Gymi-Filiale in Affoltern

Gedanken zur Jugend von heute von «Surprise»-Verkäufer Urs Habegger

So könnte das Gymnasium, Pardon, die Filiale, in Affoltern einmal aussehen. (Bild Bauart Architekten und Planer AG)
So könnte das Gymnasium, Pardon, die Filiale, in Affoltern einmal aussehen. (Bild Bauart Architekten und Planer AG)

Wir haben viele gute junge Leute! Unsere Jugend. Welch ungeheures Potenzial. Doch gar manchen Erwachsenen sind Jugendliche ein Dorn im Auge, wenn nicht gar ein Gräuel. Sie sind so anders, so fremd, weit weg von der «Normalität». Kinder sind herzig und süss. Heranwachsende dagegen fallen aus Rang und Traktanden. So die Sicht von vielen.

Wandel braucht Zeit

Ja, sie sind im totalen Umbruch, im Wandel begriffen, innerlich und äusserlich. Jeder Wandel braucht seine Zeit. Der lange Weg vom Kind zum Erwachsenen beginnt. Und da gibt es nichts zu beschönigen. Natürlich läuft da nicht alles rund. Natürlich gerät da auch mal was ausser Kontrolle. Es sind Jahre zwischen Stuhl und Bank; nicht mehr Kind und noch lange nicht erwachsen. Es sind Jahre im Nirgendwo, auf der Suche nach der eigenen Identität. Auf der Suche nach dem eigenen Platz in der Familie, in der Gesellschaft, im Leben. Das geht nicht geräuschlos. Da verrennt man sich schon mal. Da eckt man schon mal an. Es sind Jahre der Suche, der Auflehnung, der Rebellion.

Ich vergesse nie die Mutter, die mir gesagt hat: Mein Sohn ist jetzt 16, aber er braucht mehr Nestwärme als je zuvor. Andere Mütter haben mir das so oder ähnlich auch schon gesagt. Und ich lese, Kinder- und Jugendpsychologinnen und -psychologen sind ausgebucht.

Jugendliche sind keine Ungeheuer

Merke: Jugendliche sind keine Ungeheuer. Man braucht keinen Umweg um sie zu machen. Man braucht sie nicht zu meiden. Der meiste Unfug, den sie treiben, geschieht im Gruppenzwang, dem sind sie ausgeliefert. Wer nicht mitmacht, der steht abseits. Während meiner Arbeit als «Surprise»-Verkäufer in der Bahnhofunterführung zu Rapperswil habe ich nicht wenige Real-, Sekundar-, Kanti-, Gymi- und Berufsschülerinnen und -schüler kennengelernt. Ich habe sie alle gefragt. Und sie alle bestätigen mir; ja, wir haben viele gute junge Leute. Und sie müssen es ja wissen; sie arbeiten schier tagtäglich mit unserer Jugend. In Affoltern ist im Jahre 2028, dem Bevölkerungswachstum auch im Säuliamt geschuldet, die Eröffnung eines Gymischulhauses geplant. Ich zitiere aus der Medienmitteilung vom Zürcher Regierungsrat: «Die Kantonsschule Limmattal in Urdorf und die Mittelschulen in der Stadt Zürich stossen an ihre Kapazitätsgrenzen. Zu deren Entlastung wird in Affoltern am Albis eine Filiale der Kantonsschule Limmattal errichtet.»

In die Filiale statt ins Gymnasium

Das Säuliamt erhält, mit Standort Affoltern, also ein Gymnasium, eine Lernstätte der Jugend. Das ist super. Und wir freuen uns auf die jungen Leute. Was mich in der zitierten Medienmitteilung aber wahnsinnig stört, ist das Wort «Filiale». Lieber Regierungsrat: Kann man die «Filiale» nicht bitte streichen? Sonst müssen dereinst die Säuliämtler Eltern sagen: Unser Kind geht ins Gymi, also in die Filiale.

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