Die Pferde sind ihre Leidenschaft

Als Springrichterin und Brevet-Expertin pflegt Brigitte Metzger heute noch Kontakte aus ihrer Aktivzeit im Sport

Valérie Hirzel (links) und Brigitte Metzger nach dem erfolgreichen Brevet im Reitsportzentrum Fondli. (Bild Selina Brodmann)

Die Sonne scheint bereits, Vögel zwitschern fröhlich und vom Stall ist Gewieher zu hören. Für Brigitte Metzger beginnen solche Tage oft sehr früh. Vor dem «Stübli» im Reitsportzentrum Fondli in Dietikon geht Brigitte Metzger, wohnhaft in Mettmenstetten und ­Ehrenmitglied des Kavallerievereins des Bezirkes Affoltern, mit ihrer Richterkollegin Irene Richner und der Ausbildnerin des Stalls den Plan für die Prüfungen durch. Neun pferdebegeisterte ­Mädchen wollen heute ihr Fachwissen zum Umgang mit ihren Lieblingstieren unter Beweis stellen.

Alle Prüfungen finden statt

«Heute finden drei Prüfungen statt. Sechs Teilnehmerinnen werden für das Attest und das Diplom antreten und weitere drei Mädchen sind für das Brevet angemeldet», erzählt Brigitte Metzger. Meistens seien die Prüfungen besser besetzt, heute habe sie Glück, der Tag wird nicht allzu lange dauern. Zusammen begrüssen sie die Kandidatinnen und initiieren den Start der Prüfungen. Das Führen eines Pferdes im öffentlichen Raum wird direkt auf dem Weg in die Halle getestet. «Hier ist sehr wichtig, dass die richtige Zügelführung, die Position beim Führen und die Übersicht in der Gruppe eingehalten werden», so die Richterin. In der Halle stellt sich jede Kandidatin mit ihrem Pferd vor. Parallel dazu testet Irene Richner bei den restlichen Teilnehmerinnen mit einem Fragebogen die Theorie. «Im Umgang mit Pferden», erläutert Metzger «ist viel Bestimmtheit der Reiterinnen gefragt. Zudem ist Körpersprache das A und O.» Die beiden Prüfungen werden oft – so wie hier – in einem Zug absolviert. Für das Diplom wird direkt in der Halle aufgesessen und eingeritten. Die Richterinnen platzieren sich in einer Ecke. Von dort aus beobachten, besprechen und bewerten sie nun den gerittenen Teil. Für diesen Part müssen die Reiterinnen in allen Gangarten sicher unterwegs sein. Es reiten alle zusammen diverse Figuren. Streng bewertet wird der Abstand zwischen den Pferden. «Die Sicherheit auf dem Wettbewerbsareal hat zugenommen und Belehrungen simpler Vorfälle vor Ort haben sich erübrigt. Auch zum Wohle des Pferdes gab es im Laufe der Zeit Verbesserungen», erklärt Brigitte Metzger zufrieden.

Der nächste grosse Meilenstein im Leben einer Reiterin oder eines Reiters ist das Bestehen des Brevets. Diese ­Prüfung ermöglicht erste Turniererfahrungen. Vor noch wenigen Jahren absolvierten Reitende das klassische Brevet und hatten damit ein erstes Diplom und die Möglichkeit, in die Dressur und das Springreiten zu tauchen. Heute müssen separate Prüfungen, welche einem echten Parcours gleichen, bewältigt werden. «Seit der Veränderung des Brevets, das nun in drei Teilen mit einem Springparcours geritten wird», sagt Brigitte Metzger «hat sich das Niveau an den Springturnieren deutlich verbessert.» Für die Veränderung der Ausbildung der Reitenden musste auch eine Weiterbildung beziehungsweise Prüfung für Richtende besucht werden. Die Wertschätzung und die Freude an den Tieren stehen bei Brigitte Metzger aber immer an erster Stelle. «Speziell als Brevet-Expertin mache ich viele tolle Erfahrungen», schwärmt sie. «Die oft noch jungen Kandidatinnen und Kandidaten versuchen am Prüfungstag mit viel Motivation, ihr Wissen und Können unter Beweis zu stellen, zudem werden die Pferde gründlich geputzt und die Mähnen und Schweife schön geflochten», schmunzelt sie weiter. Sie mag auch die Atmosphäre und ihre Aufgabe als Prüfende, denn oft könne sie sehr nervösen oder schwächeren Teilnehmenden durch vereinfachte oder veränderte Fragestellung zur richtigen Antwort verhelfen.

In Dietikon verläuft der Tag weiter wie geplant und mit perfektem Zeit­management. «Es macht Spass, mit solch gut organisierten Ställen zusammenzuarbeiten», rühmt Brigitte Metzger bei einer kleinen Kaffeepause das Team des Stalls. In der grossen Halle steht bereits der Parcours für das Brevet und die drei Kandidatinnen reiten ihre Pferde an. In lockerem Tonfall stellen sich die Richterinnen erneut den Teilnehmerinnen vor und machen sich anschliessend bereit. Sie klären untereinander noch ab, wer sich auf welche Kriterien fokussiert und prompt läutet schon das «Glöckchen» für den Start. Zuerst wird die Dressurübung in Angriff genommen. Bei dieser wird viel getrabt und auf den Volten geritten. Sitz, Führung und Stellung des Pferdes sind hier wichtig. Nach einer kurzen Sprechpause der Richterinnen geht der Springteil direkt los. «Hat sie die Peitsche gewechselt?», fragt Brigitte Metzger kontrollierend. Beim Dressur- und Springreiten gibt es unterschiedliche Regeln bezüglich der Peitschenlänge und diese müssen die Mädchen auch beim Brevet ­beachten. Insgesamt verläuft der Tag in Dietikon auf dem Reitsportzentrum Fondli sehr erfolgreich. Die Attest- und Diplomprüfungen sind alle bestanden worden. Beim Brevet kam es bei einer Kandidatin zu einem Sturz, was unglücklicherweise direkt ein Nichtbestehen bedeutet.

Sie trifft gerne vertraute Gesichter

Brigitte Metzger hat viel erlebt und bewegt im Pferdesport wie auch im Kavallerieverein des Bezirkes Affoltern. Sie hat vielen ihr grosses Wissen weitergegeben und einigen Juniorinnen und Junioren das Reiten beigebracht. Sie selbst findet es schön, auf und um den Reitsport immer wieder vertraute Gesichter zu sehen und gute Rückmeldungen zu erhalten, denn sie nimmt sich auch heute noch viel Zeit für ihre grosse Leidenschaft, die Pferde. Ihren Tipp, das Tier als Partner zu sehen und sich immer interessiert weiterzubilden, gibt sie gerne weiter. Nebst dem wünscht sie sich auch, dass gute Veränderungen in Zukunft nicht so lange auf sich warten lassen. «Die Arbeit, das Hobby oder eben die Leidenschaft muss immer reflektiert werden, um auch schnellstmöglich Verbesserungen anwenden zu können», sagt sie. Pünktlich zur Mittagspause geht das Richten für Brigitte Metzger zu Ende im Stall Fondli. Die zufriedenen Absolventinnen schnappen sich ein Sandwich aus dem «Stübli» und belohnen ihre Pferde im Stall. Brigitte Metzger muss noch weiter, denn noch andere Reiterinnen und Reiter warten an diesem sommerlichen Tag auf ihre Reitstunden.

Attest, Diplom und Brevet

Die meisten Pferdebegeisterten beschäftigen sich irgendwann in ihrer Reitkarriere mit der Grundausbildung Pferd. Diese besteht aus zwei Teilen, die es zu bestehen gilt. Das Attest und das Diplom. Um an weiterführenden Prüfungen teilzunehmen, ist das Diplom die Voraussetzung. Das Attest kann sogar ohne Reiten abgeschlossen werden – es besteht aus Theorie und Bodenarbeit. Beim Attest stehen der Umgang mit dem Pferd und theoretische Kenntnisse im Mittelpunkt. Das Diplom besteht aus einem gerittenen Teil. Dazu gehören das Auf- und Absitzen, der Sitz in den Gangarten, die Einwirkung mit korrekter Anwendung der Hilfen und das Reiten im öffentlichen Raum.

Das Brevet ist eine Weiterbildung und gleichzeitig auch der Eintritt in die Turnierwelt. Am häufigsten absolvieren Kandidierende das Brevet kombiniert, welches die Dressurprüfung und den Springparcours beinhaltet.

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