Räume, die Geschichten erzählen
Szenograf und Unternehmer Stefan Brogle gestaltet Markenauftritte und Events

Wer grosse Events, Ausstellungen oder Fernsehproduktionen besucht hat, ist der Arbeit von Stefan Brogle womöglich schon begegnet – ohne seinen Namen zu kennen. Der in Stallikon lebende Szenograf und Unternehmer gestaltet mit seiner Firma Brogleworks temporäre Räume für Theater, Konzerte, Markeninszenierungen, Veranstaltungen und Museen. Was als Marketingidee beginnt, wird oft zu einer Installation, die Tausende – manchmal Millionen – Menschen erleben.
Vom Tal ins Design
Stefan Brogle, 49, stammt aus dem ländlichen Fricktal. Seinen beruflichen Anfang fand er nicht in Designstudios, sondern im familieneigenen Schreinereibetrieb, der seit Generationen besteht. «Ich bin auf dem Land geboren – ein Tal, ähnlich wie Stallikon: Man kennt sich, alles ist vertraut», sagt er. «Ich habe fast jeden Sommer in der Schreinerei verbracht. Diese Zeiten haben mich geprägt – sie führten mich erst ins Schreinerhandwerk und später in die Welt des Designs.»
Nach der Lehre absolvierte er den Vorkurs für Gestaltung in Basel und studierte anschliessend Industriedesign an der Kunsthochschule in Zürich. Seine ersten beruflichen Schritte führten ihn in die Szenografie – ins Gestalten von TV-Studios, Bühnenbildern und internationalen Showproduktionen für SRF, ZDF, die FIFA sowie Events im Ausland, etwa in New York, Paris, London oder Dubai. «Das war mein Türöffner in die Welt der grossen Bühnen, Markenwelten und Eventproduktionen», erinnert er sich.
Vom Gestalter zum Unternehmer
2007 legte er eine Pause ein – zunächst ohne Plan. «Ich wollte nie unbedingt Unternehmer werden – es ist einfach passiert», sagt er. Er übernahm erste Projekte, die Nachfrage wuchs – und 2009 gründeten er und seine Frau Simone die Brogleworks GmbH. Der Firmenname entstand zufällig: «Er kam von einem einfachen Desktop-Ordner namens work.»
Heute beschäftigt Brogleworks rund 40 Mitarbeitende an Standorten in Zürich, Spreitenbach und Aarau. Der Fokus liegt auf räumlicher Markeninszenierung, auch 3D-Marketing genannt. Das Spektrum ist breit: Für Lindt und Sprüngli entwickelte das Team einen «Infinity Room» voller Spiegel, in dem der Goldhase Hunderte Male erscheint – ein Raum, der sich besonders für Fotos und soziale Medien eignet. Im Zürcher Hauptbahnhof hing ein 15 mal 11 Meter grosses Adidas-T-Shirt an einem überdimensionalen Kleiderbügel. Und für die Tennisschuhe von Roger Federer setzt die Firma kleine Emojis ein – sichtbar nur für jene, die genau hinschauen. Ein weiteres Projekt: die diesjährige Weihnachtsdekoration mit grossen Spiegeldiamanten im Einkaufszentrum Sihlcity. Aktuelle Projekte sind mehrere Pavillons für das World Economic Forum in Davos sowie kürzlich realisierte Ausstellungen im Verkehrshaus Luzern und im Textilmuseum St. Gallen. «Unsere Kunden haben Bedürfnisse, die sich nur mit Räumen, Installationen und Erlebnissen ausdrücken lassen», sagt Stefan Brogle.
Wie aus Ideen Räume werden
Am Anfang steht meist ein Briefing oder ein Moodboard: «Die letzten 20 bis 30 Prozent entwickeln wir gemeinsam – Zielgruppen, Materialien, Budget und die gewünschte Wirkung.» Temporäre Architektur lässt grosse Freiheit zu: Sie muss im Moment überzeugen, nicht für Jahrzehnte bestehen. «Manchmal zählt der Eindruck mehr als die Funktion», erklärt er. «Eine Toilette auf der Bühne braucht kein Wasser – sie muss nur echt wirken», fügt Stefan hinzu.
Woher kommen all die Ideen? Für ihn ist Kreativität kein flüchtiger Funke, sondern ständig verfügbar. «Ich brauche keine Rituale oder speziellen Orte. Ideen sind immer da. Ich öffne eine Tür in meinem Kopf und nehme, was ich brauche.» Er nennt diese innere Quelle «eine Kammer in meinem Kopf» – eine, die er hofft, nie zu verlieren.
Realität statt Glamour
Hinter dem Glanz der grossen Produktionen steht jedoch die Realität. «In dieser Branche verliert man ein wenig den Glamour, weil man technisch denkt und schnell bemerkt, was nicht perfekt ist. Gleichzeitig begegnet man Menschen, denen man sonst nie begegnen würde. Dafür bin ich dankbar.» Das Unternehmertum brachte auch Herausforderungen. «Wenn man all die Hindernisse vorher kennen würde, würde man es wahrscheinlich nicht machen», sagt Stefan. «Wichtig ist, wieder aufzustehen. Das kann ich gut.»
Arbeit und Privatleben trennt er kaum. Viele Events finden an Wochenenden statt – freie Tage verschieben sich. «Ich empfinde meine Arbeit nicht als Belastung – sie erfüllt mich. Wäre es anders, wäre ich längst ausgebrannt.» Für ihn ist die gesamte Zeit zwischen Aufstehen und Schlafengehen Leben – ob an einem Veranstaltungsort oder zu Hause mit seiner Frau und den drei Kindern. Seine Haltung ist klar: «Wir verbringen mehr Zeit am Arbeitsplatz als zu Hause. Also sollte der Arbeitsplatz ein Ort sein, an den man gerne geht.» Genau dieses Umfeld möchte er schaffen – für sich und sein Team.
Vom Familienbetrieb in einem ruhigen Tal bis zum Bau temporärer Welten für einige der grössten Marken und Events – und heute fest verankert in Stallikon: Stefan Brogle ist nie einem fertigen Plan gefolgt. Er ist mutig Schritt für Schritt weitergegangen. Brogleworks baut Räume, in denen Menschen innehalten, sich umschauen – und sich erinnern, was sie erlebt haben.


