«Ich wollte immer ins Tor»

Die Bonstetter Fussball-Torhüterin Isabel Rutishauser spielt in der 2. Frauen-Bundesliga beim SV Meppen – sie fällt aber wegen eines Kreuzbandrisses länger aus

Isabel Rutishauser vom SV Meppen muss sich nach einem Kreuzband- und Meniskusriss in Geduld üben – die Torhüterin aus Bonstetten arbeitet derzeit in der Schweiz an ihrem Comeback. (Bild zvg)
Isabel Rutishauser vom SV Meppen muss sich nach einem Kreuzband- und Meniskusriss in Geduld üben – die Torhüterin aus Bonstetten arbeitet derzeit in der Schweiz an ihrem Comeback. (Bild zvg)

Fussball ist die Sportart, in welcher alle mitreden können und wollen, in welcher alle auch Expertinnen und Experten sind. Was es aber heisst, in diesem Geschäftsfeld halbprofimässig unterwegs zu sein, das weiss die Bonstetterin Isabel Rutishauser (22). In der Winterpause der Saison 25/26 wechselte sie von den Grasshoppers zum deutschen Zweitligisten SV Meppen. «Ich hatte keine Spielzeit mehr bei GC, sie hatten eine Amerikanerin bevorzugt. Über meinen Berater kam dann der Wechsel zum SV Meppen zustande», erklärt sie.

Aktuell ist der Verein auf dem 4. Platz in der 2. Bundesliga klassiert. «Als ich dorthin wechselte, war der Aufstieg ein Thema, das ist jetzt punktemässig leider nicht mehr möglich», erzählt sie und schwärmt vom herzlichen Willkommen. Es seien mega coole und offene Leute im ganzen Verein. «Das machte es natürlich einfach.» Das Spielniveau sei ungefähr dasselbe, wie in der Schweiz, aber: Sie spielen eher kämpferisch, weniger technisch.» Das bedeute auch, mehr Verletzungen. Dies musste Isabel Rutishauser auf schmerzliche Art und Weise erfahren. Anfang April verletzte sie sich im Spiel auswärts gegen die SG 99 Anderach in der Schlussphase. Die Verantwortlichen hatten noch die Hoffnung, dass es nicht so schlimm sei, doch die Torhüterin wusste es besser: «Ich hörte einen Knall, als es passierte. Als Spielerin merkt man, wenn es schlimm ist. Das ist meine erste grosse Verletzung, abgesehen von einer Gehirnerschütterung, die ich mal hatte.» Vor zwei Wochen wurden sie am Kreuzband und Meniskus operiert. Sechs Wochen muss sie an Krücken gehen. Bis sie wieder fit für den Fussballplatz ist, dauert es neun bis zwölf Monate.

Sommer, Neuer und ter Stegen

Isabel Rutishauser war als Juniorin bei Wettswil-Bonstetten meist im Goal. «Im Juniorinnenfussball wird man überall eingesetzt, doch ich wollte immer ins Tor», erzählt sie. Als Goalie könne man während des Spiels viel beeinflussen und Verantwortung übernehmen. Ein eigentliches Vorbild im Profifussball hat die Studentin der Betriebsökonomie und des Sportmanagements nicht. Doch wen sie bewundert, das sind Yann Sommer oder Manuel Neuer, Torhüter des FC Bayern München, den sie als besten Goalie bezeichnet. Aber auch zu Deutschlands Nationaltorhüter Marc-André ter Stegen schaut sie auf – auch wenn dieser aktuell nach einer Oberschenkel-Operation ebenfalls pausieren muss.

Freundschaften nimmt man mit

Isabel Rutishauser muss sich nun in Geduld üben. Das falle ihr nicht leicht, wie sie sagt. Sie, die seit dem sechsten Lebensjahr ihrem Hobby frönt. «Fussball gibt mir extrem viel. Ich finde den Teamsportaspekt sehr cool. Man hat seine Leute und unterstützt einander.» Auch die Freundschaften aus dem Fussball nehme man ins private Leben mit, erzählt sie weiter. Was man im Fussball lerne, davon könne sie auch im Studium profitieren. Etwa, wenn sie vor vielen Menschen Präsentationen halten soll, sei die Erfahrung wertvoll.

Momentan weilt Isabel Rutishauser in der Schweiz, in Bonstetten. Mittels Physiostunden tastet sie sich langsam voran. Normalerweise absolviert sie bis sechs Trainings pro Woche und studiert an der Fernfachhochschule Schweiz Betriebsökonomie und Sportmanagement. «Das Studium dauert noch drei Jahre. Ob ich Sportchefin machen will, weiss ich noch nicht. Aktuell reizen mich Eventplanungen. Etwa einen Event wie Weltklasse Zürich zu organisieren oder die ganzen Fussballspiele im Letzigrund, das wäre schon was.»

Auf die Frage, ob sich im Frauenfussball nach den Europameisterschaften 2025 in der Schweiz in puncto Anerkennung etwas verändert habe, meint sie: «Das Ansehen ist gleich geblieben. Einzig der Kern, welcher Frauenfussball schaut, ist grösser geworden.» Und sie findet, dass man nicht mit dem Männerfussball vergleichen dürfe.

Isabel Rutishauser ist mit drei Brüdern aufgewachsen. Sie ist die Einzige, welche sich ganz dem Fussball gewidmet hat. Einer der Brüder fliegt Gleitschirme und klettert, einer der jüngeren Zwillingsbrüder spielte mal Fussball, der andere spielt Tischtennis. Auch die Eltern Beatrice und Frank Rutishauser hatten mit Fussball nichts am Hut.

Ob mit dem Wechsel zum SV Meppen später einmal die 1. Bundesliga möglich ist, weiss Isabel Rutishauser nicht. Ein Ziel wäre es schon, wie sie sagt. Doch zunächst heisst es, Physiostunden absolvieren und weiterhin Geduld haben.

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