Von Venezuela an die Musikschule Knonauer Amt
Mit Herz, Humor und Begeisterung: José Sifontes bringt Kinder zur Musik

Musik ist für José Sifontes weit mehr als das Beherrschen eines Instruments. Sie ist Sprache, Gemeinschaft und Lebensfreude. Der gebürtige Venezolaner vermittelt Kindern an der Musikschule Knonauer Amt nicht nur Technik und Theorie, sondern vor allem die Freude am gemeinsamen Musizieren. Sein eigener Weg führte ihn von bescheidenen Verhältnissen in Venezuela bis an die Zürcher Hochschule der Künste – und schliesslich ins Knonauer Amt.
Es war der Onkel, der den zehnjährigen José Sifontes in Venezuela zur Musik brachte. Das Musikinstrument, das ihm die Tür zur Musikwelt öffnete, war das Cuatro. Es hat vier Saiten, ist etwas grösser als eine Ukulele, klingt aber kräftiger und heller. Es eignet sich sowohl für Akkordbegleitungen als auch für schnelle Melodien und ist ein zentrales Instrument vieler lateinamerikanischer Musikstile, vor allem in Venezuela und Kolumbien.
Später Einstieg, grosse Leidenschaft
Erst mit 15 Jahren – für viele Musikschaffende ein vergleichsweise später Beginn – erhielt der musikalische Junge Klavierunterricht. Weil er gern in einem Orchester mitspielen wollte, lernte er zusätzlich Querflöte, später Saxofon und schliesslich Orgel.
Zunächst studierte er in seiner Heimat Englisch und liess sich zum Englischlehrer ausbilden. Doch seine Leidenschaft galt der Musik. Deshalb entschied er sich vor sieben Jahren, seinen beruflichen Weg in der Schweiz fortzusetzen. An der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) studierte er Musik und Bewegung, eine Musikausbildung mit Schwerpunkt auf der Arbeit mit Kindern. Zurzeit vertieft er seine Kompetenzen mit einem DAS (Diploma of Advanced Studies) in Kirchenmusik, Orgel. Danach möchte er einen Master in Music Pedagogy mit Schwerpunkt Querflöte machen.
Seit vier Jahren unterrichtet José Sifontes an der Musikschule Knonauer Amt, zunächst Ukulele und Musikalische Grundausbildung (MAG). Zudem ist er fest als Organist in der katholischen Kirchgemeinde Hausen-Mettmenstetten engagiert.
Inzwischen kann er eine beeindruckende Vielfalt an Instrumenten spielen: Klarinette, verschiedene Flöten, Gitarre, E-Bass, E-Gitarre, Geige – und mit einem Lachen ergänzt er: «Und Didgeridoo und Duduk.»
Gleich erklärt er: «Ein Duduk ist ein traditionelles Holzblasinstrument aus Armenien. Es gehört zur Familie der Doppelrohrblattinstrumente – ähnlich wie eine Oboe –, hat aber einen deutlich weicheren, warmen und melancholischen Klang. Es wird meist aus Aprikosenholz gefertigt, das als besonders klangvoll gilt. Es berührt die Seele zutiefst.»
Wenn José Sifontes von seinen Instrumenten spricht, ist seine Begeisterung förmlich spürbar. Diese mitreissende Ausstrahlung ist ein wesentlicher Grund dafür, dass Kinder mit Freude bei ihm lernen. Gleichzeitig versteht er es, theoretisches Wissen spielerisch in den Unterricht einzubauen. Die Kinder lernen Musiktheorie fast unbemerkt – durch das gemeinsame Musizieren.
José Sifontes ist überzeugt, dass jedes Kind das für sich passende Instrument finden kann. Neben den persönlichen Vorlieben spielen auch körperliche Voraussetzungen eine Rolle: Körpergrösse, Fingerlänge und Fingerfertigkeit, Spannweite der Hand oder auch die Lippenform.
Für ihn ist wichtig, Kinder nicht mit überhöhten Erwartungen unter Druck zu setzen – weder offen noch unterschwellig. Stattdessen ermutigt er Kinder und Erwachsene zum Improvisieren. «Sie können es!», sagt er voller Überzeugung und motiviert zudem zum gemeinsamen Musizieren.
Freude zählt mehr als Perfektion
Nachdenklich meint er: «Dafür hat man hier viele Möglichkeiten. In meiner Kindheit und Jugend haben wir in Venezuela einfach überall zusammen musiziert.» Gleichzeitig beobachtet er Unterschiede: «Generell haben die Kinder hier eher zu viele Hobbys. Sie haben teilweise sehr teure Instrumente zur Verfügung – doch wichtiger ist die Freude an der Musik.» Dann zitiert er ein Sprichwort aus seiner Heimat: «Es ist nicht der Pfeil, es ist der Indianer.»
José Sifontes fühlt sich in der Schweiz angekommen. An eine Rückkehr nach Venezuela denkt er nicht. Dort habe er unter anderem Hunger erlebt. «Wenn man hier lebt, ist man dankbar, zu essen zu haben.»
Familie bedeutet ihm alles. Besonders die Zeit mit seinem kleinen Sohn ist ihm wichtig und prägt auch seine Sicht auf die Musikpädagogik.
Musik als Geschenk fürs Leben
Gern erinnert er sich an ein Sommerkonzert, das er als Flötist zusammen mit Corinna Camacaro, Violine, Sarina Wagner, Gesang, und Annette Bodenhofer, Klavier und Orgel, in der Kirche Hedingen gegeben hat. Seine Konzerttätigkeit will er in Zukunft ausweiten.
Kindern den spielerischen Zugang zur Musik zu eröffnen, sie auf ihrem Weg zu begleiten und ihnen die Freude am Musizieren zu erhalten – das ist José Sifontes’ grösste Motivation. Mit Humor, Geduld und Begeisterung zeigt er täglich, dass Musik weit mehr als Noten und Technik ist: Sie verbindet Menschen, stärkt das Selbstvertrauen und schenkt Lebensfreude.
In dieser Serie stellt der «Anzeiger» junge Musikerinnen und Musiker aus der Region vor. (red)


