«Inzwischen kenne ich die Standorte der Tafeln auswendig»
Urs Fülscher pflegt Wanderwegweiser und spielt in einem Quintett Saxofon

Er kennt sie alle und weiss genau, wo sie stehen und wie hoch sie sind. Ob er einen Liebling habe? «Nein, ich habe alle ins Herz geschlossen.» Urs Fülscher lacht. Die Rede ist von Wanderwegweisern. Seit zwei Jahren ist er in den Gemeinden Maschwanden und Mettmenstetten Süd für alle Wegweiser und auch für die gelben Rhomben an Stämmen oder Steinen verantwortlich. «Das ist mein neustes Hobby, und es macht mir viel Spass.» Er erklärt, was sein symbolisch honorierter Job alles beinhaltet. Auf einem Plan sind alle Wegweiser, die er reinigen, korrekt ausrichten und manchmal auch von Sträuchern befreien muss, genau eingezeichnet. Ist ein Wegweiser beschädigt, kann er einen neuen bestellen. Auch die gelben Rhomben kontrolliert er und frischt nach Bedarf die Farbe auf. «Inzwischen brauche ich den Plan nicht mehr, ich kenne die verschiedenen Standorte der Tafeln in meinem Gebiet auswendig.»
Fasziniert von der Funktechnik
Die Finanzierung der Wanderwegweiser ist kantonal geregelt, die Betreuung wird von einer Zentrale koordiniert. Urs Fülscher kann sich die Arbeit selber einteilen, diese Flexibilität schätzt er ganz besonders. Ungefähr sechs Mal pro Jahr kontrolliert er jeden Wegweiser. «Ich bin ein Einzelgänger und geniesse es, mit der Werkzeugkiste auf dem Velo unterwegs zu sein.» Er schwärmt von den wunderschönen Stimmungen, die er in jeder Jahreszeit in der Natur erlebt. Was gehört zu seiner Ausrüstung? «In der Kiste befinden sich Schraubenzieher, Hammer, Feilen, Farbe, Pinsel, eine Schablone sowie Wasser und Seife. Im Rucksack habe ich eine zerlegbare Leiter dabei.» Wenn Urs Fülscher die Wanderwegweiser reinigt oder ausrichtet, wird er oft angesprochen. «Die meisten Leute freuen sich oder bedanken sich sogar für meine Arbeit.» Er sei während seines Lebens mit viel Erfolg verwöhnt worden. «Ich bin dankbar für das, was ich habe, und gebe auf diese Weise gerne etwas zurück.»
Urs Fülscher ist mit einem Bruder in Herrliberg aufgewachsen. «Ich ging nicht gerne zur Schule, ich zeichnete mich durch Faulheit aus.» Seine Eltern und Grosseltern waren Architekten und engagierten sich im Bereich sozialer Wohnungsbau. «Als Jugendlicher war ich dadurch oft auf Baustellen, doch das interessierte mich nicht.» Was ihn jedoch sehr faszinierte, war die Funktechnik. Die Union Schweizerischer Kurzwellen Amateure (USKA) bot einen Theoriekurs an, den er als Sekundarschüler besuchte und der wegweisend war für seine Laufbahn. Er entschied sich für eine Lehre als Radio- und Fernsehelektriker. «Dabei stand das analytische Denken bei der Fehlersuche im Vordergrund.» Danach absolvierte er das Technikum und schloss als Elektroingenieur ab. «Ich arbeitete immer im Umfeld der Telekommunikation und Funktechnik. Doch der Beruf veränderte sich, und ich wuchs mit den digitalen Entwicklungen mit.» Mit Begeisterung erzählt er von seinen verschiedenen Arbeitsstellen, für die er auch weltweit unterwegs war. Seinen letzten Job bis zur Pensionierung übte er bei der Swisscom als Betreuer für die grössten Firmenkunden aus. «Das war hochlässig, spannend und sehr vielfältig. Als zentrale Ansprechstelle für Grosskunden hatte ich viel Verantwortung und verfügte über entsprechende Kompetenzen.»
Musikalische Begabung
Seit über 40 Jahren wohnt Urs Fülscher in Mettmenstetten. «Meine Frau und ich sind nun schon 50 Jahre verheiratet», erklärt er stolz. «Wir haben zwei Töchter und einen Enkel.» Seine Frühpensionierung liegt bereits 20 Jahre zurück. Langweilig war ihm aber nie. «Zuerst schrieb ich mit Kollegen für den Cruising Club der Schweiz, CCS, ein Lehrmittel für Hochseefunk und pflegte verschiedene Hobbys wie Segelfliegen und Bootstouren in der Schweiz und Europa.» Er engagierte sich auch in der reformierten Kirche, wo er sich in der Kirchenpflege um verschiedene Projekte kümmerte. «Ich begleite gerne Projekte, die einen klaren Anfang und ein Ende haben.»
Auch musikalisch ist er seit vielen Jahren aktiv. Zuerst sang er im Männerchor Mettmenstetten und präsidierte den Verein einige Jahre. «Das war damals, als wir hierherzogen, eine gute Aktivität, um Leute kennenzulernen und sich im Dorf zu vernetzen.» Heute singt er im Männerchor Zürich und spielt in einem Quintett Saxofon. Der Weg dorthin lässt sich kurz erklären: «Ich sah im Aldi ein Saxofon und kaufte es, einfach so. Bald darauf nahm ich Stunden und jetzt, seit ein paar Jahren, mache ich als Mitglied des Ensembles SAX44+ an verschiedensten Anlässen Musik.»
In der Serie «Menschen im Säuliamt» berichtet Marianne Voss in loser Folge aus dem Leben von Menschen - ob jung oder alt, ob berühmt oder unbekannt -, die im Säuliamt wohnen oder hier ihren Arbeitsplatz haben.


