«Beim Schwingen habe ich auch gelernt zu verlieren»

Diego Heimann ist begeisterter Schwinger und absolviert dieses Jahr die Matur

Diego Heimann freut sich über seinen ersten Kranz und die Urkunde zu seinem Erfolg. (Bild Marianne Voss)
Diego Heimann freut sich über seinen ersten Kranz und die Urkunde zu seinem Erfolg. (Bild Marianne Voss)

Dass er ein «Böser» sein könnte, ist ihm nicht anzusehen. Freundlich lächelnd sitzt der 18-jährige Diego Heimann am Esstisch in seinem Elternhaus in Rifferswil und berichtet von der Familie, der Schule und von seinem Hobby, dem Schwingen. Unter den Schwingern ist er auf bestem Weg, ein wirklich «Böser» zu werden. Mit Stolz berichtet er von seinem ersten Kranz, den er letztes Jahr am Freiburger Kantonalschwingfest gewann. «Meine Gegner waren zuerst Gleichaltrige, dann in den Schlussgängen musste ich gegen zwei sogenannte Kranzer schwingen.» Jetzt ist er selbst auch ein Kranzer. Leider konnte er am Eidgenössischen Schwingfest in Glarus nicht aktiv mitmachen. «Die Selektion fand vor meinem Erfolg statt. Doch mein Ziel ist natürlich die Teilnahme am Eidgenössischen 2028 in Thun.» Ob er diesen Mai in Mettmenstetten schwingen werde, sei noch unklar. «Da ich im Schwingclub Cham bin, müssten wir als Gastclub von den Zürchern eine Einladung erhalten, es werden jedoch nur sehr wenige Plätze verfügbar sein.»

Auch mental gefordert

Diego Heimann begann im Kindergartenalter mit Schwingen. Seine Mutter schickte ihn in den Schwingclub, weil er viel – oder manchmal eben zu viel – Energie hatte. «Ich begann als Kind mit einem Schwingtraining pro Woche, jetzt gehe ich dreimal. Zudem habe ich wöchentlich einen Termin im Krafttraining und besuche ab und zu ein Mentaltraining.» Die meisten Wochenenden im Sommer sei er unterwegs an Schwinganlässen in der ganzen Schweiz. «Normalerweise schwinge ich selbst, nur sehr selten bin ich als Zuschauer vor Ort.»

Was hat ihn seit der Kindheit am Schwingen begeistert? «Ich war von Anfang an gut, dadurch machte es mir natürlich auch Spass.» In erster Linie fasziniere ihn die Technik der Griffe. «Beim Schwingen geht es längst nicht nur um Kraft, sondern um die richtigen Entscheidungen im richtigen Moment. Ich bin also auch mental gefordert, mich zu konzentrieren und einen kühlen Kopf zu behalten.» Gut sein und gewinnen sei schön. «Doch das Unterliegen gehört ebenso dazu. Beim Schwingen habe ich viel gelernt, auch zu verlieren.» Was ihm zudem gefalle, sei der respektvolle Umgang miteinander, der an den Wettkämpfen gepflegt werde. «Mir ist es wohl in der Schwingerwelt. Sie ist ein schönes Kontrastprogramm zur Ausbildung im städtischen Zürich.»

«Ich mache das mal»

Der Urgrossvater von Diego und seinen drei Geschwistern war Bauer in Unterrifferswil. Die Familie Heimann darf sich also alteingesessen nennen. «Es ist schön, hier so ländlich zu leben», erklärt Diego. «Der Nachteil ist der Weg in den Ausgang in die Innerschweiz oder nach Zürich. Der ist manchmal etwas kompliziert.» Er schmunzelt. Er gehe jedoch nicht häufig aus, sondern verbringe die Abende an den Wochenenden lieber bei Kollegen oder mit der Familie. Welche Musik hört er gerne? «Das kann Rock sein oder Metal. Aber ich habe auch nichts gegen einen Ländler.»

Die Schule fiel Diego Heimann immer leicht. Nach der sechsten Klasse ging er bereits nach Urdorf ins Gymnasium. Auch dort scheint er den Schulstoff relativ locker zu bewältigen. Er hat sich für die naturwissenschaftliche Richtung mit den Fächern Biologie und Chemie entschieden. Sein Leitspruch zur Schullaufbahn lautet: «Ich mache das mal.» Mit dieser Einstellung sieht er auch ohne Stress dem diesen Sommer bevorstehenden Maturabschluss entgegen. Vor Weihnachten hat er bereits erfolgreich seine Maturarbeit präsentiert. «Ich habe selber ein ferngesteuertes Raupenfahrzeug gebaut und den ganzen Vorgang dokumentiert. Der Umgang mit Technik machte mir schon immer Freude.»

Wie geht es diesen Sommer weiter? «Vermutlich absolviere ich zuerst die RS. Danach möchte ich an der ETH Maschinenbau studieren. Eine andere Option wäre Architektur.» Auf die letzte Frage, wie er als junger Mensch unsere Gesellschaft erlebe, antwortet er: «Ich beobachte, dass viele Menschen oft vergessen, wie schön sie es eigentlich haben. Wir sollten das schätzen, was wir haben, und nicht immer nur dem nachtrauern, was wir noch haben möchten.»

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