«Ich hatte den Wunsch, mein grosses Idol zu heiraten»

Rahel Weiss arbeitet als Malerin im Albisbrunn und ist seit ihrer Kindheit Fan von Peter Alexander

Rahel Weiss freut sich über den lebensgrossen Peter Alexander, der über ihre Sammlung im Büro wacht. (Bild mvoss)
Rahel Weiss freut sich über den lebensgrossen Peter Alexander, der über ihre Sammlung im Büro wacht. (Bild mvoss)

«Einmal Säuliamt, immer Säuliamt», erklärt Rahel Weiss schmunzelnd gleich zu Beginn des Gesprächs. Sie habe immer im Bezirk Affoltern gewohnt und bis auf eine ganz kurze Zeit auch immer hier in der Region gearbeitet. Ihren Beruf als Malerin liebe sie. «Ich würde wieder denselben beruflichen Weg einschlagen, wenn ich nochmals wählen müsste.» Aufgewachsen ist sie in Affoltern, hat dort die Schulen besucht und war in der Pfadi intensiv engagiert, auch als Leiterin. Durch ihren Vater, der als Tapezierer und Dekorateur arbeitete, kam sie mit dem Malerberuf in Kontakt. In der Schnupperlehre gefiel es ihr, und so blieb sie dem Malen treu, bis heute. Nebst anderen kurzen Anstellungen war sie während 27 Jahren in Hausen im Betrieb der Familie Gaisser angestellt. Aufgrund einer Umstrukturierung suchte sie einen neuen Arbeitsplatz. «Ich schrieb eine Blindbewerbung ans Albisbrunn und erhielt sofort im Malerbetrieb der Institution einen Job.» Seit zwei Jahren sei sie dort tätig, und es gefalle ihr gut. «Als ich meinen Beruf erlernte, waren die Frauen noch in der Minderheit. Inzwischen gibt es viele Malerinnen.» Im Albisbrunn sei sie im Umgang mit den Jungs jedoch auf besondere Weise herausgefordert. «Viele stammen aus anderen Kulturen, in denen Frauen nichts gelten. Da muss ich ihnen manchmal wirklich zeigen, dass ich etwas vom Job verstehe. Das macht ihnen dann oft Eindruck.» Sie habe mehrheitlich einen guten Draht zu den Jugendlichen und unterstütze sie auch gerne, wenn zum Beispiel bei Zimmerwechseln die Wände einen neuen Anstrich gebrauchen.

Das sichtbare Vorher und Nachher

Auf die Bitte, noch etwas mehr zu ihrer Tätigkeit als Malerin zu berichten, führt Rahel Weiss aus: «Die Arbeit ist zwar nach wie vor körperlich anstrengend, doch heute gibt es immer mehr technische Hilfsmittel, die das Streichen von Wänden oder Decken erleichtern.» Das Befriedigende an ihrem Beruf sei für sie das sichtbare Vorher und Nachher. «Ich sehe, was ich getan habe, und ich kann oft auch kreativ sein.» Dazu komme, dass sie grundsätzlich gerne mit den Händen arbeite. «Und ich erhalte oft positive Feedbacks. Die Leute freuen sich über den neuen, frischen Anstrich, der ihr Zuhause oder ein Gebäude verschönert.»

Seit fünf Jahren wohnt sie mit ihrem Partner in Ottenbach. Sie selber hat keine Kinder, doch eine sehr gute Beziehung zu ihrem Neffen. «Er ist jetzt kürzlich konfirmiert worden. Ich bin sein Gotti.» Sie freut sich, mitzuerleben, wie er erwachsen wird und seinen Weg geht. «Jede Weihnachtszeit backen wir zusammen Guetsli. Mit dieser Tradition begannen wir, als er fünf Jahre alt war.»

«Ich war hin und weg»

Nebst ihrem Partner André gibt es im Leben von Rahel Weiss noch einen anderen Mann, den sie seit ihrer frühen Kindheit über alles verehrt. «Das ist Peter Alexander, der bekannte österreichische Sänger und Schauspieler. Er hätte am 30. Juni dieses Jahres seinen 100. Geburtstag gefeiert.» Sie erzählt, wie er zu ihrem Idol wurde. «Ich war in der ersten Klasse krank im Bett und durfte daher im Fernseher den Film ‹Die Abenteuer des Grafen Bobby› schauen. Peter Alexander spielte die Hauptrolle, und ich war hin und weg.» Sie habe sich richtiggehend verliebt. «Er konnte singen, tanzen und war einfach ein charmanter, wunderschöner Mann.» Ab dann begann sie, alles von Peter Alexander zu sammeln, was ihr möglich war. «Das Erste war ein Kassettli, das habe ich heute noch.» Es folgten Berichte und Bilder aus Heftli und Illustrierten, Plakate, Langspielplatten, später CDs, Singles und DVDs mit Filmen. «Natürlich hatte ich damals auch den Wunsch, mein grosses Idol einmal zu heiraten.» Sie lacht. Leider sei es ihr nie möglich gewesen, den berühmten Mann live in einer Show zu erleben. «Ich konnte ihm meine Bewunderung also nie persönlich zeigen.»

Erinnerungen, Leidenschaft und Herzblut

Bis heute sammelt Rahel Weiss alles, was sie von ihrem Idol auftreiben kann. Es werde aber immer schwieriger, noch etwas zu finden, das sie nicht schon habe. «In meiner Sammlung stecken unglaublich viele Erinnerungen, aber auch Herzblut und Leidenschaft.» 797 Tonträger, unzählige Ordner mit Texten, Bildern und Notenblättern sowie Plakate und exklusive Sammlerstücke füllen die Hälfte des Büroraums, den sie mit ihrem Partner teilt. «André hat kein Problem mit meinem ungewöhnlichen Hobby. Er hat mir zum 50. Geburtstag diese lebensgrosse Pappfigur von Peter geschenkt. Und er kam sogar schon oft mit nach Wien, wo ich den Spuren von Peter nachgehen wollte. Einmal konnte ich dort an einer Versteigerung teilnehmen und eine Pressemappe mit Original-Unterschrift ersteigern.» Rahel Weiss freut sich auf den November. «Dann nehmen wir an einer Jubiläumsshow zu Ehren Peter Alexanders teil. Die Tickets habe ich schon. Wir sitzen in der vierten Reihe.»

797

Tonträger von Peter Alexander besitzt Rahel Weiss.

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