Gut informiert und ernährt zum Ausdauerwettkampf
Die Ernährungswissenschaftlerin Joëlle Flück über Forschung und Praxis im Sport

Die Sport- und Ernährungswissenschaftlerin Joëlle Flück lebt seit fünf Jahren in Affoltern. Ihre Dissertation verfasste sie im Bereich der Sporternährung. Sie ist Präsidentin und Geschäftsführerin der Swiss Sports Nutrition Society und zählt im Amateurbereich zu den schnellsten Läuferinnen der Schweiz bis hin zur Marathondistanz. Beim Halbmarathon in Zürich lief sie im April dieses Jahres auf den 5. Platz overall und gewann ihre Altersklasse.
Beruflich ist sie im privaten Sportleistungszentrum OYM des Mäzens des EVZ, Hans-Peter Strebel, 74, verantwortlich für den Bereich Sporternährung und betreut Athletinnen und Athleten. Am 11. Juni leitete sie die Jubiläumstagung der Swiss Sports Nutrition Society mit einem kompakten Update zu den wichtigsten Entwicklungen in der Sporternährung. Der «Anzeiger» hat sie vorab im «Babas Cup» in Affoltern zu einem Gespräch getroffen.
«Anzeiger»: Frau Flück, was bezweckt die Swiss Sports Nutrition Society?
Joëlle Flück: Unser Verband fördert wissenschaftlich fundierte Ernährung im Sport. Wir bieten Fortbildungen und Zertifizierungen an, um die Qualität der Sporternährungsberatung zu sichern. Wir arbeiten mit Swiss Olympic und der Swiss Sports Integrity zusammen, um den Sportlerinnen und Sportlern Hilfestellung im Bereich Sporternährung und Nahrungsergänzungsmittel zu ermöglichen. An unserer Jahrestagung, die in diesem Jahr zum zehnten Mal stattfindet, präsentieren führende Forscherinnen und Forscher aus dem In- und Ausland neue Resultate und diskutieren den Transfer in den Praxisalltag.
Wie wichtig ist die Ernährung im Sport?
Es kommt auf die Sportart an. Je länger eine Wettkampfbelastung dauert, desto wichtiger wird die Ernährung, um die Leistung aufrechtzuerhalten. Im Schiesssport beispielsweise ist die Ernährung nicht matchentscheidend, im Gegensatz zu Ausdauersportarten wie Marathon oder Triathlon.
Wie ernähren Sie sich selbst bei einem Marathon?
In der Vorbereitung auf einen Lauf passe ich meine Verpflegungsstrategie der Temperatur und der Anzahl Verpflegungsstationen an. Ich berechne, wie viel Wasser und Kohlenhydrate ich für einen optimalen Wettkampf benötige. Da ich gerade bei Auslandstarts nicht im Elitefeld starten kann, trage ich jeweils meine Energiegels selbst mit und verpflege mich zusätzlich mit Wasser an den Verpflegungsposten. Wichtig ist, die Gels dann einzunehmen, wenn unmittelbar danach Wasser zur Verfügung steht.
Was empfehlen Sie im Breitensport für den ersten halben oder ganzen Marathon?
Informiere dich im Voraus über die Verpflegungsposten: Wie sind sie verteilt, welche Produkte werden angeboten? Sind die Produkte für mich verträglich? Wie reagiere ich auf Unvorhergesehenes wie einen Wetterumsturz oder Magen-Darm-Probleme unterwegs? Eine kurze Gehpause bei einer Verpflegungsstation kostet weniger Zeit als die Folgen eines Flüssigkeits- oder Energiemangels. Und vor allem: Teste alles im Training!
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