«Ich sehe das Resultat meiner Arbeit»

Stefano Ardagna ist Architekt und engagiert sich als Präsident des Sci Clubs Italiano

Stefano Ardagna mit dem Modell des Projekts Umbau/Aufstockung Döltschihalde in Zürich. (Bild Marianne Voss)
Stefano Ardagna mit dem Modell des Projekts Umbau/Aufstockung Döltschihalde in Zürich. (Bild Marianne Voss)

«Meine Eltern kamen in den 1960er-Jahren als Fremdarbeiter aus Sizilien in die Schweiz», berichtet Stefano Ardagna in seinem Architekturbüro Architekta AG in Mettmenstetten. Die Mutter habe als Näherin in der Albis-Bettwarenfabrik gearbeitet. «Mein Vater war in seiner Heimat Ziegenhirt und Landwirt. Er fand eine Anstellung in einer Lackiererei.» Er selber bezeichnet sich als richtigen Säuliämtler. «Eher noch als eingeborenen Affoltemer.» Er schmunzelt. «Ich kam im Spital Affoltern zur Welt, wohnte zuerst mit meinen Eltern und meinem Bruder in Affoltern und bin jetzt mit meiner eigenen Familie auch dort zu Hause.» Er sei inzwischen natürlich schon lange Schweizer Bürger und könne besser Deutsch als Italienisch. «Ich denke auf Zürideutsch, und meine beiden inzwischen fast erwachsenen Kinder beherrschen auch beide Sprachen, fühlen sich im Schwitzerdütsch aber sicherer.»

Als Stefano Ardagna in Affoltern zur Schule ging, war er nicht das einzige Kind aus Italien. «Pro Klasse waren wir zwei bis drei. Kinder aus anderen Staaten gab es damals noch kaum.» Die Schulzeit und Kindheit hat er in guter Erinnerung. «Wir wurden weder geplagt, noch als ‹Tschingge› ausgelacht.» Die italienischen Einwanderer pflegten eine starke Gemeinschaft miteinander und feierten auch ihre eigenen Gottesdienste. «Dort war ich natürlich regelmässig dabei und als Ministrant im Einsatz.» Heute habe er sich von der katholischen Kirche jedoch eher distanziert.

Heute ist er Inhaber des Büros

Nach der Schulzeit bewarb er sich um eine Lehrstelle als Hochbauzeichner. «Das war sehr schwierig, ich verschickte etwa 60 Bewerbungen.» Durch einen glücklichen Zufall fand er die ersehnte Stelle in einem Büro in Knonau, wo er nach vier Jahren seinen Abschluss machen konnte. Danach blieb er dort als Angestellter und besuchte neben dem Job das Abendtechnikum für Architektur. Als diplomierter Architekt FH wechselte er den Arbeitsort und trat eine Stelle in einem Büro in Mettmenstetten an. «Und hier bin ich heute noch, inzwischen als Inhaber.» Er ergänzt, wieder schmunzelnd: «Ich habe mich nicht vom Fleck bewegt. Nicht nur, was meinen Wohnort, sondern auch, was meinen Arbeitsort betrifft.» Neben ihm sind vier Architektinnen, ab August ein Lernender und seine Frau im Büro Architekta tätig.

Auf die Frage, was er denn so baue, zählt er auf: «Wir erstellten zum Beispiel hier in Mettmenstetten das Feuerwehrgebäude oder die Überbauung im Zentrum von Affoltern.» Aktuell beschäftige sich sein Team unter anderem mit dem Neubau des Gemeindehauses in Dürnten, mit Terrassenwohnungen in Affoltern, einer Arealbebauung in Obfelden und mit der Gesamtsanierung von 67 Wohnungen im Triemligebiet. «Wir haben genug Arbeit, schwierig war es hingegen, gute Mitarbeitende zu finden.»

Seit fast 35 Jahren übt Stefano Ardagna seinen Beruf als Architekt aus. Was macht ihm dabei Freude? «Meine Arbeit hat mir immer Freude gemacht, seit meiner Lehre. Ich plane, entwerfe, entwickle, es entsteht etwas, und ich sehe das Resultat meiner Arbeit.» Oftmals erlebe er eine besonders gute und bereichernde Zusammenarbeit mit der Bauherrschaft. «Manchmal entstehen durch ein Bauprojekt sogar neue Freundschaften.» Sein Ziel bestehe nicht darin, ein Stararchitekt zu sein. «Das Wichtigste ist für mich, auf die Bedürfnisse der Menschen einzugehen, damit sie sich in dem entstandenen Gebäude wohlfühlen.» Ein grosses Anliegen seien ihm auch eine ansprechende Architektur und das Berücksichtigen der Wirtschaftlichkeit, ohne die ökologischen Aspekte zu vernachlässigen. «Dies unter einen Hut zu bringen, ist meist eine Herausforderung.»

Skilehrer für die ganz Kleinen

Stefano Ardagna pflegt verschiedene Hobbys, wie das Töff- oder Oldtimerfahren, Tennisspielen im TC Säuliamt oder sein Engagement im Rotary Club, wo er sich die letzten drei Jahre unter anderem um die Organisation der Weihnachten für Alleinstehende kümmert. «Ich war auch während 18 Jahren in der Feuerwehr, doch das habe ich nun schweren Herzens abgegeben, ein paar gute Freundschaften sind aber geblieben.» Sein wichtigstes Hobby ist sein Einsatz für den Sci Club Italiano Affoltern am Albis (SCIA), dem er seit zwei Jahren als Präsident vorsteht. «Der Verein entstand vor über 40 Jahren durch Italiener und wird heute durch Menschen mit italienischen und schweizerischen Wurzeln geführt. Unsere 250 Mitglieder gehören aber verschiedensten Nationalitäten an, viele sind natürlich Schweizerinnen und Schweizer.» Der SCIA organisiert jedes Jahr im Winter an den Wochenenden Skiunterricht auf dem Stoss. In der letzten Saison nahmen 132 Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene aus der Region teil. Er liebe diese fröhliche Vielfalt von unterschiedlichen Menschen. «Ich selber bin Skilehrer für die ganz Kleinen, das macht mir mega Spass. Wir sind bei jedem Wetter einen Tag draussen, und ich erlebe mit, wie schnell die Kinder Fortschritte machen.» Er schwärmt vom Verein, dem grossen Netzwerk und dem familiären Zusammenhalt. «Wir sind ein Familienclub», betont er. «Come una grande famiglia!»

35

Jahre übt Stefano Ardagna seinen Beruf als Architekt aus.

Weitere Artikel zu «Menschen», die sie interessieren könnten

Menschen23.07.2026

«Ganz spezielle Zeitung»

Der frischgebackene Pensionär Florian Hofer verabschiedet sich
Rahel Weiss freut sich über den lebensgrossen Peter Alexander, der über ihre Sammlung im Büro wacht. (Bild mvoss)
Menschen09.07.2026

«Ich hatte den Wunsch, mein grosses Idol zu heiraten»

Rahel Weiss arbeitet als Malerin im Albisbrunn und ist seit ihrer Kindheit Fan von Peter Alexander
Im Alter von 85 Jahren immer noch aktiv in der Harmonie Affoltern: Jakob Geissbühler mit Eufonium vor dem Probelokal. (Bild Werner Schneiter)
Menschen02.07.2026

«Der Musik habe ich viel zu verdanken»

Jakob Geissbühler aus Rifferswil ist seit über 70 Jahren aktiver Musikant