«Jetzt bin ich in Affoltern angekommen»
Margrith Heeb wohnt seit bald einem Jahr im Senevita Obstgarten und fühlt sich sehr wohl

Der Umzug nach Affoltern im letzten Herbst geschah nicht ganz freiwillig. Für Margrith Heeb war nach einem folgenschweren Sturz klar, dass sie nicht mehr alleine wohnen kann. In ihrem Umkreis im Limmattal war kurzfristig in keiner Institution ein Zimmer frei. In Affoltern konnte sie jedoch innert weniger Wochen ein neues Zuhause beziehen. Zu Beginn war das für die über 90-jährige Frau nicht ganz einfach. Sie kannte hier nichts und niemanden. Heute ist das anders. Auch dank ihrer fröhlichen, offenen und humorvollen Art hat sie in der Senevita schon viele Kontakte geknüpft. Mit ihrer Nichte und ihrem Neffen war sie gerne im Ort unterwegs zum Einkaufen, und bei Spaziergängen mit dem Rollator lernte sie die Umgebung kennen. Sie berichtet von einem besonderen Erlebnis im Coop, wo es Einkaufswagen gibt, in welchen Senioren Platz nehmen können. «Das war lustig, als meine Nichte mich in diesem Wagen herumschob. In diesem Moment spürte ich, dass ich jetzt in Affoltern angekommen bin.» Sie meint damit das emotionale Ankommen. Sie fühlt sich nun hier im Säuliamt zu Hause. Es sei ihr in diesem Haus sehr wohl, betont sie. «Alle sind nett, die Pflegenden, die Damen am Empfang, die Verantwortlichen der Geschäftsleitung und alle andern, die im Haus arbeiten.»
Bei Margrith Heeb ist das Glas immer halb voll, sie sieht in allen Situationen die positiven Seiten. Zugleich weiss sie auch sehr genau, was sie möchte, und äussert ihre Wünsche beharrlich. Nach ein paar körperlichen Rückschlägen ist sie inzwischen froh, dass sie im Rollstuhl Platz nehmen und einen kleinen Rundgang im Sitzen geniessen kann. Danach bestellt sie gerne im hauseigenen Restaurant einen Eiskaffee oder einen Apérol – wohlgemerkt ohne Alkohol.
Ausbildung im Hotel
Margrith Heeb ist im St.Galler Rheintal mit zwei Schwestern und zwei Brüdern aufgewachsen, die alle jünger waren, aber schon verstorben sind. Ihre Kindheit fiel in die Zeit des Zweiten Weltkriegs. Doch ihre Erinnerungen sind von schönen Erlebnissen geprägt. «Wir wohnten im Restaurant Ochsen. Meine Eltern betrieben eine Metzgerei sowie einen kleinen landwirtschaftlichen Betrieb, und wir Kinder mussten viel helfen.»
Das liebste Fach in der Schule war für sie die Handarbeit. «Das Stricken, Häkeln oder Nähen und Hemden-Flicken, das alles machte mir viel Freude.» Doch ihr beruflicher Weg führte in die Hotellerie und Gastronomie. «Ich war auch sehr an Kontakten zu Menschen und an Sprachen interessiert.» Als Au-pair verbrachte sie ein Jahr in Neuchâtel und lernte Französisch. «Danach ging ich zur Tante Kätherli nach Ascona ins Hotel Tamaro. Von ihr erhielt ich eine sehr gute Ausbildung.» Es gefiel ihr so gut im Tessin, dass sie zahlreiche Sommersaisons dort verbrachte und im Hotel bei der Tante arbeitete.
Beruflich vielfältig gefordert
Während dieser Zeit interessierte sich ein junger Mann für sie. «Hans Heeb schrieb mir und fragte, ob ich noch frei sei. Ich kannte ihn und er gefiel mir.» Somit gab sie ihm eine positive Antwort – auch in einem handschriftlichen Brief. «Er kam mich ab und zu ins Tessin besuchen, aber es blieb natürlich beim Küssen», erzählt sie schmunzelnd. Erst einige Jahre später heiratete das Paar. «Wir hätten gerne Kinder gehabt, doch das war nicht möglich. So blieben wir zu zweit und hatten ein wunderschönes Leben zusammen.» Sie pflegte eine intensive Beziehung zu ihren Nichten und Neffen, die ein bisschen zu ihren Kindern wurden. In einem Modegeschäft entdeckte sie ihre Affinität für Kleider und Farben. «Schäpper Mode in Buchs gibt es heute noch. Dort führte ich damals mit der Chefin gerne Gespräche über die Kollektionen.» Beruflich war sie vielfältig engagiert, auch bedingt durch die Arbeit ihres Mannes. Sie war zuerst in seiner Bäckerei tätig und zog dann mit ihm nach Zürich, wo er in einem Restaurant als Koch angestellt war. Schliesslich führte sie zusammen mit ihm das Restaurant Dreispitz, bevor sich beide beruflich neu orientierten. Sie war bis zur Pensionierung aktiv und arbeitete vor allem in der WSL Birmensdorf (Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft), wo sie einen anspruchsvollen Job ausübte.
Margrith Heeb ist bereits seit gut 20 Jahren verwitwet. Ihr Mann war etwas älter als sie und verstarb an einem Herzversagen. Sie lebte selbstständig in ihrer Wohnung und organisierte bis vor einem guten Jahr noch die Handwerkeraufgaben in der grossen Liegenschaft, in der sie wohnte. Ihren E-Mac bediente sie so lange, bis ihre Augen durch eine Makuladegeneration nicht mehr mitmachten.
Mit Stolz berichtet sie zum Schluss, wie sie mit etwas über 80 freiwillig den Führerausweis abgegeben habe. «Zuerst musste ich unterschreiben, dass es mir mit diesem Entscheid wirklich ernst ist. Und zur Belohnung erhielt ich schliesslich Gutscheine für den Zug oder den Bus.»


