegenüber dem Dorfbackofen. Und er fügt bei: «Eine feine Schokolade mit Nachgang lädt zum Plaudern ein.»
Nachhaltig sei auch die Einrichtung des neuen Unternehmenslokals, denn die Investition basiere auf einer langfristigen Strategie. «Dieser Schritt war die Folge eines strategischen Prozesses», ergänzt Shireen von Schulthess, «wir fragten uns, was Nala einzigartig macht». Das Resultat: Die Vielfalt an Geschmacksnoten, der sparsame Einsatz von Zucker und das besondere Design jeder Praline verschaffen Nala genügend Alleinstellungsmerkmale, um nicht in einem direkten Konkurrenzkampf zu stehen.
Persönliches Verkaufserlebnis
Wer die Schokolade von Nala nicht in der Stube des Unternehmens in Rifferswil kauft, findet sie auch an verschiedenen Märkten in der ganzen Schweiz. So oder so werde die Schokolade im direkten Austausch mit den Kundinnen und Kunden verkauft. Hier könnten auch Kontakte geknüpft werden, die zu regelmässigen grossen Bestellungen führten. Die Herstellung in der Manufaktur sei einerseits so aufwendig, dass sich ein Verkauf in Ladenketten nicht lohne, denn die dort üblichen Rabatte könnten nicht gewährt werden. Anderseits würde dies auch nicht zur Strategie von Nala passen. «Wir bleiben in der Nische mit besonderen Aromen und wollen nicht in Massenmärkte eindringen», fasst Reto von Schulthess zusammen.
Zur Strategie passt auch der «Nala Inspiration Circle», ein Netzwerkanlass im Park Seleger Moor «für unternehmerisch denkende Menschen, für Menschen, die nach Inspirationen für neue unternehmerische Wege suchen». Podiumsrunden und Spaziergänge in Gruppen durch den Park werden ergänzt mit Esswahrnehmungen und Networking.
«Unverzichtbar in unserem Team ist Maria Wittmann, die Produktionsleiterin. Ihr Weg führte sie als Chocolatière und Chef Patissière durch Schweizer Superior-Hotels und die Fine-Dining-Welt in New York und wir profitieren von ihrem Know-how, ihrer Vernetzung, ihrer Erfahrung und ihrer Kreativität», betont Shireen von Schulthess. Nach den Sommerferien bis Weihnachten wird das Team erweitert, nicht nur in der Produktion, auch im Bereich Kundenbestellungen sowie Betreuung des Ladens in Rifferswil und des Standes an Märkten. Denn die mit Abstand grösste Nachfrage herrscht vor Weihnachten. Vor einem Jahr wurde ein Praktikant für den Herbst eingestellt. Aufgrund der positiven Erfahrungen ist auch in diesem Jahr ein Praktikum ausgeschrieben.








