Bei einem Pubbesuch in Zürich funkte es

Rose McCan schreibt und singt Songs im Irish-Folk-Stil und auf Mundart-Pop

Rose McCans musikalisches Herz schlägt für Irish Folk und Mundart-Pop. (Bild Sandra Isabél Claus)
Rose McCans musikalisches Herz schlägt für Irish Folk und Mundart-Pop. (Bild Sandra Isabél Claus)

Das musikalische Feuer wurde bei Rose entfacht, als sie 13 Jahre alt war. «Ich entdeckte in einem Schaufenster eine Gitarre, kaufte sie für 50 Franken und brachte mir das Spielen selbst bei», erinnert sie sich. Rund drei Jahre später investierte sie fast drei Lehrlingslöhne in ihre erste Westerngitarre und begann, Songs zu schreiben. Und da sie als Jugendliche oft knapp bei Kasse war, beschenkte sie Geburtstagskinder mit persönlich geschriebenen Liedern.

Als sie dann eines Tages, mit knapp 30, am irischen Nationalfeiertag St. Patrick’s Day, in einem Zürcher Pub erlebte, wie die vielen Besucher die markanten irischen Hits der Dubliners textsicher und voller Inbrunst mitsangen, war es um Rose geschehen. In den Folgejahren lernte sie unzählige der eindringlichen, jahrhundertealten Volkslieder, die von Liebe und Verlust, Freiheit und dem stolzen Zusammenhalt des Volkes erzählen. Stets zwischen schwermütiger Melancholie und purer Lebensfreude. Mitte dreissig kaufte sie in Irland ihre erste Bodhrán, die irische Rahmentrommel, und war ein gutes Jahr später Bandmitglied bei den Trousers of Kilkenny und spielte regelmässig an «Irish Sessions». Diese Events sind das Pendant zur Schweizer «Stubete»: ein gemütliches Beisammensein von Musizierenden und Zuhörenden.

Nächstes Album erscheint Mitte April

Die Musikerin heisst mit bürgerlichem Namen Gülbün Can. «Gül» heisst auf Türkisch Rose und so war ihr Künstlername schnell gefunden. Zur türkischen Herkunft väterlicherseits hat sie keinerlei Bezug – sie spricht die Sprache nicht, noch war sie seit ihrer Kindheit je wieder im grossen Land im Osten. Aufgewachsen ist sie im Zürcher Furttal, sie lebte an verschiedenen Orten im Grossraum Zürich. Nach der obligatorischen Schulzeit entschied sie sich für eine kaufmännische Lehre. In einem Autospritzwerk. Da entdeckte sie ihre Kreativität und ihr grafisches Talent. Später stieg sie als Quereinsteigerin in den Grafikbereich ein und gestaltet heute in einem 80-Prozent-Pensum ein Kulturmagazin.

Seit fünf Jahren wohnt sie in Affoltern und schwärmt von der guten Lage. Zum Entspannen schlendert sie oft durch die hiesigen Baumärkte. «Shoppen in Kleiderläden sagt mir überhaupt nichts, ich liebe Baumärkte», überrascht die bald 55-Jährige. «Aus einfachen Brettern ein zweckmässiges Möbel zu zimmern, gefällt mir.» Rose McCan experimentiert nicht nur gerne mit Baumaterial. Auch in der Musik nimmt sie gerne bestehende Songs und verleiht ihnen ihren ganz eigenen Twist, zum Beispiel kreiert sie ein neues Lied aus einer Melodie eines irischen Gassenhauers mit passendem Text auf Mundart. So wurde beispielsweise der bekannte irische Song «The Wild Rover» zur Création à la Rose: «Rumtriiberin». Dabei achtet sie pedantisch genau auf eine möglichst akkurate Übersetzung des Originaltextes. Obwohl sie Zürichdeutsch spricht, singt sie auf Berndeutsch.

Musikalisch wohl fühlt Rose McCan sich aber nicht nur im Irish Folk, sondern neuerdings auch im Mundart-Pop. «Um mehr über dieses Genre zu erfahren, absolvierte ich eine Art ‹Pop-Lehrjahr› bei Deean, meinem Produzenten», erklärt sie. Danach konnte sie sich ihren lang gehegten Jugendtraum erfüllen und ihr Debütalbum «Lueg» im Februar dieses Jahres veröffentlichen. «Mir ist es wichtig, meinen Horizont immer wieder zu erweitern, stets dazuzulernen», meint sie. «Wenn ich an etwas interessiert bin, dann möchte ich es bis ins letzte Detail erforschen.» Ihre aussergewöhnliche Konzentrationsfähigkeit und akribische Detailverliebtheit führt Rose McCan auf ihre Autismus-Spektrum-Störung (ASS) zurück, die erst Ende vierzig erkannt wurde. Es erklärt mitunter auch, warum sie so lange gebraucht hat, um ins Rampenlicht zu treten. Und – ganz allgemein – ihre Musik in die Welt hinauszutragen. Das tut sie in Kürze erneut: Ihr nächstes Album «I Am Not Irish» erscheint am heutigen 17. April. Zu hören sind die Songs auf allen gängigen Plattformen. Natürlich kann sie auch für Soloauftritte oder zusammen mit ihrem Duo SaitWind sowie ihrer Band Trousers of Kilkenny gebucht werden.

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