Wenn Schafe für Ruhe sorgen
«Asorys» steht für nachhaltige Raumakustik durch Schweizer Wolle
«Asorys» setzt sich aus «Acoustic Solutions» sowie den ersten drei Buchstaben des Nachnamens des Firmengründers und Inhabers der Asorys AG in Affoltern, Philipp Ryser, zusammen. Seit seinem 17. Lebensjahr befasst er sich beruflich mit Raumakustiklösungen. Was mit dem Montieren von Akustikelementen begann, führte vor acht Jahren zur Gründung der eigenen Firma. Heute beschäftigt das Unternehmen fünf Mitarbeitende. Sie teilen sich die Aufgaben in den Bereichen Beratung, Entwicklung, Administration und Öffentlichkeitsarbeit. Die Produkte vereinen Akustik, Ästhetik und Natur. Grundlagen dafür bilden Physik, Technik und Materialwissenschaften.
Schallwellenverteilung in Räumen
Raumakustik beschreibt, wie sich Schall in einem geschlossenen Raum ausbreitet, reflektiert und wahrgenommen wird. Sie bestimmt, ob ein Raum akustisch angenehm wirkt, ob Sprache klar verständlich ist oder Musik präzise und differenziert klingt.
Schall gelangt nicht nur direkt zum Ohr. Ein Teil wird von Wänden, Decken, Böden und Möbeln zurückgeworfen – man nennt dies Reflexion. Weiche Materialien nehmen Schallenergie auf und verringern Reflexionen. Unregelmässige Oberflächen streuen den Schall und sorgen für einen gleichmässigeren Klang.
Die Nachhallzeit gibt an, wie lange Schall im Raum hörbar bleibt, nachdem die Schallquelle verstummt ist. Ist sie zu lang, klingt der Raum hallig und Sprache wird schwer verständlich. Ist sie zu kurz, wirkt der Raum akustisch «tot» und unnatürlich. Die optimale Nachhallzeit hängt von der Nutzung des Raumes ab. Schulzimmer, Grossraumbüros, Restaurants, Kirchen oder Konzertsäle erfordern individuelle Lösungen.
Philipp Ryser will mehr als akustisch optimale Lösungen: Sein Anspruch sind ästhetisch überzeugende Konzepte für Wand- oder Deckenelemente, hängende Paneele, Raumteiler oder Lichtobjekte. Deshalb entwickeln er und sein Team laufend neue Produkte.
Schweizer Wolle
In der Schweiz werden rund 400000 Schafe gehalten, vorwiegend zur Fleisch- und Milchproduktion sowie zur Landschaftspflege. Wolle gilt hierzulande oft als Nebenprodukt, das kompostiert oder verbrannt wird. Die Organisation Swisswool setzt sich dafür ein, dass der natürliche Rohstoff Wolle in Zusammenarbeit mit Schafhaltern gesammelt und vermarktet werden kann. Die Bauern erhalten ein bescheidenes Entgelt für abgegebene Wolle.
Philipp Ryser erkannte das Potenzial von Wolle für die Raumakustik. Aus seinem Fachwissen über Akustik und seiner Affinität zum natürlichen Rohstoff entwickelte er wirksame und zugleich ästhetische Produkte. «PET-Lösungen sind zwar kostengünstiger, doch immer mehr Menschen legen Wert auf natürliche Materialien», sagt er.
In der Schweiz gibt es nur wenige kleine Wollreinigungsunternehmen. Grössere Mengen werden deshalb zur Reinigung ins Ausland transportiert. Das bedauert Philipp Ryser. Aus wirtschaftlichen Gründen arbeitet er jedoch meist mit Wolle, die in Belgien gewaschen wurde.
Wolle kann weit mehr als Schall absorbieren und Nachhall reduzieren. Sie neutralisiert Gerüche, reguliert die Luftfeuchtigkeit, baut Schadstoffe ab und wirkt nicht allergen. Deshalb setzen Restaurants, Pflegeinstitutionen und weitere Unternehmen auf Akustikelemente aus Wolle. Denn Lärm erschwert die Konzentration, erhöht die Fehlerhäufigkeit, senkt die Produktivität, beeinträchtigt die Kommunikation und verursacht Stress.
Optimierung der Raumakustik
Philipp Ryser begleitet den gesamten Prozess. Zuerst wird definiert, wozu der Raum genutzt werden soll. Anschliessend erfolgt eine Bestandesaufnahme. Die erhobenen Werte werden analysiert und mit empfohlenen Richtwerten verglichen. Daraus ergeben sich die notwendigen Massnahmen.
Je nach Bedarf kommen Absorber, Diffusoren, Bassfallen, Deckensegel oder frei hängende schallabsorbierende Elemente zum Einsatz. Auch Textilien und die Möblierung können die Raumakustik verbessern.
Anschliessend entwickelt Philipp Ryser ein Akustikkonzept und wählt gemeinsam mit dem Auftraggeber die Materialien aus. Nach der Montage wird die Raumakustik erneut gemessen und bei Bedarf optimiert.
Kreativität und sprudelnde Ideen
Philipp Ryser nennt seine Akustikprodukte «Woopies». Im Gegensatz zu klassischen Akustikpaneelen wirken sie nicht wie technische Bauteile, sondern eher wie Designobjekte. Sie eignen sich überall dort, wo eine akustische Verbesserung gewünscht wird, ohne den technischen Charakter der Elemente zu betonen.
Die Elemente bestehen aus mehreren Schichten, die in einer Lodentechnik verarbeitet sind – anders als Filz. Im Ladengeschäft an der Oberen Bahnhofstrasse in Affoltern meint man auf den ersten Blick, einen Verkaufsraum für Innendekoration zu betreten. Erst beim genaueren Hinsehen erkennt man, dass es sich um Akustikelemente aus Wolle handelt. Elegante Raumteiler trennen den Administrationsbereich ab, dekorative Wand- und Deckenelemente, Bilder und spielerisch gestaltete Lichtobjekte ergänzen das Sortiment.
Philipp Ryser hält sich stets auf dem neuesten Stand der Forschung rund um Wollprodukte. Die Empa erzielte beispielsweise hervorragende Ergebnisse beim Brandschutz. Besonders beeindruckt ist er von Stefan Zuber, der an der Hochschule Luzern im Bereich «Work+Health» am Institut für Gebäudetechnik und Energie im Labor «Luft–Wasser–Schall–Komfort» tätig ist.
Philipp Ryser möchte Emotionen für den Rohstoff Schweizer Wolle wecken und dazu beitragen, dass Schafwolle genutzt statt vernichtet sowie die Arbeit der Schafhalter fair entschädigt wird. Schafe sind die Gärtner unserer Berglandschaften. Gleichzeitig will er erreichen, dass eine gute Raumakustik zum Wohlbefinden der Menschen beiträgt – mit hochwirksamen und ästhetischen Lösungen. Philipp Ryser verbindet Nachhaltigkeit, Innovation und Design. Und nicht zuletzt ist er ein erfolgreicher Unternehmer mit viel Herzblut für seine Produkte.






