«Ganz spezielle Zeitung»
Der frischgebackene Pensionär Florian Hofer verabschiedet sich

Während ich diese Zeilen schreibe, sind es nur noch ein paar Stunden zu der Verabschiedungsfeier anlässlich meiner Pensionierung, zu der mich das Team des «Anzeigers» eingeladen hat.
Es ist über 45 Jahre her, dass ich in diesem Beruf angefangen habe, unterbrochen durch Studium und ein paar Jahre bei einem TV-Sender. Die immer rasantere technische Entwicklung hat die Medienlandschaft seit damals radikal umgewälzt. Arbeitsabläufe wurden massiv beschleunigt, neue Medien traten hinzu, die Finanzierungsmodelle veränderten sich.
Der Hunger nach Nachrichten bleibt
Zum Glück ist aber im Lokaljournalismus eines immer gleich geblieben: der schier unstillbare Hunger nach Informationen aus dem eigenen unmittelbaren Lebensumfeld – egal ob ganz aktuell oder auch schon etwas älter. Dieses Bedürfnis können wir zum Glück immer noch in gedruckter Form befriedigen – auch weil viele Gemeinden im Knonauer Amt den «Anzeiger» dankenswerterweise als amtliches Publikationsorgan nutzen und dafür auch einen Beitrag an die Verteilung zahlen. Im Laufe meines Berufslebens habe ich bei mehreren Lokalzeitungen gearbeitet, überall war das Interesse an dem, was vor der Haustüre passiert, sehr gross. Hier im Knonauer Amt, wo ich mehr als zweieinhalb Jahre arbeiten durfte, gilt das fast noch mehr. Der «Anzeiger» ist eine wirklich einzigartige Institution. Nie zuvor habe ich ein derartiges Interesse an den lokalen Geschehnissen gespürt, eine derartige lebendige Diskussionskultur erlebt und auch das Interesse der Behörden an einer ausgewogenen und detaillierten Berichterstattung gespürt. Die journalistische Qualität ist – auch wenn vereinzelt immer wieder daran herumgenörgelt wird – weiterhin sehr hoch, dank des hervorragenden Teams auf der Redaktion wie auch der kompetenten Truppe von mehr als einem Dutzend von freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die zum Teil schon seit Jahrzehnten im Auftrag des «Anzeigers» unterwegs sind.
Dieses grosse Interesse an der publizistischen Leistung des «Anzeigers» ruft allerdings gelegentlich auch Leute auf den Plan, mit denen man privat lieber nichts zu tun hätte. Aufgeblasene Egos, streitsüchtige Weltverbesserer, wütend ins Telefon gebrüllte Beleidigungen oder E-Mails, die man eigentlich an die Polizei weiterleiten sollte, weil sie doch ernst zu nehmende Bedrohungen enthalten, gehören zu den Aspekten des Berufslebens, für die man eine gute Portion Abwehrkräfte braucht. Diese ziemlich lautstarke Spezies ist zum Glück nicht so oft aktiv. Ihr wünsche ich jedenfalls deutlich mehr Gelassenheit im Umgang mit Journalisten. Man kann nämlich mit der Redaktion auch normal kommunizieren.
Ein grosser Dank
Jetzt muss noch Platz sein für gute Wünsche und Danksagungen. Meinem Nachfolger Daniel Koch wünsche ich viel Erfolg, viele angenehme Begegnungen, tolle Storys und generell eine glückliche Hand bei der Auswahl der Geschichten. Meinen wunderbaren Kolleginnen wünsche ich das Gleiche und dass ihre Leidenschaft und Begeisterung für den Lokaljournalismus nie nachlässt. Meinen Kolleginnen und Kollegen aus dem Inserateverkauf und dem Verlag wünsche ich viel Erfolg bei der Finanzierung der Zeitung. Meinen Vorgesetzten und meinem Arbeitgeber danke ich für das grosse Vertrauen, das man mir stets entgegengebracht hat – und natürlich ganz besonders Ihnen, geschätzte Leserinnen und Leser, Inseratekunden und -kundinnen, für Ihr spürbares grosses Interesse an dieser ganz speziellen Zeitung.


